Aktuelle Forschungsprojekte

Die Forschungsschwerpunkte der AE 03 "Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie" liegen derzeit auf diesen Themenbereichen:

  • Emotionsregulation
  • Stress und Stressbewältigung
  • Entwicklung unter ungünstigen Lebensumständen
  • Akkulturation
  • Beurteilungsdiskrepanzen

 

YOURHEALTH

Psychische Gesundheit von jungen Flüchtlingen: Eine Längsschnittstudie über zwei Jahre

Geförderte Antragsteller:
Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Heike Eschenbeck, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd


Mitarbeiterinnen:
M.Sc. Zeynep Demir
M.Sc. Hannah Nilles
M.Sc. Denise Kerkhoff

Studentische Hilfskräfte:
Selina Demirtas
Katharina Isabell Sievers
Alaa Abdulkadir
Asser Nafie
Akram Sadeghifar
Atefeh Ramsari
Maged Darwish
Majd Alden Taha


Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Förderzeitraum: 04/2018-03/2022

Im Rahmen des Verbundprojekts „YOURHEALTH – Stress, Gesundheit und Integration junger Flüchtlinge: Zusammenhänge entdecken und den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern“ wird in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd (Prof. Dr. Heike Eschenbeck) ein Teilprojekt in der Region Bielefeld durchgeführt. Die Hauptziele dieses Teilprojekts sind die Untersuchung der psychischen Gesundheit von jungen Flüchtlingen im zeitlichen Verlauf, beginnend mit ihrer Ankunft in Deutschland über einen Zeitraum von insgesamt zwei Jahren sowie die Identifikation von für den Entwicklungsverlauf relevanten Risiko- und Schutzfaktoren.

 

 

Joko, du und ich

Entwicklung eines primärpräventiven Angebots zur Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung und zur Entwicklungsförderung bei Kindern im Alter von 24 bis 36 Monaten

Geförderte Antragssteller:
Prof. Dr. Nina Heinrichs, Universität Braunschweig
Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld

Mitarbeiterin:
M.Sc. Tabea Symanzik

Gefördert durch die AOK Rheinland/Hamburg. Förderzeitraum: 12/2011 - 09/2018

Ziel des Projektes ist die Konzeption und Entwicklung eines neuen Gruppenangebotes zur Förderung der seelischen Kindergesundheit, um damit dem immer größer werdenden Bedarf an Konzepten zur Prävention und Gesundheitsförderung im U-3-Bereich Rechnung zu tragen und dabei eine möglichst breite Elternschaft anzusprechen. Im ersten Schritt wurde ein Programmangebot für das Setting Kita erarbeitet, das mittlerweile über die AOK in Kitas angeboten wird. Gegenwärtig erfolgt eine Anpassung von ?Joko, du und ich? für die Individualprävention. Dies bedeutet, dass auch außerhalb von Kitas ein Programmangebot erfolgen soll, an dem Eltern von U-3-Kindern teilnehmen können. In einem weiteren Schritt soll dann ein weiterer Baustein für Tagespflegepersonen entwickelt und evaluiert werden.

 

 

Emotional Awareness

Ein Forschungsprojekt zur Wahrnehmung von Emotionen im Rahmen des Empirisch-Experimentellen Projektseminars 2018/19

Durchführende Personen: Hannah Arens, Nils Depenbrock, Studierende des Empirisch-Experimentellen Projektseminars

Betreuung und Leitung: Dipl.-Psych. Jana-Elisa Rüth, Universität Bielefeld

 

Die korrekte Wahrnehmung von eigenen und fremden Emotionen ist bedeutsam für unsere psychische Gesundheit. Aus der bisherigen Forschung weiß man, dass die späte Kindheit und das frühe Jugendalter eine wichtige Phase für die Entwicklung dieser Fähigkeit darstellt. Das Wissen über eigene Emotionen und ihre Regulation ist dabei die Grundlage für gelingende soziale Interaktion, persönliches Wohlbefinden und psychische Gesundheit. Uns interessiert deshalb: Was wissen Kinder über ihre Emotionen? Wie differenziert nehmen sie ihre Emotionen wahr? Spüren sie die eigenen Gefühle auch körperlich? Zeigen die Kinder ihre Gefühle offen und sprechen darüber? Können sie auch die Gefühle ihrer Interaktionspartner gut einschätzen? Darüber hinaus interessiert uns, ob und in welcher Weise die Wahrnehmung der eigenen Gefühle mit körperlichen Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Müdigkeit) und bestimmten Verhaltensweisen und Gedanken (z.B. Grübeln, Ängstlichkeit, Traurigkeit) zusammenhängt. Im Rahmen des Forschungsprojektes zur Wahrnehmung von Emotionen werden von Mai bis Juli 2018 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 3 bis 6 befragt. Mit ersten Ergebnissen aus diesem Projekt ist im Winter 2018/19 zu rechnen.

 

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

 

 

 

eXid - Explaining Cross-Informant Discrepancies

Erklärung von Beurteilungsdiskrepanzen bei der Angabe von internalisierendem und externalisierendem Problemverhalten von Kindern und Jugendlichen

Beauftragt man unterschiedliche Personen (z.B. Kinder und ihre Eltern) mit der Beurteilung kindlichen Problemverhaltens, so werden häufig ganz unterschiedliche Einschätzungen abgegeben. Gravierende Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbericht erschweren die Integration unterschiedlicher Perspektiven und können zu erheblichen Problemen in Forschung und Praxis führen (z.B. bei der Bestimmung von Prävalenzraten psychischer Störungen oder der Festlegung von Therapiezielen). Obwohl Beurteilungsdiskrepanzen zu den stabilsten Effekten in der klinischen Forschung gehören, ist bislang wenig über mögliche Einflussfaktoren bekannt. Im Forschungsprojekt eXid sollen Determinanten von Beurteilungsdiskrepanzen bei der Angabe von internalisierendem und externalisierendem Problemverhalten identifiziert werden, um deren Entstehung und Aufrechterhaltung besser erklären zu können. Im Rahmen einer umfassenden Fragebogenstudie soll das theoretisch zugrunde liegende integrative Rahmenmodell, welches u.a. Ansätze aus der Kognitions- und Sozialpsychologie (z.B. Attribution Bias Context Model, Social Relations Model), sowie der Klinischen Psychologie (z.B. Depression-Distortion-Hypothese) unter entwicklungspsychologischen Aspekten vereint, überprüft werden.
Mit Hilfe der Kombination von querschnittlichen und längschnittlichen Erhebungen (Kohorten-Sequenz-Methode) mit Kindern und Jugendlichen der Klassen 5 bis 9 und ihren Eltern wurde im ersten Projektabschnitt (bis 06/2016) ein umfassender Datensatz gewonnen. Auf dieser Grundlage werden die wesentlichen inhaltlichen und methodischen Fragestellungen des Forschungsprojektes eXid untersucht.

 

Pflegefamilienstudie Grow&Treat

Die Pflegefamilienstudie GROW&TREAT beschäftigt sich mit der Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen. Im Allgemeinen besteht die Studie aus zwei Teilen: einer Langzeitstudie (GROW) und einer Interventionsstudie (TREAT). Dabei werden sowohl Pflegeeltern und ihre Pflegekinder, als auch Familien und ihre leiblichen Kindern befragt.
Nähere Informationen zur Pflegefamilienstudie finden Sie hier.

 

ESKAB

Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern aus Familien mit unterschiedlichem Ausmaß an Belastung

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZGA) wurden als Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) mit der wissenschaftlichen Begleitung der "Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012-2015" beauftragt. Teil dieses Forschungsprogramms ist eine Vertiefungsstudie (ESKAB) zur Prävalenz von psychosozialen Belastungsindikatoren bei Familien mit Säuglingen und Kleinkindern in Deutschland, wobei vor allem die Wirkmechanismen und Auswirkungen von familiären Belastungen auf die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern genauer untersucht werden sollen. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für die Ausgestaltung der dauerhaften Fondslösung ab 2016 abgeleitet werden. In der Vertiefungsstudie werden Familien mit Kindern zwischen 0 und 3 Jahren in einem Kohorten-Längsschnitt-Design längsschnittlich begleitet, um zeitliche Zusammenhänge zwischen familiären Entwicklungsbedingungen, elterlichem Fürsorge- und Erziehungsverhalten und kindlichem Entwicklungsverlauf abbilden zu können. Einflüsse familiärer Belastung auf die kindliche Entwicklung können sich dabei in verschiedenen Entwicklungsdomänen auswirken und durch unterschiedliche Prozesse erfolgen. Interventions- und Präventionsangebote können also nur dann passgenau angeboten werden, wenn man die altersspezifischen Wirkmechanismen und auch die vermittelnden Prozesse kennt, die innerhalb der deutschen Lebenswirklichkeit das familiäre Risiko tatsächlich zum Risiko für das Kind werden lassen. Um dies adäquat untersuchen zu können, werden zum einen die Entwicklung wesentlicher Funktionsbereiche und zum anderen individuelle Merkmale der Kinder und der Eltern sowie soziale Unterstützungsprozesse herangezogen, die im Verhalten der Eltern zum Ausdruck kommen.

 

Freizeitstress bei Kindern und Jugendlichen - Psychophysiologische Wirkungen von Medien

Im Rahmen von mehreren aufeinanderfolgenden Studien sollen Auswirkungen von elektronischen Unterhaltungsmedien auf verschiedene psychologische und physiologische Faktoren bei Kindern und Jugendlichen untersucht werden.

Zunächst wird es in einem ersten Schritt darum gehen, inwieweit der Umgang mit Fernsehen und Computerspielen bei Kindern und Jugendlichen zu Stress führt. Dieser wird zum einen mittels objektiver physiologischer Parameter (Herzrate, Herzratenvariabilität, Cortisol, Alpha-Amylase) erfasst, zum anderen schätzen die Probanden ihr Empfinden und emotionales Erleben während der Beschäftigung mit den Medien subjektiv ein. Es wird vermutet, dass es zwischen verschiedenen Medienarten (Computerspiele vs. Fernsehen) und Genres (emotionsinduzierend / gewalthaltig vs. neutral / nicht gewalthaltig) zu Differenzen hinsichtlich der physiologischen Aktivierung und des subjektiven Empfindens kommt. Es wird systematisch untersucht, ob und in welchem Ausmaß diese Unterschiede tatsächlich auftreten. Des Weiteren soll eine Überprüfung der Übereinstimmung der objektiven physiologischen Kennwerte und der subjektiven Angaben erfolgen.

In weiteren Studien sollen die Auswirkungen der mit dem Medienkonsum einhergehenden physiologischen und psychologischen Veränderungen auf kognitive Leistungen untersucht werden. Aus der bisherigen Forschung ist bekannt, dass sich Stress und emotionales Erleben auf Lernleistungen, Gedächtnisbildung und die Aufmerksamkeit auswirken können. Der Frage, ob auch die Beschäftigung mit Unterhaltungsmedien bei Kindern und Jugendlichen zu derartigen Veränderungen führen kann, und ob das Lernen und die Wissenskonsolidierung dadurch evtl. beeinträchtigt werden, soll in mehreren Untersuchungen nachgegangen werden.

 

Erklärung von Geschlechtsunterschieden bei der Angabe von physischen und psychischen Symptomatiken

 

In dem geplanten Forschungsprojekt geht es darum, mögliche Erklärungsansätze für die Geschlechtsunterschiede bei der Angabe physischer und psychischer Symptomatiken zu überprüfen, die sich in der Forschungsliteratur nahezu durchgängig finden. Der Fokus liegt dabei auf dem Kindes- und Jugendalter. Als Erklärungsansätze werden eine unterschiedliche Reizwahrnehmungssensitivität sowie die Geschlechtsrollenorientierung (feminin versus maskulin) einbezogen. Da ein Teil der Symptomangaben im Kindes- und Jugendalter als Folge eines Stresserlebens auftritt, werden weiterhin primäre und sekundäre Bewertungsprozesse in Anforderungssituationen berücksichtigt. Es wird erwartet, dass die Geschlechtsrollenorientierung nicht nur direkte Bezüge zu den Symptomangaben aufweist, sondern dass auch indirekte Effekte auftreten, indem auch die Reizwahrnehmungssensitivität sowie die primären und sekundären Bewertungsprozesse in Anforderungssituationen von Geschlechtsrollenorientierungen beeinflusst werden. Das zugrunde gelegte theoretische Modell soll mit einer Stichprobe von ca. 1500 Kindern und Jugendlichen der Klassenstufen 4 bis 9 überprüft werden, wobei neben den genannten inhaltlichen Fragestellungen auch methodische Erklärungen für Geschlechtsunterschiede bei Symptomangaben analysiert werden sollen.

 

Lern- und Gedächtnisleistungen vom Säuglings- bis zum Vorschulalter im Kulturvergleich

 

Einer der Forschungsschwerpunkte der Abteilung Entwicklungspsychologie lag in den vergangenen Jahren im Bereich der Säuglings- und Kleinkindforschung. Dazu wurde ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt in Kooperation der entwicklungspsychologischen Abteilungen der Universitäten Gießen, Osnabrück, Frankfurt/Main und Bielefeld bearbeitet. Dabei stand die Entwicklung von Lern- und Gedächtnisleistungen vom Säuglings- bis ins Kleinkindalter sowie die Untersuchung von kulturellen Unterschieden im Focus. Durch die Osnabrücker Forschergruppe wurden Kinder in Kamerun beobachtet, um Vergleiche mit den Lern- und Gedächtnisleistungen deutscher Kinder vornehmen zu können. Das Lernverhalten der Kinder wurde anhand verschiedener spielerisch angelegter Messungen untersucht und in Zusammenhang mit z.B. dem Temperament, dem IQ und der Konzentrationsfähigkeit der Kinder gebracht. Dieses Projekt ist mittlerweile abgeschlossen, obwohl auch künftig noch einzelne Publikationen zu spezifischen Projektthemen entstehen.

 

SNAKE - Stress Nicht Als Katastrophe Erleben

 

In dem Projekt SNAKE - Stress Nicht Als Katastrophe Erleben haben wir ein Stresspräventionsprogramm für Jugendliche entwickelt und optimiert, das im Schulsetting durchgeführt wird. Außerdem steht den Schülerinnen und Schülern eine umfangreiche E-Learning-Plattform zur Verfügung. Dieses Projekt steht stellvertretend für unsere vielfältigen Forschungsaktivitäten zu dem Thema Stress im Kindes- und Jugendalter. Neben dem SNAKE-Präventionsprogramm für Jugendliche wurde weiterhin ein Stresspräventionsprogramm für Schüler im Grundschulalter ("Bleib locker") entwickelt und evaluiert. Auch in vielen aktuellen Forschungsprojekten der Arbeitseinheit "Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie" spielt das Stresserleben und die Stresssymptomatik im Kindes- und Jugendalter eine prominente Rolle.