

Stand: März 2013
1. Tipps zum Wissenschaftlichen Arbeiten
2. Literaturempfehlungen zur Organisationssoziologie
3. Informationen zu Prüfungen und Qualifizierungsarbeiten in der Organisationssoziologie
Eine Bitte: Wir verlinken auf dieser Seite nicht nur auf eigene Dokumente (die übrigens samt und sonders unter die Creative-Commons-Lizenz BY-NC-SA fallen: Namensnennung — Keine Kommerzieller Nutzung — Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Zusätzlich verweisen wir auch auf externe Ressourcen, die wir für gut geeignet halten, um sich mit Fragen des wissenschaftlichen Arbeitens auseinanderzusetzen. Dabei kann es immer wieder vorkommen, dass ein Link nicht mehr aktuell ist. Wir würden uns freuen, dass Sie uns dann benachrichtigen und sich dafür an unser Sekretariat wenden. Herzlichen Dank!
Je nach Standpunkt ist das Schreiben wissenschaftlicher Texte eine Kunst, ein Handwerk, manchmal auch einfach nur eine Qual. Sicher, Schreiben ist harte Arbeit. Aber es ist erlernbar! Dazu haben wir Ihnen hier einige Hilfestellungen zusammengestellt, mit denen Sie sowohl erste als auch vertiefende Schritte bei der Entwicklung und Formulierung eigener Texte machen können.
Das Studium der Soziologie ist in einem zentralen Punkt besonders anspruchsvoll: In der Regel erwarten Lehrende von Studierenden, die eine Seminar- oder Abschlussarbeit schreiben möchten, dass sie eigenständig ein Thema finden, das sie bearbeiten möchten, und sich dabei auf eine Fragestellung zu konzentrieren. Meistens stehen daher zwei Probleme am Anfang jeder wissenschaftlichen Arbeit:
"Setting the hook!" nennen die Herausgeber des Academy of Management Journal diese Herausforderungen wissenschaftlichen Arbeitens (> Externer Link). Wie man diesen Haken setzt, beschreiben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schreibzentrums Soziologie an der Georg-August-Universität Göttingen in einem sehr guten Merkblatt. Sie finden es unter dem Titel Allgemeiner Einstieg in eine (größere) schriftliche Arbeit auf den Seiten des Schreibzentrums (> Externer Link).
"The heart of good work is a puzzle and a good idea", leitet Andrew Abbott sein Buch Methods of Discovery ein, in dem er vorstellt, wie man 'Sozialwissenschaften macht'. Studieren und Forschen brauchen somit ein gehöriges Maß Inspiration. Das zeigt nicht zuletzt eine aktuelle Befragung unter den Mitgliedern der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (> Externer Link).
Wo können Studierende also die Inspiration für soziologische Rätsel und Ausgangspunkte zu ihrer Bearbeitung finden? Insbesondere für die Zielgruppe der Bachelorstudierenden schlagen wir drei pragmatische Wege vor:
Doch Achtung! Denken Sie daran, dass am Anfang jeder wissenschaftlichen Arbeit gleich zwei Herausforderungen stehen: Ein Thema zu finden UND eine orientierende Fragestellung zu formulieren. Gerade Studierende, die noch relativ frisch immatrikuliert sind, neigen dazu, nur ein Thema, aber keine Frage zu bearbeiten, verbunden mit zwei zusätzlichen Fehlern: Entweder behandeln sie das Thema mit dem erstbesten Material, das ihnen in die Hände fällt; ohne zu prüfen, ob es einen fachlichen Leitfaden gibt, welches Material für sie relevant sein könnte (siehe dazu S. 28 in Abbott, A., 2010: Varianten der Unwissenheit. Bd. 6, S. 15–33 in: Nach Feierabend. Universität. Zürich: diaphanes). Oder die Studierenden setzen sich unter Druck, das gewählte Thema möglichst vollständig zu behandeln, was häufig direkt in eine Schreibblockade führt.
Eigene Beobachtungen, Lektüre und Seminardiskussion bieten daher 'nur' gute Ausgangspunkte für eine eigene wissenschaftliche Arbeit, noch nicht den Haken selbst. Nehmen Sie sich daher in jedem Fall die Freiheit, nur ein Detail des Themas zu bearbeiten, wie Judith Wolfsberger es in ihrem Ratgeber Frei geschrieben ausdrückt. Sie empfiehlt die Methode des Freewriting von Peter Elbow, um dieses Detail zu fassen bekommen und alle Energie auf eine Frage zu fokussieren. Die Kolleginnen und Kollegen des Schreiblabors der Bielefelder Universität haben dazu dankenswerterweise einen kleinen Leitfaden ins Netz gestellt (> Externer Link).
Woran Sie dann schließlich erkennen, dass Sie eine bearbeitbare Fragestellung haben? Idealerweise sind Sie der Meinung, dass Ihre Frage keinem dieser zehn Punkte widerspricht:
Eine gute Forschungsfrage ...
... ist für Sie als Schreibende bzw. als Schreibenden interessant.
... ist in dem fachlichen Kontext, in dem die Arbeit angesiedelt werden soll, relevant.
... ist aus eigenen Beobachtungen über einen auffälligen Sachverhalt, über ein fachliches Problem, einen Widerspruch oder eine Forschungslücke entstanden.
... ermöglicht es Ihnen, ein Argument zu entwickeln.
... ermöglicht es Ihnen, abschließende Schlussfolgerungen anzustellen.
... hat die Form einer direkten Frage oder einer Behauptung, die Sie belegen können.
... beinhaltet eine klare Hauptfrage und nur wenn unbedingt nötig Nebenfragen.
... ist präzise formuliert.
... ist kurz (Daumenregel: maximal zehn Zeilen).
... wird in der Einleitung vorgestellt und bildet die Basis eines Konzepts, nach dem Sie Ihren Text gliedern.
(Quelle: Wolfsberger, J., 2009: Frei geschrieben: Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Wien; Köln; Weimar: Böhlau: S. 83-84; leicht modifiziert).
Etwa 10 bis 15 DIN-A4-Seiten
Exposés sind vergleichbar mit Forschungsanträgen, die man bei Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Volkswagen-Stiftung oder der Thyssen-Stiftung einreicht. Die Suche nach Vorbildern ist schwierig, da Forschungsanträge in der Regel nicht veröffentlich werden. Wir empfehlen, direkt beim wissenschaftlichen Personal nachzufragen.
Hilfestellung: Wie schreibt man ein Forschungsexposé? > PDF
Etwa 1 DIN-A4-Seite, die dann zu einem Exposé ausgebaut wird
Der "Sechszeiler" ist ein erster möglicher Schritt, um ein Exposé zu verfassen. Er dient dazu, sich zu zwingen, in sechs Zeilen die Grundüberlegung für eine Hausarbeit oder ein Exposé zur Hausarbeit schriftlich niederzulegen. Dabei werden mit jeweils einem Satz folgende sechs Kategorien beantwortet: Thema, Forschungsfrage, Theoretisches Konzept, Herangehensweise, Mögliche These, Mögliche Literatur.
Hilfestellung: Wie schreibt man einen "Sechszeiler"? (von S. Kühl) > PDF
Die Literaturrecherche ist ein wesentlicher Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens - und kein "Vorlauf" des Arbeitens, der Studierenden sogar von Lehrenden oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsbibliothek abgenommen werden kann. In der Hilfestellung finden Sie Überlegungen und Empfehlungen zu den Fragen, warum man überhaupt fähig sein sollte, Literatur zu recherchieren, wie man einen ersten Zugang zu passender Literatur findet und welche weiteren Suchstrategien sich anbieten?
Hilfestellung: Wie recherchiere ich Literatur für meine Arbeiten? > PDF
Mittlerweile befinden wir uns in der glücklichen Situation, dass viele Verlage ihre Publikationen online veröffentlichen. Wir empfehlen, sich für die Online-Suche zunächst per VPN-Client in das Netz der Universität Bielefeld einzuwählen (falls man nicht eh an einem Uni-Rechner arbeitet) und dann zunächst Meta-Suchmaschinen wie Google Scholar, Scirus und JStor zu verwenden, um relevante Literatur zu identifizieren. Falls die Universitätsbibliothek Bielefeld über eine Lizenz verfügt, um die Dokumente für wissenschaftliche Zwecke herunterzuladen, erhalten Sie hier in der Regel einen direkten Link auf den Text und können ihn für sich sichern.
SQ3R und PQ4R sind keine Druiden im Krieg der Sterne, sondern die Kürzel von Lesestrategien. Das Lesen wissenschaftlicher Texte ist letztlich 'auch nur' ein Handwerk, das Tricks, Kniffe, und Abkürzungen bereit hält. Jede und jeder kann es mithilfe expliziter Reflektion lernen. Die konkreten Anlässe sind schließlich vielfältig: Die Dozentin, deren Veranstaltung wir besuchen, nimmt die Lektüre der im Seminarplan genannten Literatur tatsächlich ernst. Oder wir stellen mal wieder fest, dass wir uns sehr lange mit einem Text beschäftigt haben, ihn fast komplett markiert haben, aber ahnungslos, was eigentlich seine Kernaussage ist. Oder wir haben für eine Studienarbeit einen Berg Bücher angehäuft, nur leider läuft die Uhr bis zur Abgabe des Texts.
Hilfestellung: Wie lese ich wissenschaftliche Texte? > PDF
Etwa 15 bis 25 DIN-A4-Seiten
Hausarbeiten sind vergleichbar mit Artikeln in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift. Man findet Vorbilder in soziologischen Fachzeitschriften wie die Zeitschrift für Soziologie, das Berliner Journal für Soziologie oder die Soziale Welt. Beiträge in wissenschaftlichen Sammelbänden haben ein vergleichbares Format. Sehr gute Beispiele, an denen man sich orientieren kann, sind:
Beispiele für gute Hausarbeiten sind (alle Rechte bei den VerfasserInnen):
Hilfestellung: Wie schreibt man eine Hausarbeit? > PDF
Etwa 30 DIN-A4-Seiten
Bachelorarbeiten sind wie Hausarbeiten ebenfalls mit einem wissenschaftlichen Artikel oder Sammelbandbeitrag vergleichbar. Bitte orientieren Sie sich beim Schreiben Ihrer Bachelorarbeit an unserer Hilfestellung für Hausarbeiten und an unseren allgemeinen Hinweisen zu diesem Typ Qualifizierungsarbeit.
Bachelorarbeiten jüngeren Datums, die am Arbeitsbereich betreut wurden und als Vorbilder dienen können, sind (alle Rechte bei den VerfasserInnen):
Etwa 60 bis 150 DIN-A4-Seiten, Promotionen auch länger
Diese Arbeiten sind vergleichbar mit wissenschaftlichen Buchpublikationen (Monografien). Vorbilder finden Sie in den Regalen der Universitätsbibliothek. Lesenswerte Diplomarbeiten, die als Buch veröffentlicht wurden, sind zum Beispiel:
Master- und Diplomarabeiten jüngeren Datums, die am Arbeitsbereich betreut wurden und ebenfalls als Vorbilder dienen können, sind (alle Rechte bei den VerfasserInnen):
Sollen Praktikumsberichte so analytisch wie Hausarbeiten sein? Oder einfach nur beschreibend? Die Mitarbeiter des Praktikumsbüros der Fakultät für Soziologie klären diese Fragen dankenswerterweise in zwei Leitfäden, differenziert nach Studienniveau.
Hilfestellung: Wie schreibt man einen Praktikumsbericht? > Externer Link
Etwa 3 bis 7 DIN-A4-Seiten
Essays sind vergleichbar mit populärwissenschaftlichen Beiträgen von Wissenschaftlern in Tages- oder Wochenzeitungen. Man findet Vorbilder in den Kulturteilen überregionaler Tages- und Wochenzeitungen. Gute Vorbilder sind:
Ein sehr gelungenes studentisches Beispiel ist (alle Rechte bei der Verfasserin):
Hilfestellung: Wie schreibt man ein Essay? > PDF
Etwa 2 bis 4 DIN-A4-Seiten
Rezensionen orientieren sich an Buchbesprechungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften oder in speziellen Besprechungsbänden. Vorbilder finden Sie in der Soziologischen Revue, in Fachzeitschriften mit eigenem Rezensionsteil (Berliner Journal für Soziologie, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie) oder - organisationssoziologisch einschlägig - in
Gute Beispiele an Beprechungen von organisationssoziologisch interessanten Titeln, die frei verfügbar sind, haben wir hier verlinkt:
Ein gelungenes Beispiel einer studentischen Rezension ist zudem (alle Rechte beim Verfasser):
Hilfestellung: Wie schreibt man eine Rezension? > PDF
Einleitungen wissenschaftlicher Texte sollen Erwartungen schüren und klären. Sie dienen dazu, interessierte Leserinnen und Leser darauf vorzubereiten, was sie auf den folgenden Seiten erfahren werden. Dazu zählen in der Regel die Fragestellung, die die Autorin bzw. der Autor bearbeitet, eine Erläuterung, warum sich die Frage stellt (ihre wissenschaftliche Relevanz) und eine kurze Beschreibung des methodischen Vorgehens.
Im Masterkurs Organisationen, der im Wintersemester 2012/13 an der Fakultät für Soziologie der Universität stattgefunden hat und als Schreibwerkstatt konzipiert war, haben sich die Teilnehmenden mit der Crux der aussagekräftigen Einleitung beschäftigt. Herausgekommen sind dabei zwölf Empfehlungen gelungener Einleitungen wissenschaftlicher Texte, die als Vorbilder fungieren können.
Hilfestellung: Was sollte die Einleitung eines wissenschaftlichen Texts leisten? > PDF
Etwa 20 bis 30 Minuten
Referate sind vergleichbar mit Vorträgen vor einem wissenschaftlichen Publikum, in dem Sie eine eigene These vorstellen und vertreten.
Hilfestellung: Wie hält man ein Referat? > PDF
Neben den verschiedenen Hilfestellungen empfehlen wir Ihnen zum einen die hervorragende Broschüre Tipps zu Studientechniken und Lernmethoden, die von der Zentralen Studienberatung der Universität Bielefeld (ZSB) herausgegeben wurde (> Externer Link). Zum anderen gibt es einige hervorragende Monografien zum Thema. Äußerst lesenswert sind die Monografien:
Wer dagegen einen schnellen Überblick zu Kniffen des wissenschaftlichen Schreibens sucht, der sollte zu
greifen. Insbesondere das Kapitel Wie schreibe ich, damit ich verstanden werde? ist empfehlenswert.
Zehn provokante Thesen zum wissenschaftlichen Schreiben hat E. Zuckerman formuliert. (Er nennt seine Thesen gleichwohl "Empfehlungen".) Es lohnt sich sehr, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn man eigene Schreibprojekte vorhat (> Externer Link).
Eine Seite wie diese, mit der wir versuchen, Ihnen in schriftlicher Form bei Ihren Studienarbeiten unter die Arme zu greifen, ist unter didaktischen Gesichtspunkten äußerst begrenzt. Suchen Sie daher den Kontakt zu Ihren Lehrenden, wenn Sie sich daran machen, eine eigene Arbeit zu schreiben; nicht zuletzt um die gegenseitigen Erwartungen zu klären.
Darüber hinaus gibt es an der Universität Bielefeld zahlreiche Menschen, an die Sie sich vertrauensvoll wenden können, wenn Sie Rat bei Ihren Projekten suchen. Sie finden sie
Die Latte liegt zugegebenermaßen hoch. Sie ist aber zu überwinden! Sicher, wenn man im zweiten oder dritten Fachsemester seine erste Hausarbeit schreibt, erscheint der erste eigene wissenschaftliche Artikel meilenweit entfernt. Aber fangen Sie an, sich an den in einschlägigen Fachzeitschriften publizierten Vorbildern zu orientieren. Und vielleicht riskieren Sie ja auch später einmal, eine eigene Arbeit in den wissenschaftlichen Publikationsbetrieb einzuspeisen. Unser Tipp: Fangen Sie mit den fachlich spezialisierten Journalen an.
Für den Fall, dass Sie sich vertiefender mit organisationssoziologischen Fragen, Begriffen und Theorien auseinandersetzen möchten, haben wir Ihnen einige Leselisten zusammengestellt.
Zusätzliche Lesempfehlungen finden Sie im Seminarprogramm Organisationen - Eine Einführung (Stefan Kühl), das wir am Arbeitsbereich Organisationen in der Lehre für Bachelorstudierende einsetzen. > PDF
Sie planen, bei den Lehrenden des Arbeitsbereichs Organisationssoziologie eine Qualifizierungsarbeit zu schreiben? Sie haben vor, eine mündliche Prüfung mit organisationssoziologischem Schwerpunkt abzulegen?
In diesem Bereich finden Sie unsere Empfehlungen und Erwartungen, welche organisatorischen und formalen Schritte Sie gehen sollten, um die Betreuung und Begutachtung Ihrer Arbeit mit uns zu verabreden, oder wie Sie sich inhaltlich auf eine Prüfung vorbereiten können.
Ihr Weg zu einer erfolgreichen Bachelorarbeit
Von T. Hoebel, S. Kette und H. Mormann
Die Empfehlungen und Erwartungen richten sich vornehmlich an Bachelorstudierende. Diplom- und Masterstudierende sollten sich jedoch ebenfalls mit den aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen, während Sie sich auf eine Qualifizierungsarbeit vorbereiten. > PDF
Sieben Prinzipien für Qualifizierungsarbeiten im Arbeitsbereich Organisationssoziologie
Das Papier richtet sich an Diplom- und Masterstudierende sowie (potentielle) Promovenden. > PDF
Mündliche Prüfungen in der Organisationssoziologie
In diesem Papier unterscheiden wir zwischen den Erwartungen an Diplom- und Masterstudierende einerseits, an Bachelorstudierende andererseits. > PDF