Die Zeit
"nach der Wende"
Nun folgte in wenigen Jahren die eigentlich "abwechslungsreichste" Zeit des Dampfers. (Dieses Kapitel wird auch den größten Platz einnehmen in dieser Dokumentation.)
Zuerst einmal wurde die "Weiße Flotte" übernommen von der "Fördereederei Seetouristik Flensburg". Es stand allerdings schon früh zu erwarten, das der neue Eigner auch der "Undine" eher an den Linienrechten interessiert war als an der Übernahme der teilweise überalterten Schiffe.
Schnell wurde erkennbar, daß die Befürchtungen keine Hirngespinste waren. Es bildete sich eine Gemeinschaft "Rettet die Undine", aus der im April 1991 der Rostocker Förderverein "Salondampfer 'Undine' (ex 'Kronprinz') e.V." hervorging. Aus verschiedenen, wenig übersichtlichen Gründen in den Eigentumsverhältnissen verkaufte die Fördereederei den Dampfer für DM 1,15 an Meta Hahn (Die Frau des letzten privaten Eigners).
Allerdings lasteten noch neue Schulden auf dem Schiff, die der Rostocker Förderverein mit seinen wenigen Mitgliedern (12) nicht aufbringen konnte. Da tauchte unerwartete Hilfe aus Hamburg auf. Ein Dr.Ralf Robrock als Vorsitzender eines Vereines "Schiffe der Arbeit" bot seine Hilfe an. Er brachte locker DM 50.000,- auf und schwupp war die "Undine" im Eigentum "seines" Vereins.
Immerhin, bei einigen Ungereimtheiten wurde das Schiff in der "Jöhnk-Werft" in Hamburg für DM 56.000,- repariert und kehrte als "Kronprinz" am 31.5.92 nach Rostock "heim".
Querelen gab es noch und noch, aber mit tatkräftiger und unentgeldlicher Hilfe des Fördervereines gelang es, die ersten Fahrten in See durchzuführen.
Allerdings kriselte es kräftig zwischen Robrock und dem Rostocker Förderverein. (In einer Ehe würde man von "Zerwürfnis" reden) Zusätzlich kam es durch den Fehler des Maschinisten beim Anlegemanöver an der Seebrücke von Kühlungsborn zu einem Ramming, bei dem der "Kronprinz" zwar unbeschädigt blieb, nicht aber die Seebrücke !
Ende 1992 kündigte Robrock in der "Ostseezeitung" an, daß die "Kronprinz" im neuen Jahr Rostock verlassen werde, was nach einer rauschenden Sylvesterabschiedsfeier dann auch geschah. Wegen treibender Eisschollen kam der Dampfer jedoch nicht wie beabsichtigt Richtung Barth voran, sondern mußte Barhöft als Notliegeplatz anlaufen.
Eigner, Kapitän und Mannschaft wurde das Warten auf besseres Wetter wohl zu lang, und so lief man trotz Warnung vor schwerem Sturm in der Ostsee am 13.1.93 aus. Gegen 12.30 Uhr lief man in der Grabow bei Kinnbackenhagen auf Grund. Erst 12 Stunden später, nachdem der Sturm sich kontinuierlich verstärkt hatte (und die polnische Fähre "Jan Heveliusz" zum Kentern gebracht hatte) bat man um Schlepperhilfe.
Die kam am nächsten Tag, konnte aber nichts ausrichten, da der Wind die "Kronprinz" mittlerweile immer weiter Richtung Ufer geschoben hatte. Auch in der Folgezeit mißlangen weitere Bergungsversuche, selbst solche der Bundesmarine!
Zwischenzeitlich fiel es einem Wasserschutzpolizisten mehr per Zufall auf, daß es sich beim dem Dr.Robrock um einen seit 1990 per Haftbefehl gesuchten, wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung (Schießerei vor einer Hamburger Kneipe) verurteilten Verbrecher handelte, der nicht zum Haftantritt erschienen war. (Man holte staatlicherseits das Versäumte schleunigst nach: der Vereinsvorsitzende saß ein.)
Ende 1994 dachten die staatlichen Stellen daran, den "Kronprinz" wegen der Nähe zu Natur- und Vogelschutzgebieten endgültig zu "beseitigen", da alle Bergeversuche fehlgeschlagen waren. Jedoch bevor diese "Beseitigung" (in Einzelteilen) stattfinden konnte, hatte der Himmel ein Einsehen. Am 3.1.95 taten sich einige schnell entschlossener Barther nach routinemäßigem Abhören des Wetterberichtes, wie es Küstenbewohner nun einmal zu tun pflegen, zusammen, und nutzten das höchsten Hochwasser seit langem dazu aus, die "Kronprinz" mittels des Werftschleppers "Biber" der Barther Schiffswerft und der "Buche" von der Bergungsfirma "Ramm- und Wasserbau Bossow Barth" abzubergen! Um 13.40 Uhr lag der Dampfer am Kai in Barth.
Damit endet die "Geschichte"; von diesem Zeitpunkt an beginnt (hoffentlich) die "Zukunft" der "Kronprinz", wenn es den Mitgliedern des Barther Fördervereins gelingen kann, mit Einsatz (und vielleicht auch Hilfe der Leser dieser Geschichte) dies Denkmal der Schiffahrt wieder in Fahrt zu bringen.