Bielefelder Universitätszeitung Nr. 196/1999, 12. Februar 1999

 
Preisträgerin Hannah Cho und Universitätskanzler Karl Hermann Huvendick,
zugleich 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung ausländischer Studenten in Bielefeld.
 

Empfang für ausländische Wissenschaftler

Friede-Magloire Ngo-Youmba und Hannah Cho ausgezeichnet

(BUZ) Für ihre überdurchschnittlichen Leistungen sowie den besonderen Einsatz für die interkulturelle Verständigung im sozialen und hochschulpolitischen Bereich sind die beiden Bielefelder Studentinnen Friede-Magloire Ngo-Youmba aus Kamerun und Hannah Cho aus Korea ausgezeichnet worden.

Ngo-Youmba erhielt den mit 2000 Mark dotierten Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der mit der jährlichen Vergabe der Preise demonstrieren will, daß ausländische Studierende die Hochschulgemeinschaft sowohl in kultureller als auch akademischer Hinsicht bereichern.

Hannah Cho erhielt den mit 1000 Mark dotierten Preis des Vereins zur Förderung ausländischer Studenten in Bielefeld e. V., der jährlich für hervorragende Leistungen und für Verdienste um das Miteinander von deutschen und ausländischen Studierenden vergeben wird.

Die Verdienste beider Preisträgerinnen sind beim jährlichen Empfang des Rektorats für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewürdigt worden. Mit der Veranstaltung, so sagte Rektor Gert Rickheit, "wollen wir unsere alltägliche internationale Verbundenheit für jedermann sichtbar zum Ausdruck bringen. Daß sich ausländische Wissenschaftler hier bei uns und Bielefelder Wissenschaftler an ausländischen Universitäten aufhalten, ist zum Glück eine pure Selbstverständlichkeit. Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre bemühen wir uns um eine Internationalisierung. Von den knapp 20 000 Studierenden dieser Universität haben über 1500 einen ausländischen Paß. Viele von ihnen sind zwar hier bei uns als sogenannte 'Bildungsinländer' aufgewachsen und haben durch die leider nicht sehr fortschrittlichen Ausländergesetze eigentlich einen falschen Status, aber 1500 ist dennoch eine erfreulich hohe Zahl, besonders, wenn man weiß, daß diese Studierenden aus 93 Ländern kommen. Bedauerlich ist, daß viele Studierende, die von außerhalb der Europäischen Union zu uns kommen, erhebliche bürokratische Hürden zu bewältigen haben, bis sie hier studieren dürfen. Es freut mich daher besonders, daß wir heute zwei Preisträgerinnen ehren dürfen, die aus sehr entfernten Ländern zu uns gekommen sind."

DAAD-Preisträgerin Friede-Magloire Ngo-Youmba kam 1988 nach Deutschland, besuchte einen Sprachkurs in Köln und begann zum Sommersemeser 1989 ihr Studium an der Universität Bielefeld mit dem Hauptfach Deutsch als Fremdsprache und den Nebenfächern Soziologie und Pädagogik. Im Juli 1997 schloß sie das Studium mit dem Magistergrad und der Note 1,0 ab. In ihrer Magisterarbeit beschäftigte sie sich mit dem Spracherwerb und der Studienplanung kamerunischer Studierender in Deutschland. Derzeit arbeitet sie an einem Promotionsvorhaben. Neben ihren hervorragenden akademischen Leistungen zeigt Frau Ngo-Youmba ein großes Spektrum entwicklungspolitischer Aktivitäten und ehrenamtlicher Tätigkeiten. So ist sie Mitglied des Arbeitskreises Afrikanisch-Asiatische Akademikerinnen und Akademiker, Mitglied des World Universit Service und Mitglied des kamerunischen Absolventen- und Studienarbeitskreises e.V. Sie arbeitet aktiv im ASA-Programm der Carl-Duisberg Gesellschaft und ist Mitarbeiterin des Forums "Rückkehr und Entwicklung" des Bildungswerks Vlotho. In Bielefeld hat sie sich darüber hinaus im entwicklungspolitischen Arbeitskreis der Evangelischen Studentengemeinde betätigt. Sie hat durch regelmäßige Studien- und Arbeitsaufenthalte in ihrem Heimatland demonstriert, daß sie den festen und glaubwürdigen Willen hat, die in Deutschland erworbenen Kenntnisse ihrem Heimatland bzw. dem afrikanischen Kontinent zur Verfügung zu stellen.
 

Hannah Cho hat nach einem ersten Studium in ihrem Heimatland in den Fächern Germanistik und Soziologie im Oktober 1993 das Studium an der Universität Bielefeld im Hauptfach Diplompädagogik begonnen. Im Nebenfach studiert sie Soziologie. Den größten Teil der Anforderungen des Hauptstudiums hat sie bereits erfolgreich absolviert, darunter ein längeres Praktikum in ihrem Heimatland. Besonders bemerkenswert ist ihr aktives Engagement in den Bielefelder Hochschulgemeinden, hier besonders innerhalb der Evangelischen Studentengemeinde ESG. Hier hat sie regelmäßig an den entwicklungspolitischen Studienbegleitseminaren, besonders zu den Themen "Bildung und Entwicklung, Reintegration, und Familien im interkulturellen Vergleich, teilgenommen. Sie ist außerdem eines der engagiertesten Mitglieder der internationalen Frauengruppe der ESG. Ihr ganz besonderes Interesse gilt der Frauenforschung, insbesondere der Situation von Frauen in Entwicklungsländern.

Ganz bemerkenswert ist weiterhin ihr großes soziales Engagement: Neben ihrem Studium in Korea hat sie bereits ehrenamtlich als Lehrerin und Erzieherin im Behindertenbereich sowie in sozialen Brennpunkten gearbeitet. In Deutschland unterstützt und berät Hannah Cho besonders neu eingereiste ausländische Studierende. Sie zeigt dabei immer wieder ein ausgeprägtes Interesse am Dialog mit Menschen aus anderen Kulturen. Dabei beeindruckt sie sowohl durch ihre Offenheit als auch ihre Kraft zu verbinden und integrieren.

Lehrprorektor Dieter Timmermann überreicht den DAAD-Preis an Friede-Magloire Ngo-Youmba.


Pressestelle, 1999-03-02