1965 - 1976

 

Anfang 1965 erteilte der nordrhein-westfälische Kultusminister Paul Mikat dem Münsteraner Soziologen Helmut Schelsky den Planungsauftrag für eine "Universität im ostwestfälischen Raum". Bereits Ende 1965 konstituierten sich der Gründungsausschuss und der Wissenschaftliche Beirat der zu gründenden Hochschule. Beiden Gremien gehörten bereits viele spätere Bielefelder Professoren an. Dazu zählten der Philosoph Hermann Lübbe, der Sprachwissenschaftler Harald Weinrich, die Juristen Ernst-Wolfgang Böckenförde und Werner Maihofer, der Historiker Reinhart Koselleck, der Pädagoge Hartmut von Hentig, der Soziologe Niklas Luhmann. Gleichzeitig gründete sich mit der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft eine Einrichtung, die sich zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Politik und Wirtschaft der Region sowie der im Gründungsprozess befindlichen Hochschule entwickelte.

Die auf Grundlage der Konzeption Helmut Schelskys im Juli 1967 vom Gründungsausschuss beschlossenen "Empfehlungen für die Universität Bielefeld" bildeten die Planungsgrundlage für die "Reformuniversität" Bielefeld. Die Idee war, im deutschen Universitätssystem eine Ausnahmeuniversität zu schaffen, mit dem Primat der Forschung, der Einheit von Forschung und Lehre sowie der Verbindung von Wissenschaft und Praxis. Hinzu kam - seinerzeit einmalig in Deutschland - das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), das Forschung über die Fächergrenzen hinweg initiieren und fördern sowie die Isolierung der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen verhindern sollte. Vor dem Hintergrund der Studentenproteste und der wachsenden Studentenbewegung, aber auch in einer reformorientierten und reformfreudigen Zeit versuchte man in Bielefeld, verstaubte Traditionen mit dem "Muff von tausend Jahren" gar nicht erst in die neue Universität hineinzulassen. Sich stetig verschlechternde Rahmenbedingungen mit stark steigenden Studierendenzahlen bei gleichzeitig sinkenden Finanzmitteln sorgten allerdings dafür, dass Abstriche an der Gründungskonzeption einer "Reformuniversität" gemacht werden mussten, auch wenn die Universität ihr eigenes Profil mit den Leitbildern Forschungsorientierung und Interdisziplinarität erhalten konnte.

Bereits im November 1969 nahm die Universität Bielefeld den Lehrbetrieb mit zunächst drei Fakultäten - Mathematik, Rechtswissenschaft und Soziologie - und 270 Studierenden auf. Es folgten die Fakultäten Pädagogik, Philosophie und Psychologie (1971), Linguistik und Literaturwissenschaft sowie Physik (1972), Geschichtswissenschaft (1973), Wirtschaftswissenschaften (1974), Chemie (1975) und Biologie (1976). Mit nunmehr zehn Fakultäten und annähernd 5000 Studierenden waren die Aufbauplanungen des Gründungsausschusses und der Universität aus dem Jahre 1970 erreicht. Die Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes im Jahre 1976 markierte dann auch äußerlich das Ende der Aufbau- und Gründungsphase der Universität Bielefeld.


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