Personen

Sebastian Hoggenmüller

Institut für Weltgesellschaft
- Graduiertenkolleg -
Fakultät für Soziologie
Universität Bielefeld
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld
Deutschland

Kontakt:
sebastian.hoggenmueller@uni-bielefeld.de
Raum: U10-128
Tel.: +49-521-106-67048

Sebastian Hoggenmüller

Interessenschwerpunkte

Wissenssoziologie, Sozialwissenschaftliche Hermeneutik, Visuelle Soziologie, Soziologie der Kindheit(en), Qualitative Methoden

Dissertationsprojekt

Globalität in Bilderwelten: Präsenz und Konstituierung in der visuellen Erfahrung. Eine Analyse statistischer Bildformen des Klimawandels.

Bildstatistiken, Zeitverlaufskurven, Tabellen, Diagramme, Schemata und Isotype – Schaubilder sind allgegenwärtig. Nicht nur Analysten und Wissenschaftler arbeiten mit diesen Bildertypen, jene spezifischen Darstellungsformen prägen die (visuelle) Kommunikation unserer zunehmend bildorientierten Wissensgesellschaft: Neben der Omnipräsenz solcher Abbildungen im Medienalltag dienen Illustrationen von beispielsweise Arbeitslosenzahlen, Börsenkursen, Krankenkassenbeiträgen oder Meinungsumfragen als Orientierungshilfen bei politischen wie privaten Entscheidungsfindungen und der subjektiven Antizipation von sozialen Handlungen. Diese Bildformen sind Teil des öffentlichen Formenrepertoires und, aus wissenssoziologischer Perspektive, gesellschaftlich etablierte Wirklichkeit.

Das hier skizzierte Forschungsprojekt widmet sich explizit dem Bildtypus der statistischen Schaubilder. Anhand von Bildstatistiken, die das globale Phänomen Klimawandel thematisieren, soll die Präsenz und Konstituierung von Globalität und Weltgesellschaft in der visuellen Erfahrung erforscht werden. Vergleichend für zwei unterschiedliche Funktionssysteme werden im Zeitraum von 1972 (dem Jahr der ersten Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Umwelt: Weltumweltkonferenz) bis heute derartige Bildstatistiken bildhermeneutisch analysiert. Interessieren auf der einen Seite die Bildformen des Klimawandels in den Massenmedien, sind es auf der anderen Seite Bilder aus der Wissenschaft, die im Zentrum der Untersuchung stehen. Aus dieser komparativen Perspektive fokussiert das Projekt nicht die Folgen einer bereits konsolidierten Weltgesellschaft, sondern rückt die unterschiedlichen Entstehungsprozesse und Entwicklungen der spezifischen weltgesellschaftlichen Strukturen in der visuellen Erfahrung in den Mittelpunkt. Es geht um die spezifischen Verlaufsformen von Globalisierungsprozessen in der bildlichen Darstellung und um die visuelle Erzeugung und erfolgreiche Reproduktion von weltgesellschaftlichen Strukturen. Grundlegend hierbei ist, dass das Schaubild – wie jede bildliche Darstellung generell – als ikonologische Quelle für die Konstituierung eines bildimmanenten Sinns dient. Neben der Abbildung statistischer Informationen und nominal begründeter Werte sind die Bildstatistiken durch ihre bildimmanente Wirkungsmacht konstitutiv an der Erzeugung und Vermittlung von Wissen beteiligt. Diese Wirkungsmachtmacht basiert auf der konkreten visuellen Konstruktion dieser sachlichen, nicht-ästhetischen und scheinbar neutralen Darstellungsform. Ihre ikonologischen Voraussetzungen sind zu analysieren.

Die Schaubilder sollen darüber hinaus kommunikationstheoretisch reflektiert werden. Von zentraler Bedeutung ist hierbei der Kommunikationsbegriff von Niklas Luhmann. Die zu analysierenden Formen und Strukturen der Schaubilder sind in diesem Sinne als kontingente Selektionen zu verstehen, die auf spezifische Art und Weise bestimmte Informationen mitteilen, so dass sie als kommunikative Offerte wahrgenommen und somit verstanden werden. Die konkrete Selektion der Mitteilung (einer Information) betrifft sowohl das Was der Mitteilung (den Inhalt bzw. den Sinnvorschlag) als auch das Wie (die spezifische Wahl der visuellen Formen bzw. der konkreten Gestaltung). Folglich muss sich auch die empirische Bildanalyse an diesen zwei Fragen orientieren.

Zur Person

Sebastian Hoggenmüller ist seit Juli 2009 DFG-Stipendiat am Graduiertenkolleg „Weltgesellschaft – Herstellung und Repräsentation von Globalität“ an der Universität Bielefeld. Zuvor arbeitete er in dem videoethnographischen DFG-Forschungsprojekt „Kommunikative Vermittlungsstragtegien des Imaginären“ an der Universität Konstanz. Von 2001-2008 studierte er Soziologie, Volkswirtschaftslehre sowie Kunst- und Medienwissenschaften an der Universität Konstanz und dem Institut d’études politiques de Grenoble (l'IEP). In seiner Magisterarbeit („Das Bild von Kindheit in Bildern für Kinder. Eine videohermeneutische Analyse der ZDF-Kindernachrichtensendung logo!“) befasste er sich mit der gesellschaftlichen Konstruktion von Kindheit. Während seines Studiums arbeitete Sebastian Hoggenmüller als studentische Hilfskraft an der Universität Konstanz im SFB 485 Norm&Symbol „Stile des Lebens“ unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner, als studentische Hilfskraft mit Lehrauftrag im Bereich Kunstwissenschaft bei Prof. Dr. Felix Thürlemann (Lehrstuhl für Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte) und war Webmaster der Sektion Kunstwissenschaft. Im Jahr 2005 war er als Assistenz in der Filmförderung Berlin/ Brandenburg bei der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH tätig.

Er ist Musiker der Band Raketenkind und lebt derzeit in Bielefeld und im Internet.