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Informationen zu Dyskalkulie

1. Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie ist der wissenschaftliche Begriff für die Rechenschwäche bzw. Rechenstörung.

Von Dyskalkulie spricht man, wenn anhaltende Schwierigkeiten im Erfassen rechnerischer Sachverhalte, im Umgang mit Zahlen und in der Bewältigung von Rechentechniken vorliegen, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar sind. Die Schwierigkeiten betreffen vor allem die grundlegenden Rechenfertigkeiten (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) und weniger die abstrakteren mathematischen Fertigkeiten, die etwa für Algebra, Trigonometrie und Geometrie benötigt werden.

Häufig wird Dyskalkulie aus Unkenntnis überhaupt nicht erkannt, wenn doch, typischerweise in der 3. oder 4. Klasse.

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2. Wie verbreitet ist Dyskalkulie?

Verschiedenen Untersuchungen zufolge sind ca. 10 bis 15% der Kinder von Dyskalkulie betroffen.

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3. Was sind die Ursachen?

Weit verbreitet ist die Annahme, dass die Ursache der Dyskalkulie ausschließlich in einem Mangel an Begabung oder aber Faktoren wie dem schulischen Umfeld, dem Lernstoff oder den Eltern liege. Diese Annahme trifft jedoch keinesfalls zu. Vielmehr wird die Dyskalkulie bei jedem Betroffenen durch viele verschiedene Einflussfaktoren bedingt. Ein einfaches Modell zur Entstehung gibt es daher nicht. Dies sollte man immer im Hinterkopf behalten, um etwaige Schuldzuweisungen zu vermeiden.

Es gibt nun verschiedene Erklärungsansätze zur Entstehung der Dyskalkulie, von denen an dieser Stelle einige erläutert seien:

  • Dem entwicklungspsychologischen Ansatz liegt die Entwicklungspsychologie von Piaget zugrunde. Hiernach erfolgen der Aufbau und die Verinnerlichung von Zahlbegriffen und mathematischen Operationen in vier Phasen, wobei das Erreichen einer Phase Voraussetzung für die nächste Phase ist.
    • In der ersten Phase sind für mathematisches Verständnis noch konkrete Handlungen mit realen Gegenständen nötig. Daher werden in der Schule zum Erlernen der Grundrechenarten z.B. Rechenkästen mit Einerwürfeln, Zehnerstangen etc.
    • In der zweiten Phase kommt die bildliche Darstellung hinzu. Mengen werden zeichnerisch abgebildet und Operationen durch graphische Zeichen veranschaulicht. Die Darstellung hält sich dabei noch eng an das Darzustellende.
    • In der dritten Phase wird die Darstellung abstrakter; man spricht von symbolischer Darstellung (z.B. mathematische Gleichungen als abstrakte Darstellung von Ziffern und Rechenzeichen). Um die Bedeutung der mathematischen Symbole zu verinnerlichen, müssen die jeweiligen Operationen wieder auf die beiden vorangegangenen Stufen zurückgeführt werden.
    • Als vierte und letzte Phase erfolgt die Automatisierung im Symbolbereich. Ist man auf dieser Stufe angekommen, wird es leichter, komplexe Probleme zu erfassen
    • Es kann nun passieren, daß eine Phase gestört wird - und somit die darauffolgenden Phasen nicht erreicht werden können. Wenn ein Kind z.B. mit der abstrakten Darstellung von Zahlen und Operationen (dritte Phase) nicht zurechtkommt, ist an eine Automatisierung (vierte Phase) schon gar nicht zu denken.
  • Der neuropsychologische Ansatz geht davon aus, dass Dyskalkulie eine Teilleistungsschwäche ist, also eine umschriebene Entwicklungsstörung sehr unterschiedlicher Funktionen, die nicht dem sonstigen Entwicklungsstand des Kindes entspricht. Für das mathematische Lernen bedeutet dies, dass einer der vielen Bausteine, die hierfür benötigt werden, nicht so funktioniert, wie er eigentlich sollte bzw. dass er mit den anderen Bausteinen nicht richtig zusammenwirkt. Zu diesen Bausteinen zählen z. B.: räumliche Orientierungsfähigkeit, auditive und visuelle Wahrnehmung, Zusammenwirken von Wahrnehmung und Motorik und Gedächtnis.
  • Häufig kommen Rechenprobleme dadurch zustande, dass das Kind bestimmte Begriffe, Techniken oder Zusammenhänge noch nicht richtig verstanden hat. Betrachtet man Schülerfehler etwas genauer, so wird man in vielen Fällen feststellen, dass die Fehler nicht etwa willkürlich sind, sondern einer ganz bestimmten Regelstruktur unterliegen. Diese lassen sich durch detaillierte Fehleranalysen entdecken und somit auch leichter beheben.
  • Bei einigen Kindern sind Rechenprobleme auf depressiv bedingte Leistungsblockierungen, angstbedingte Konzentrationsstörungen oder ein ungünstiges Selbstkonzept zurückzuführen. Derartig bedingte Rechenstörungen stellen jedoch die Ausnahme dar.
  • Weiterhin können Rechenstörungen verstärkt werden durch:
    • häufigen Lehrerwechsel in den ersten Grundschulklassen und damit verbunden häufigen Wechsel von Unterrichtsmethoden
    • abweichende Meinungen über Art und Weise der Einführung des Rechnens zwischen Lehrperson und Eltern oder zwischen den Eltern
    • Vernachlässigung des Rechnens zugunsten von Lesen- und Schreibenlernen
    • Größe und Struktur der Klasse
    • Beschämung durch Lehrer, Mitschüler, Eltern etc.
Es sei nochmals betont, dass dies nur einige Erklärungsansätze sind, die nicht auf jeden einzelnen Schüler in genau dieser Form zutreffen werden. Um die Leistungsfähigkeit eines Schülers zu steigern, ist es von großer Bedeutung, die individuellen Ursachen der Rechenstörung herauszufinden. Nur dann können adäquate, genau darauf zugeschnittenen pädagogische Maßnahmen ergriffen werden. Liegt eine Rechenstörung erst einmal vor, gerät das Kind leicht in einen Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Dieser wird im folgenden näher erläutert.
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4. Teufelskreislauf der Lernschwierigkeiten

Nicht nur bei der Dyskalkulie, sondern bei Lernschwierigkeiten im allgemeinen gibt es einen Teufelskreislauf, der zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Verschlimmerung der Störung führen kann. Er sei hier erläutert anhand eines Beispiels:

  • Als Stefanie in die Schule kam, war sie zu Beginn mit Feuereifer bei der Sache. Nach und nach nahm sie aber immer deutlicher wahr, dass die anderen Kinder beim Rechnen immer schneller und besser als sie waren und für ihre Ergebnisse von der Lehrerin belohnt wurden. Darunter litt Stefanie zunehmend, da diese Belohnungen ihr nicht zuteil wurden. Eltern und LehrerInnen registrierten ihre Problem, dachten jedoch, sie sei lediglich faul oder unkonzentriert. Um sie zu unterstützen, übten sie vermehrt mit ihr, was jedoch erfolglos blieb und Unzufriedenheit auf Seiten der Eltern und LehrerInnen hervorrief. Auch die Klassenkameraden merkten bald, dass sie mit ihren Antworten immer falsch lag und begannen, sie auszulachen. Hinzu kam noch, dass ihre Schwester, die keinerlei Probleme in der Schule hatte, ihr immer als gutes Vorbild hingestellt wurde. All dies hatte tiefgreifende negative Wirkungen auf ihr Selbstwertgefühl.
  • Um ihr Selbstwertgefühl irgendwie zu retten, gab Stefanie bald vor, am Rechnen gar kein Interesse zu haben, wodurch der Druck auf sie jedoch eher noch zunahm. Den Förderunterricht empfand sie als Strafe. Durch verminderte Anstrengung und somit weiterhin fehlende Anerkennung wurde ihr Selbstwertgefühl auch weiterhin untergraben. Dies kompensierte sie durch Erfolge auf einem anderen Gebiet - dem Sport. Außerdem kam ihr durch Unterrichtsstörungen Beachtung und Aufmerksamkeit zu - wenn auch nur negative. Dieser Teufelskreis schaukelte sich immer weiter hoch, und bald breitete sich die Problematik auf den gesamten Unterricht aus.
  • Stefanie versagte nun immer massiver in Leistungssituationen. Sie bekam Angst davor, was wiederum zu Stress, Lernblockaden und somit einer weiteren Verminderung ihrer Leistungsfähigkeit führte. Schriftliches Arbeiten empfand sie als immer unangenehmer, und daher versuchte sie es, wo es nur ging zu vermeiden: Die Hausaufgaben wurden Tag für Tag begleitet durch einen aufreibenden Kampf mit der Mutter, Hefte wurden vergessen oder gingen verloren, Aufgaben wurden der Mutter verschwiegen.
  • Die zunehmenden Misserfolge führten bei Stefanie zu Schuldgefühlen, und gute Leistungen nahm sie bald gar nicht mehr war. Unterstützt wurde dies noch dadurch, dass Eltern und Lehrer selbst bei guten Leistungen eher mit Misstrauen als mit Lob reagierten. Eine Veränderung wurde so fast unmöglich.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass sich die Schwierigkeiten bei inadäquatem Umgang mit der eigentlichen Schwäche recht bald nicht mehr auf diese beschränken, sondern dass weitaus dramatischere Wirkungen (generelles Schulversagen) auftreten. Der Grund dafür ist, dass das Kind keine Möglichkeiten zur Verfügung hat, die Rechenschwäche konstruktiv zu kompensieren.

Ganz wichtig ist es daher, dem Kind diese Möglichkeiten zu geben. In erster Linie ist es von Bedeutung, das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken und ihm dazu zu verhelfen, seine Schwäche als etwas Normales begreifen und akzeptieren zu können. Weiterhin ist es wichtig, das die Beziehung des Kindes zu den Eltern bzw. Lehrern sich nicht nur auf erbrachte Leistung stützt, sondern dass das Kind unabhängig davon positive Zuwendung erhält und nicht unter Druck gesetzt wird.

Erst wenn das Selbstwertgefühl gestärkt ist und das Kind eine von der Leistung unabhängige gute Beziehung zu Eltern und Lehrern hat, macht es Sinn, ihm Fähigkeiten anzutrainieren, in denen es Schwächen zeigt. Wenn diese wichtige Voraussetzung nicht gegeben ist, werden Problemschüler die zusätzlichen Förderangebote lediglich als Benachteiligung oder Bestrafung erleben, sie deshalb nicht annehmen und daher auch keine Fortschritte machen.

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5. Wie kann man feststellen, ob eine Dyskalkulie vorliegt?

Um abzuklären, ob eine Dyskalkulie vorliegt, kann man eine pädagogisch-psychologische bzw. schulpsychologische Beratungsstelle aufsuchen, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert hat.

In der Regel wird zunächst ein Intelligenztest mit dem Kind durchgeführt, um auszuschließen, dass es möglicherweise über- oder unterfordert ist. Außerdem kann man mit Hilfe dieses Verfahrens Hinweise auf etwaige Teilleistungsprobleme (z. B. Gedächtnisprobleme) gewinnen.

Diese Instrumente reichen jedoch nicht aus, weil sie nur einen Ausschnitt der für das Rechnen relevanten Teilfertigkeiten messen. Daher sollten mit weiteren Verfahren auch noch andere Bereiche abgetestet werden. Dies sind in erster Linie: Körperwahrnehmung, Motorik, visuelle und auditive Wahrnehmung.

Des weiteren gibt es spezielle Rechenverfahren, mit deren Hilfe man den mathematischen Leistungsstand des Kindes gemessen an einer repräsentativen Vergleichsgruppe beurteilen kann. Sowohl die konkreten Ergebnisse als auch schon die bloße Beobachtung des Testverlaufs geben Hinweise auf vorliegende Schwächen.

6. Was für Fördermaßnahmen gibt es?

Ist tatsächlich eine Dyskalkulie diagnostiziert worden, wird eine Therapie vorgeschlagen, die je nach der speziellen Problematik des Kindes unterschiedliche Schwerpunkte haben kann.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Kind (im Gegensatz zu seinen Problemen) in den Mittelpunkt der Förderung gestellt wird und zunächst einmal sein Selbstbewusstsein gestärkt wird. Dies kann durch spielen, malen, singen etc. geschehen. Da sich das Vorgehen grundlegend vom normalen Mathematik-Förderunterricht unterscheidet, kann der Leistungsdruck des Kindes verringert und ein motivierendes Lernklima geschaffen werden.

Erst wenn dies realisiert werden konnte, wird mit dem eigentlichen Training der mathematischen Fähigkeiten begonnen. In der Regel erfolgt das Lernen zunächst anhand dreidimensionalem Lernmaterial; später werden Arbeitsblätter eingesetzt, und in einem nächsten Schritt wird mit dem Kopfrechnen begonnen.

Die Therapie erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von zwei Jahren und bezieht LehrerInnen und Eltern mit ein. Es wird einzeln oder in kleinen Gruppen gearbeitet, im Durchschnitt mit zwei Stunden pro Woche.

Liegt eine Dyskalkulie-Diagnose vor, sowie eine Stellungnahme des/der zuständigen Lehrers/Lehrerin und eines Kinder- und Jugendpsychiaters, so kann man sich im Jugendamt bei der Fachstelle für Eingliederungshilfe über die genauen Voraussetzungen für eine eventuelle Kostenübernahme für die Therapie informieren.

Falls erforderlich, wird zu zusätzlichen begleitenden Fördermaßnahmen (z. B. Ergotherapie, psychomotorische Therapie etc.) geraten.

Es gibt auch einige Verfahren, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist und die daher recht umstritten sind. Hierzu zählen die Kinesiologie, das Neurolinguistische Programmieren (NLP), die Tomatis-Methode, die Korrektur der Winkelfehlsichtigkeit und die Bachblütentherapie.

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7. Ratgeber

Krüll, Karin Elke (1994). Rechenschwäche - was tun?

Der Ratgeber gibt Antwort auf zahlreiche Fragen von Eltern und Lehrern, wie z.B.: Woran erkennt man Rechenschwäche? Wie kommt sie zustande? Wie sieht es mit der Schullaufbahn aus? Was kann man tun? Was sollte man nicht tun?

Röhrig, Rolf (1996). Mathematik mangelhaft.

Dieser Ratgeber ist überwiegend geeignet für Mathematiklehrer. Dargestellt werden verschiedene Fehlertypen und Methoden zu ihrer Diagnostik sowie Ursachen der Wissensmängel. Des weiteren widmet sich der Autor den Themen Lernen für Noten, Bildung als Auslese und Rolle der Mathematik im schulischen Fächerkanon. Im Anhang gibt es außerdem Arbeitsblätter für Lehrer.

Schwarz, Margret (1999). Rechenschwäche? Wie Eltern helfen können.

Der Ratgeber richtet sich an Eltern und Lehrer. Es wird dargestellt, was Rechenschwäche ist, wie sie verläuft, in welchen Formen sie auftritt und welche Ursachen sie hat. Des weiteren werden erfolgreiche didaktische Methoden, spezielles Rechenmaterial und Spiele in ihrer Anwendung beschrieben. Ausführliche Hinweise erfolgen auch auf weiterführende Therapiemöglichkeiten wie Ergotherapie etc.

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8. Links

home.snafu.de/wehrmann/ Definition, Kontaktadressen.
home.t-online.de/home/Elschenbroich/tipdysk.htm Literaturtipps, Links.
home.t-online.de/home/ubergner/dyskalk.htm Erkennung, Ursachen, Therapie, Links, Ansprechpartner.
home.t-online.de/home/Uta.Til/dys0.htm Symptome, Therapie, Literaturtipps, Kostenerstattung, Fach- und Elternverbände.
www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/lorenz/littv.html Allgemeine Informationen, gesetzliche Grundlagen, Adressen/Beratung, Softwareadressen, Literaturtipps.
www.rechenschwaeche.de Definition, Diagnostik, Therapie.
www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de Informationen, Literaturtipps, Links.
www.zum.de/ZUM/Faecher/Sonder/BW/Foerder/leu/legasthe.htm Links.
home.t-online.de/home/freed.streeg/resi.htm Symptome, Diagnostik, Therapie, Literaturtipp