Bielefelder Universitätszeitung Nr. 196/1999, 12. Februar 1999

 

Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs

Konzepte zum Umfeld der Stadtbahnhaltestelle Universität

(BUZ) Als Sieger im städtbaulichen Einladungswettbewerb "Umfeld Stadtbahnhaltestelle Universität" ist das Herdecker Architekturbüro Pesch und Partner hervorgegangen. Der Entwurf besteche, so die Jury, "durch die Einfachheit der Grundkonzeption, die konsequent eine Freiraumachse als Querband zur Universitätserschließung entwickelt". Der zweite Preis ging an Professor Klaus Köpke, einer der Architekten der Universität Bielefeld, und der dritte Preis an die Planungsgruppe Nord aus Kassel. Alle drei Entwürfe waren unlängst in der Universitätsbibliothek in einer Ausstellung, die Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide und Rektor Gert Rickheit gemeinsam eröffneten, zu sehen und zur Diskussion gestellt worden.

Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide (l.) und Rektor Prof. Dr. Gert Rickheit (r.) eröffneten gemeinsam die Ausstellung der Modelle für das Umfeld Universitätshaltestelle.
 

Zur Ausstellungseröffnung sagte die Oberbürgermeisterin, es sei das erklärte Ziel der Stadt Bielefeld, das bestehende Streckennetz der Stadtbahn zu erweitern, um für die Bürgerinnen und Bürger ein attraktives Angebot zu schaffen. Dieses Angebot sei aus verkehrlichen wie auch aus ökologischen Gründen ein Gebot der Stunde. Die Anbindung des Bielefelder Westens an das städtische und regionale Schienennetz solle im Jahr 2000 erfolgen. Dies wäre in mehrfacher Hinsicht ein wichtiger und wesentlicher Schritt zur Vervollständigung des städtischen Angebotes. Angelika Dopheide: "Alle Beteiligten werden von dieser Maßnahme profitieren: Die Universität mit ihren Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten, die ein zuverlässiges und schnelles Transportmittel erhalten werden, und die Bürgerinnen und Bürger, für die die Universität mehr in den Blick der Stadt rücken würde.

Denn, meine Damen und Herren, auch nach mehr als 25 Jahre nach ihrer Gründung ist für viele Bielefelder ihre Universität nach wie vor ein wenig bekannter Teil unserer Stadt. Hier wird die Chance eröffnet, daß sich die Universität für viele Menschen in der Stadt erschließen könnte. Zur Zeit sind die Abschnitte vom Hauptbahnhof über die Oetkerhalle bis zur Voltmannstraße im Bau. Der dritte Bauabschnitt auf dem Universitätsgelände steht an und damit auch die Frage des Haltepunktes. Nun kennen Sie alle die Auseinandersetzungen um die Haltestelle an der Universität und ich möchte diese zum Teil sehr emotional geführte Diskussion hier nicht noch einmal aufwärmen. Fakt ist, daß es bislang kein befriedigendes städtebauliches Konzept gab – ich hoffe, daß der Wettbewerb, dessen Ergebnisse wir heute sehen können, zur Klärung der städtebaulichen und stadträumlichen Situation dienen wird. Es soll neben den kurzfristigen Planungen eine Zukunftsvision für den Bereich nordöstlich des Universitätshauptgebäudes aufgezeigt werden. Denn ich bin davon überzeugt, daß die Umsetzung der Idee, an die Stelle des Parkhauses ein Dienstleistungszentrum mit einem Planetarium zu setzen, eine Chance für alle Beteiligten bietet. Meine Damen und Herren, ich sprach eben von der Öffnung der Universität zur Stadt. Von der jetzt angedachten Lösung und den unbestritten hervorragenden Standortqualitäten wie z.B. der leichten Erreichbarkeit mit Auto, Rad und vor allem Öffentlichem Personennahverkehr werden alle profitieren."

Rektor Gert Rickheit bescheinigte der Stadt Bielefeld Augenmaß, daß sie   trotz mancher Widrigkeiten und zeitlicher Verzögerungen daran festgehalten habe, einen städtebaulichen Wettbewerb auszuloben, um auf diese Weise Vorschläge für ein städtebaulich überzeugendes Konzept für den Zugang zur Universität im Zusammenhang mit der Stadtbahnhaltestelle zu gewinnen – "eine schwierige überaus anspruchsvolle Aufgabe".

"Die meisten von Ihnen werden wissen", sagte Rickheit, "daß es in dem letzen Jahrzehnt viel Streit und durchaus auch heftige Auseinandersetzungen um die Trassenführung der Stadtbahn auf dem Universitätsgelände gegeben hat. Es gab Planungsphasen, in denen gegensätzliche Sichtweisen, Bewertungen und Argumentationen zugespitzt und unvereinbar gegeneinander standen. Daß es trotzdem allen maßgeblich Beteiligten, vor allem also der Stadt, den Stadtwerken und der Universität gelungen ist, Einvernehmen herzustellen und eine Lösung gefunden wurde, die vielversprechende Optionen für die Zukunft schafft, ist daher um so höher zu bewerten.

Die Sache, um die es geht, ist allemal eine große gemeinsame Anstrengung wert; denn es geht nicht allein um die Anbindung der Universität an ein leistungsfähiges attraktives Nahverkehrssystem – ein Vorhaben, wozu bereits vor 30 Jahren die Planungen begonnen wurden und dessen Realisierung längst überfällig ist –, sondern es geht auch darum, jetzt die Chance zu nutzen und im Zusammenhang mit den ohnehin erforderlichen Baumaßnahmen für die Stadtbahn einen städtebaulich attraktiv gestalteten und zugleich sicheren Zugang zur Universität zu schaffen, der bis heute fehlt. Dies liegt durchaus im gemeinsamen Interesse der Stadt, der Stadtwerke und natürlich der Universität. Daß sich letztlich dieses gemeinsame Interesse durchsetzen konnte, werte ich als großen Erfolg – trotz einiger schwieriger Probleme, deren Lösung noch aussteht, wie insbesondere die Finanzierung des Zugangskonzepts.

Stadtplanung wird allgemein durch rechtlich geregelte Verfahren gesteuert, die die Beachtung fast unübersehbar vieler Vorschriften und Restriktionen, die Beteiligung einer Vielzahl von Ämtern, Behörden sowie betroffener Institutionen und Personen mit häufig unterschiedlichen Bewertungen und Interessen vorsieht. Die Wahrscheinlichkeit, daß bei solch komplexen hochregulierten Prozessen im Ergebnis eine attraktive städtebauliche Gestaltung der bebauten Umwelt erzielt wird, ist nicht sehr groß; nicht selten reichen Energie und Phantasie der vielen am Entscheidungsprozeß Beteiligten gerade mal zu einem mühsam ausgehandelten Kompromiß, von dem – ist er einmal gebaut – sich dann manch Verantwortlicher gerne distanzieren würde, hätte er nicht mitentschieden.

Daß dies immer wieder passiert, liegt nicht zuletzt daran, daß Anforderungen an städtebauliche Konzeption und Gestaltung häufig durch ermüdende Verfahren, Interessenkonflikte und Zuständigkeitsvielfalt in den Hintergrund geschoben werden. Verdrängt wird dadurch, daß die Erarbeitung von Stadtplanungsentwürfen zu allererst ein kreativer Prozeß ist, vielleicht muß ich sagen ein kreativer Prozeß sein sollte, in dem Ideen, auch zunächst verblüffende Ideen, in konkrete Gestalt umgesetzt werden. Gute städtebauliche Konzeption und Gestaltung ist keineswegs ein ästhetischer Luxus, den man sich häufig genug nicht leisten kann; vielmehr kann durch kreative Gestaltungskraft eine Integrationsleistung in Form eines Entwurfs erzielt werden, die durch noch so aufwendige Kompromißanstrengungen vieler am Planungsprozeß Beteiligter nicht erreichbar ist.

Vor allem deshalb bin ich der Stadt dankbar, daß sie mit dem Wettbewerb Anforderungen an städtebauliche Konzeption und Gestaltung den ihnen gebührenden hervorragenden Rang eingeräumt hat.

An dem Wettbewerb waren Bielefelder und auswärtige Büros beteiligt, das Preisgericht setzte sich ebenfalls aus externen und Bielefelder Fachleuten zusammen. Auch das ist ein wichtiges Element in einem Planungsprozeß: daß Expertise auch von externen Fachleuten eingeholt wird; ein Verfahren, das übrigens in der Wissenschaft zu den Routinen gehört."

Der erste und zweite Preis sind vom Preisgericht einstimmig vergeben worden. Zwei sehr unterschiedliche Entwürfe, beide mit sehr guten Gestaltungsideen, aber durchaus auch mit einigen noch nicht gelösten Problemen.

Der 2. Preis: Der Entwurf läßt den Platz in der Mitte frei. Vorgeschlagen wird ein innerer Grünbereich mit hoher Aufenthaltsqualität als Rückrat der fußläufigen Erschließung zur Stadtbahn und dem Dienstleistungsbereich. Die flankierenden Gebäude sollen durch tertiäre Einrichtungen genutzt und dadurch der Platz belebt werden. Die Haltestelle öffnet sich großzügig zum Platz in Richtung Universität.

Eine zunächst, verblüffende Idee des mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurfs ist das transparente Gebäude auf dem Gelände des mittleren Parkdecks; es ermöglicht – im Zusammenhang mit weiteren Gestaltungselementen – eine Bündelung und klare Führung der Fußgängerströme zwischen Haltestelle und Universitätseingang, eine Korrespondenz zwischen Nutzern der Stadtbahn und des Dienstleistungs- und Versorgungszentrums einschließlich des Planetariums sowie insgesamt eine differenzierte gelungene Gestaltung der gesamten Freifläche zwischen dem Universitätsgebäude und der an die Haltestelle angrenzenden Grünfläche.

Der 1. Preis: Prägend ist das transparente Gebäude auf dem Gelände. "Bastion", zentrale Halle und die Freiflächen im Norden und Süden des Universitätsgebäude werden über ein als Garten der Wissenschaften definiertes breites Grünband zu einer vernetzten Freiraumachse entwickelt, die vom Haupteingang des Universitätshauptgebäudes bis zur Stadtbahnhaltestelle durch einen von einem Lichtband begleiteten Weg flankiert wird. Dieser Weg bündelt die Fußgängerströme auf dem Weg zur Universität und gewährleistet eine eindeutige Orientierung.
 
Dieses Beispiel steht dafür, daß überraschende Lösungsvorschläge manchmal einhellig als beste erkannt werden, obgleich man selbst kaum draufgekommen wäre.

Für die Realisierung eines solchen Gebäudes – das ist allen Beteiligten hier klar – muß ein privater lnvestor gefunden werden. Ich hoffe sehr, daß dies alsbald gelingt. Die hohe Standortgunst mit über 27.000 Personen hier am Universitätsstandort, mit der günstigsten Verkehrsanbindung überhaupt in der gesamten Stadt sowie dem konzentrierten Potential von Know-how und Infrastruktur schafft – so denke ich – sehr gute Voraussetzungen dafür.

Diese Universität ist eine typische 'Campus-Universität' mit allen Vorteilen, aber auch den Nachteilen einer bis heute fehlenden städtebaulichen lntegration. Es liegt daher nicht nur im Interesse der Universität sondern auch der gesamten Stadt, daß jetzt dieser erste wichtige Schritt für eine städtebauliche Integration des Campus entschlossen getan wird.


Pressestelle, 1999-02-25