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Sven Kleinekathöfer, M.A. sven.kleinekathoefer@uni-bielefeld.de Institut für Weltgesellschaft |
Opening of/to the Word. Local Marketplace and Global Scope of the ‘Oriental Plaza’ (Johannesburg, South Africa)
In diesem Forschungsprojekt geht es um den Eintritt in die globale Arena sowie die Dynamik der Erschließung dieser durch eine lokale Struktur des Funktionssystems Wirtschaft, einen Marktplatz in der südafrikanischen Metropole Johannesburg, die „Oriental Plaza“.
Dem Markplatz kommt in der Moderne zunehmend eine globale Reichweite zu, wobei die von ihm ausgehenden oder zumindest an ihn angeschlossenen transnationalen Netzwerke einen welteröffnenden (d.h. weltweite Zugangschancen eröffnenden) Charakter besitzt. Die Spannung zwischen dem Globalen und dem Lokalen soll hier mit Hilfe einer Fallstudie und mit qualitativer Methodologie untersucht werden.
Die in den 1970er Jahren von der damaligen Apartheidregierung als eine der ersten Shopping Malls des Landes errichtete „Oriental Plaza“ mit über 300 relativ kleinflächigen Geschäftseinheiten sollte den Einzelhandel der indisch-stämmigen Bevölkerung Johannesburgs an einem Ort konzentrieren.
Die indisch-stämmige Bevölkerung im Bereich des Einzelhandels stammt vorrangig aus dem heutigen indischen Bundesstaat Gujarat (und hier aus nur wenigen Ortschaften) und ist zwischen 1880 und 1950 nach Südafrika eingewandert. Der transnationale Raum und die bestehenden Netzwerke zur Zeit der Migration (à Globalität des britischen Empires) wird ansatzweise beschrieben.
In den letzten Jahren, d.h. seit der politischen und ökonomischen Öffnung Südafrikas, lassen sich tiefgreifende Veränderungen in der „Oriental Plaza“ konstatieren. Während das traditionell erfolgreiche Prinzip des Familienbetriebs aufgrund von Nachwuchsproblemen in Auflösung begriffen ist, werden verstärkt Geschäfte als Zweigstellen größerer Organisationen oder aber besonders von rezenten Migranten aus Pakistan (z.T. via Dubai eingewandert) und China betrieben. Während die lokale indisch-stämmige Bevölkerung bisher von lokalen Großhändlern ihre Waren bezogen haben und nun zunehmend direkt auf die globale Ebene übergehen, nutzen viele Pakistanis und besonders die Chinesen soziale Netzwerke beim Einkauf von Waren. Von großer Bedeutung beim direkten Anschluss an den Welthandel sind die überregionalen (globalen) Marktplätze von Hongkong (für den Handel mit China, Taiwan und Korea), Singapur (für den Handel mit Malaysia und Indonesien) und Dubai (für den Handel mit dem Mittleren Osten sowie Südasien).
Weitere Themenfelder und empirische Besonderheiten können hier nur stichpunktartig aufgeführt werden: so entscheidet die Stärke/Schwäche des US-Dollars über die Zusammensetzung sowohl der Kundschaft (der Standort Johannesburg fungiert selbst als regionaler Marktplatz für den (schwarz-) afrikanischen Kontinent) als auch des Warenangebots, und die globale Verbreitung von sog. „Bollywood“-Filmen sorgt für eine Wiederaufnahme von „ethnischen Gütern“. Zunehmend ist die neue globale Migration auch in der Zusammensetzung der Angestellten ablesbar, die verstärkt aus Gujarat stammen, ohne dass notwendigerweise auf familiäre oder soziale Verbindungen zurückgegriffen werden müsste (oder könnte). Eine große Bedeutung kommt zudem den verschiedenen nationalen aber auch weltweiten Warenmessen, Ausstellungen und etwa Modezeitschriften zu. Globale Warenzeichen (Sony, Diesel etc.) sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil.
Die Ausrichtung auf die globale Arena und ihre transnationalen Vernetzungen soll dabei in der Performanz des Marktplatzes und im Handeln seiner Akteure (Geschäftsinhaber, Angestellte, Kunden) betrachtet werden. Auch wird untersucht, inwiefern sich dadurch bei den Akteuren das Verständnis von „Welt“ und vom Prozess der (wirtschaftlichen) „Globalisierung“ verändert (hat).
Datengewinnung
Qualitatives Interview, Standardisierte Befragung (face to face), Beobachtung (teilnehmend), Analyse visueller Daten (offen), Dokumentenanalyse (offen)
Regionen:
Südliches Afrika, Süd- und Südostasien
Sachfragen:
Globalisierungsfragen, Kultur & Politik, transnationale Migration, kulturelle/religiöse Minderheiten, politische Transformationen, Entwicklungsländerforschung
1994-1996 Studium der Raumplanung an der Universität Dortmund (Vordiploms-Abschluss); 1996-2002 Studium der Ethnologie, Politikwissenschaft und Geographie an den Universitäten Freiburg, Mainz und Bonn; Abschluss an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg im Breisgau mit dem Titel des Magister Artium im Dezember 2002; Thema der Magisterarbeit: „Geschichte der politischen Artikulation der Muslime Kapstadts. Zwischen lokalen Identitäten und globalem Diskurs"; seit April 2003 Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg 844 „Weltbegriffe und globale Strukturmuster: Ausdifferenzierung und funktionale Diversifikation der Weltgesellschaft"; mehrere mehrmonatige Aufenthalte im Südlichen Afrika; mehrmonatiges Praktikum bei der „Informationsstelle Südliches Afrika e.V." in Bonn.

