Aktuelle Forschungsprojekte

Die Forschungsschwerpunkte der AE 03 "Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie" liegen derzeit auf diesen Themenbereichen:

  • Emotionsregulation
  • Stress und Stressbewältigung
  • Entwicklung unter ungünstigen Lebensumständen
  • Erziehung, Entwicklung und digitale Medien
  • Interaktionsqualität zwischen Kindern und Bezugspersonen
  • Akkulturation
  • Beurteilungsdiskrepanzen

 

 

eXid - Explaining Cross-Informant Discrepancies

Erklärung von Beurteilungsdiskrepanzen bei der Angabe von internalisierendem und externalisierendem Problemverhalten von Kindern und Jugendlichen

Geförderte Antragssteller:
Dr. Marc Vierhaus, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld

Mitarbeiterin:
Jana-Elisa Rüth

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
Förderzeitraum: 06/2014 - 06/2017

Beauftragt man unterschiedliche Personen (z.B. Kinder und ihre Eltern) mit der Beurteilung kindlichen Problemverhaltens, so werden häufig ganz unterschiedliche Einschätzungen abgegeben. Gravierende Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbericht erschweren die Integration unterschiedlicher Perspektiven und können zu erheblichen Problemen in Forschung und Praxis führen (z.B. bei der Bestimmung von Prävalenzraten psychischer Störungen oder der Festlegung von Therapiezielen). Obwohl Beurteilungsdiskrepanzen zu den stabilsten Effekten in der klinischen Forschung gehören, ist bislang wenig über mögliche Einflussfaktoren bekannt. Im Forschungsprojekt eXid sollen Determinanten von Beurteilungsdiskrepanzen bei der Angabe von internalisierendem und externalisierendem Problemverhalten identifiziert werden, um deren Entstehung und Aufrechterhaltung besser erklären zu können. Im Rahmen einer umfassenden Fragebogenstudie soll das theoretisch zugrunde liegende integrative Rahmenmodell, welches u.a. Ansätze aus der Kognitions- und Sozialpsychologie (z.B. Attribution Bias Context Model, Social Relations Model), sowie der Klinischen Psychologie (z.B. Depression-Distortion-Hypothese) unter entwicklungspsychologischen Aspekten vereint, überprüft werden.
Mit Hilfe der Kombination von querschnittlichen und längschnittlichen Erhebungen (Kohorten-Sequenz-Methode) mit Kindern und Jugendlichen der Klassen 5 bis 9 und ihren Eltern wurde im ersten Projektabschnitt (bis 06/2016) ein umfassender Datensatz gewonnen. Auf dieser Grundlage werden die wesentlichen inhaltlichen und methodischen Fragestellungen des Forschungsprojektes eXid untersucht.

 

Pflegefamilienstudie Grow&Treat

Geförderte Verbundpartner:
Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Nina Heinrichs, Technische Universität Braunschweig
Prof. Dr. Kerstin Konrad, Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Mitarbeiterinnen:
Denise Kerkhoff
Jana-Elisa Rüth

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Förderzeitraum: 07/2013 - 07/2017

Die Pflegefamilienstudie GROW&TREAT beschäftigt sich mit der Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen. Im Allgemeinen besteht die Studie aus zwei Teilen: einer Langzeitstudie (GROW) und einer Interventionsstudie (TREAT). Dabei werden sowohl Pflegeeltern und ihre Pflegekinder, als auch Familien und ihre leiblichen Kindern befragt.
Nähere Informationen zur Pflegefamilienstudie finden Sie hier.

 

Joko, du und ich

Entwicklung eines primärpräventiven Angebots zur Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung und zur Entwicklungsförderung bei Kindern im Alter von 24 bis 36 Monaten

Geförderte Antragssteller:
Prof. Dr. Nina Heinrichs, Universität Braunschweig
Prof. Dr. Arnold Lohaus, Universität Bielefeld

Mitarbeiterin:
M.Sc. Tabea Symanzik

Gefördert durch die AOK Rheinland/Hamburg. Förderzeitraum: 12/2011 - 09/2018

Ziel des Projektes ist die Konzeption und Entwicklung eines neuen Gruppenangebotes zur Förderung der seelischen Kindergesundheit, um damit dem immer größer werdenden Bedarf an Konzepten zur Prävention und Gesundheitsförderung im U-3-Bereich Rechnung zu tragen und dabei eine möglichst breite Elternschaft anzusprechen. Im ersten Schritt wurde ein Programmangebot für das Setting Kita erarbeitet, das mittlerweile über die AOK in Kitas angeboten wird. Gegenwärtig erfolgt eine Anpassung von ?Joko, du und ich? für die Individualprävention. Dies bedeutet, dass auch außerhalb von Kitas ein Programmangebot erfolgen soll, an dem Eltern von U-3-Kindern teilnehmen können. In einem weiteren Schritt soll dann ein weiterer Baustein für Tagespflegepersonen entwickelt und evaluiert werden.

 

Manifestation von kindlichen Bindungsverhaltensweisen und Bindungssituationen im Kindergarten


Dr. Michael Glüer, Universität Bielefeld

Durch den Wandel des traditionellen Familienbildes werden Kinder heute öfter, früher und länger außerfamiliär betreut als noch in den vorherigen Generationen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, 2012) besuchen in Deutschland 96% aller 4-Jährigen regelmäßig eine Kindertagesstätte. Insgesamt wurden im Jahre 2006 93% aller Kinder zwischen 3 bis 6 außerfamiliär betreut. Damit liegt Deutschland auf Platz 4 der EU-Staaten und über dem EU-Durchschnitt von 84% (Quelle: statista.com).
ErzieherInnen werden für das Kind zu wichtigen Bezugspersonen und unterstützen diese in ihrer Entwicklung. Die Bindung zwischen ErzieherIn und Kind spielt daher eine entscheidende Rolle für die Entwicklung und das weitere Leben des Kindes. Aus diesem Grund ist die Untersuchung dieser Bindung in den Fokus der Bindungsforschung gerückt.
In diesem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit Situationen und Verhaltensweisen, in denen sich Bindung im Kindergartenalltag zeigt. In der qualitativen Pilotstudie wird durch Interviews und Beobachtungen in den KiTas Bindungsverhalten analysiert. Ziel ist eine ausführliche Beschreibung der Erzieherin-Kind Bindung, als Grundlage für weiterführende Forschung.

Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.

 

Die Bedeutung des elterlichen Erziehungsverhaltens für die kindliche Internetnutzung

Unter Mitarbeit von: Diana During, Jacquie Weiss, Mara Kaemper und Nils Depenbrock


Leitung: Dr. Michael Glüer, Universität Bielefeld

Digitale Medien wie das Internet sind ein wesentlicher Bestandteil der Alltagswelt von Kindern und Jugendlichen. In Deutschland verfügen 99% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren über einen Internetzugang (MPFS, 2016). Das Internet wird zur Kommunikation, zur Unterhaltung, zum Spielen sowie zur Suche nach Informationen genutzt (z. B. zur Lösung von Hausaufgaben). Wie Kinder mit dem Internet umgehen, wird entscheidend durch die Eltern vermittelt. Unklarheit besteht noch darin, welche Erziehungsstrategien Eltern hinsichtlich der kindlichen Internetnutzung verwenden und welchen Zusammenhang diese mit dem Internetnutzungsverhalten von Kindern aufweisen. Daher wird in dieser Studie untersucht, welche Erziehungsstrategien sich bei Eltern unterscheiden lassen und in welcher Weise diese einen Bezug mit dem Internetnutzungsverhalten der Kinder aufweisen. Insbesondere werden die Internetnutzungskompetenzen sowie die möglichen Risiken, die im Zusammenhang mit der Internetnutzung bei Kindern auftreten, betrachtet. Wir danken allen Schulleiter/Innen, Lehrer/Innen, Eltern und Kindern, die sich an diesem Projekt beteiligen und diese Forschung ermöglichen.

Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.

 


Abgeschlossene Forschungsprojekte


ESKAB

Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern aus Familien mit unterschiedlichem Ausmaß an Belastung

Geförderte Verbundpartner:
Dr. Marc Vierhaus, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Peter Zimmermann, Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Gottfried Spangler, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

gefördert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Mitarbeiterinnen:
Carina Egger
Sandra Wyrwich

Förderzeitraum: 04/2014 - 12/2015

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZGA) wurden als Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) mit der wissenschaftlichen Begleitung der "Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012-2015" beauftragt. Teil dieses Forschungsprogramms ist eine Vertiefungsstudie (ESKAB) zur Prävalenz von psychosozialen Belastungsindikatoren bei Familien mit Säuglingen und Kleinkindern in Deutschland, wobei vor allem die Wirkmechanismen und Auswirkungen von familiären Belastungen auf die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern genauer untersucht werden sollen. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für die Ausgestaltung der dauerhaften Fondslösung ab 2016 abgeleitet werden. In der Vertiefungsstudie werden Familien mit Kindern zwischen 0 und 3 Jahren in einem Kohorten-Längsschnitt-Design längsschnittlich begleitet, um zeitliche Zusammenhänge zwischen familiären Entwicklungsbedingungen, elterlichem Fürsorge- und Erziehungsverhalten und kindlichem Entwicklungsverlauf abbilden zu können. Einflüsse familiärer Belastung auf die kindliche Entwicklung können sich dabei in verschiedenen Entwicklungsdomänen auswirken und durch unterschiedliche Prozesse erfolgen. Interventions- und Präventionsangebote können also nur dann passgenau angeboten werden, wenn man die altersspezifischen Wirkmechanismen und auch die vermittelnden Prozesse kennt, die innerhalb der deutschen Lebenswirklichkeit das familiäre Risiko tatsächlich zum Risiko für das Kind werden lassen. Um dies adäquat untersuchen zu können, werden zum einen die Entwicklung wesentlicher Funktionsbereiche und zum anderen individuelle Merkmale der Kinder und der Eltern sowie soziale Unterstützungsprozesse herangezogen, die im Verhalten der Eltern zum Ausdruck kommen.

 

Freizeitstress bei Kindern und Jugendlichen - Psychophysiologische Wirkungen von Medien

Im Rahmen von mehreren aufeinanderfolgenden Studien sollen Auswirkungen von elektronischen Unterhaltungsmedien auf verschiedene psychologische und physiologische Faktoren bei Kindern und Jugendlichen untersucht werden.

Zunächst wird es in einem ersten Schritt darum gehen, inwieweit der Umgang mit Fernsehen und Computerspielen bei Kindern und Jugendlichen zu Stress führt. Dieser wird zum einen mittels objektiver physiologischer Parameter (Herzrate, Herzratenvariabilität, Cortisol, Alpha-Amylase) erfasst, zum anderen schätzen die Probanden ihr Empfinden und emotionales Erleben während der Beschäftigung mit den Medien subjektiv ein. Es wird vermutet, dass es zwischen verschiedenen Medienarten (Computerspiele vs. Fernsehen) und Genres (emotionsinduzierend / gewalthaltig vs. neutral / nicht gewalthaltig) zu Differenzen hinsichtlich der physiologischen Aktivierung und des subjektiven Empfindens kommt. Es wird systematisch untersucht, ob und in welchem Ausmaß diese Unterschiede tatsächlich auftreten. Des Weiteren soll eine Überprüfung der Übereinstimmung der objektiven physiologischen Kennwerte und der subjektiven Angaben erfolgen.

In weiteren Studien sollen die Auswirkungen der mit dem Medienkonsum einhergehenden physiologischen und psychologischen Veränderungen auf kognitive Leistungen untersucht werden. Aus der bisherigen Forschung ist bekannt, dass sich Stress und emotionales Erleben auf Lernleistungen, Gedächtnisbildung und die Aufmerksamkeit auswirken können. Der Frage, ob auch die Beschäftigung mit Unterhaltungsmedien bei Kindern und Jugendlichen zu derartigen Veränderungen führen kann, und ob das Lernen und die Wissenskonsolidierung dadurch evtl. beeinträchtigt werden, soll in mehreren Untersuchungen nachgegangen werden.


Erklärung von Geschlechtsunterschieden bei der Angabe von physischen und psychischen Symptomatiken

In dem geplanten Forschungsprojekt geht es darum, mögliche Erklärungsansätze für die Geschlechtsunterschiede bei der Angabe physischer und psychischer Symptomatiken zu überprüfen, die sich in der Forschungsliteratur nahezu durchgängig finden. Der Fokus liegt dabei auf dem Kindes- und Jugendalter. Als Erklärungsansätze werden eine unterschiedliche Reizwahrnehmungssensitivität sowie die Geschlechtsrollenorientierung (feminin versus maskulin) einbezogen. Da ein Teil der Symptomangaben im Kindes- und Jugendalter als Folge eines Stresserlebens auftritt, werden weiterhin primäre und sekundäre Bewertungsprozesse in Anforderungssituationen berücksichtigt. Es wird erwartet, dass die Geschlechtsrollenorientierung nicht nur direkte Bezüge zu den Symptomangaben aufweist, sondern dass auch indirekte Effekte auftreten, indem auch die Reizwahrnehmungssensitivität sowie die primären und sekundären Bewertungsprozesse in Anforderungssituationen von Geschlechtsrollenorientierungen beeinflusst werden. Das zugrunde gelegte theoretische Modell soll mit einer Stichprobe von ca. 1500 Kindern und Jugendlichen der Klassenstufen 4 bis 9 überprüft werden, wobei neben den genannten inhaltlichen Fragestellungen auch methodische Erklärungen für Geschlechtsunterschiede bei Symptomangaben analysiert werden sollen.


Lern- und Gedächtnisleistungen vom Säuglings- bis zum Vorschulalter im Kulturvergleich

Einer der Forschungsschwerpunkte der Abteilung Entwicklungspsychologie lag in den vergangenen Jahren im Bereich der Säuglings- und Kleinkindforschung. Dazu wurde ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt in Kooperation der entwicklungspsychologischen Abteilungen der Universitäten Gießen, Osnabrück, Frankfurt/Main und Bielefeld bearbeitet. Dabei stand die Entwicklung von Lern- und Gedächtnisleistungen vom Säuglings- bis ins Kleinkindalter sowie die Untersuchung von kulturellen Unterschieden im Focus. Durch die Osnabrücker Forschergruppe wurden Kinder in Kamerun beobachtet, um Vergleiche mit den Lern- und Gedächtnisleistungen deutscher Kinder vornehmen zu können. Das Lernverhalten der Kinder wurde anhand verschiedener spielerisch angelegter Messungen untersucht und in Zusammenhang mit z.B. dem Temperament, dem IQ und der Konzentrationsfähigkeit der Kinder gebracht. Dieses Projekt ist mittlerweile abgeschlossen, obwohl auch künftig noch einzelne Publikationen zu spezifischen Projektthemen entstehen.


SNAKE - Stress Nicht Als Katastrophe Erleben

In dem Projekt SNAKE - Stress Nicht Als Katastrophe Erleben haben wir ein Stresspräventionsprogramm für Jugendliche entwickelt und optimiert, das im Schulsetting durchgeführt wird. Außerdem steht den Schülerinnen und Schülern eine umfangreiche E-Learning-Plattform zur Verfügung. Dieses Projekt steht stellvertretend für unsere vielfältigen Forschungsaktivitäten zu dem Thema Stress im Kindes- und Jugendalter. Neben dem SNAKE-Präventionsprogramm für Jugendliche wurde weiterhin ein Stresspräventionsprogramm für Schüler im Grundschulalter ("Bleib locker") entwickelt und evaluiert. Auch in vielen aktuellen Forschungsprojekten der Arbeitseinheit "Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie" spielt das Stresserleben und die Stresssymptomatik im Kindes- und Jugendalter eine prominente Rolle.