Die Bielefelder Längsschnittstudie an erwachsenen Zwillingen (BiLSAT) wurde 1993 initiiert. Die Datenerhebung wurde 2008 beendet. Neben der Einrichtung eines Zwillingsadressenregisters, das mehr als 1100 gemeinsam aufgewachsene eineiige und gleich- sowie gegengeschlechtliche zweieiige Zwillingspaare umfasst, liegt der Schwerpunkt des Projektes auf der Frage nach Stabilität und Veränderbarkeit von Persönlichkeit, erfasst durch Selbst- und Bekanntenbeurteilungen. Der Einbezug von Bekanntenbeurteilungen der Persönlichkeit stellt hierbei eine methodische Verbesserung gegenüber der ausschließlichen Verwendung von Selbsteinschätzungen dar.
Den theoretischen Bezugsrahmen der Einschätzungen bildet das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit, das die Dimensionen Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen umfasst.
Die Zwillinge im Alter zwischen 14 und 80 Jahren (Mittelwert 30,9) wurden vornehmlich durch Zeitungsartikel und Annoncen sowie Zwillingsclubs ermittelt.
Zunächst erhielten sie im Abstand von etwa einem Jahr postalisch zwei verschiedene Sets von Persönlichkeitsfragebögen. Insgesamt 1118 komplette Zwillingspaare schickten das erste Set ausgefüllt zurück, 798 Zwillingspaare das zweite. Weitere fünf Jahre später wurden die Zwillinge ein drittes Mal kontaktiert. Dabei lag der Schwerpunkt auf einer Wiederholungsmessung. Ergänzt wurde das Set durch kurze Skalen zu Interessen, Zielen und Werten sowie einen Fragebogen zu Lebensereignissen. Die Daten ermöglichen erste Längsschnittanalysen von genetischen und Umwelteinflüssen auf Stabilität und Veränderung der Persönlichkeit. 341 Zwillingspaare haben sich an dieser Befragung beteiligt.
Eine vierte Welle folgte weitere fünf Jahre später (202 Paare), sowie eine letzte Welle 2007 (261 Paare), bei denen es vordergründig um die Erhebung von Persönlichkeitsmaßen ging, um die Veränderung der Persönlichkeit im Erwachsenenalter über mehrere Zeitpunkte abzubilden, sowie genetische und Umwelteinflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung zu schätzen.
JeTSSA ist eine querschnittliche Zwillingsstudie, welche an der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Riemann durchgeführt wurde. Bei dieser Studie ging es vornehmlich um die Erhebung von sozialen Einstellungen, Persönlichkeit und Umweltmaßen zur Schätzung genetischer und Umwelteffekten auf deren Varianz. Darüber hinaus bietet diese Studie die Möglichkeit genetische Korrelationen und Genotyp-Umwelt Korrelationen zwischen erblichen Merkmalen, wie Persönlichkeit und Einstellungen sowie Familien- und sozialen Umwelten zu betrachten. Die Stichprobe besteht aus 226 gemeinsam aufgewachsenen eineiigen und 168 zweieiigen Zwillingen, sowie deren Lebenspartnern, Eltern und guten Bekannten. Die Einzigartigkeit von JeTSSA besteht somit in der Verfügbarkeit multipler Beurteilerperspektiven.