Personen

Tao Liu

tao.liu@uni-bielefeld.de

Institut für Weltgesellschaft
Graduiertenkolleg
"Weltbegriffe und globale Strukturmuster"
Fakultät für Soziologie
Universität Bielefeld
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld
Deutschland

 

Dissertation

Globale Wissensdiffusion und nationale Adaption im Bereich der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung am Beispiel der Unfallversicherung in China
In der traditionellen sozialpolitischen Forschung wird der Aufbau der Wohlfahrtsstaaten durch ein endogenes Erklärungsmuster begründet. Die sind vor allem die sozioökonomischen Bedingungen, die politischen Konstellationsverhältnissen sowie die kulturelle Eigendynamik eines Nationalstaates. In einer globalisierten Welt werden die nationalstaatlichen Erklärungsansätze jedoch zum Teil relativiert, da der Einfluss von globalen institutionellen Akteuren wie etwa die Weltbank auf die nationale Sozialpolitik seit den 1990er Jahren immer deutlicher wird. Den neuen Entwicklungen entsprechend zeigen sich Innovationen in der wohlfahrtsstaatlichen Forschung: Erstens wird die Entstehung der „neuen Wohlfahrtstaaten“ in Entwicklungs- und Schwellenländern erforscht; zweitens werden die Zusammenhänge zwischen den internationalen Akteuren und der innerstaatlichen sozialpolitischen Entwicklung innerhalb eines neuen Forschungsbereichs der globalen Sozialpolitik untersucht.
In meinem Projekt wird das sozialpolitische Feld am Beispiel des Aufbaus der gesetzlichen Unfallversicherung in China aus einer weltgesellschaftlichen Perspektive erforscht. Der Schwerpunkt der Forschung liegt darin, wie die unfallversicherungsbezogenen Semantiken wie soziale Menschenrechte, Sicherheit, Menschenwürde, Prävention, Entschädigung usw. durch internationale Akteure nach China transferiert werden und wie sie den Aufbau des gesetzlichen Unfallversicherungssystems in China beeinflussen. Im Unterschied zum „Mainstream“ der world-polity-Theorie werden in meinem Projekt vor allem qualitative Forschungsmethoden eingesetzt, um zu erklären, wie die globalen Semantiken und Modelle in einem nationalen Kontext umgesetzt und adaptiert werden. Der Einfluss der  International Labour Organisation (ILO) sowie die nationalstaatliche Diffusion zwischen Deutschland und China werden in den Vordergrund gestellt. Es wird angenommen, dass sowohl globale als auch westliche nationale Akteure den Aufbau des gesetzlichen Unfallversicherungssystems in China fördern und nachhaltig beeinflussen.

 Interessenschwerpunkte

Soziologische Theorie, Wohlfahrtsstaatstheorie, Theorie der Weltgesellschaft, Rechtssoziologie

Ausbildung

  1. 1998-2005: Studium der Soziologie an der Universität Bielefeld
  2. Seit Mai 2006: Stipendiat des Graduiertenkollegs „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“

Lehre

  1. SS 2006: Seminar „Sozialpolitik in Entwicklungs- und Übergangsgesellschaften“ an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld
  2. WS 2006/2007 Seminar „Sozialpolitik in Entwicklungs- und Übergangsgesellschaften“ an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld

Arbeitsgruppe

 

Die Arbeitsgruppe „Menschenrechte“ des Graduiertenkollegs „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“ besteht bislang aus den Mitgliedern Dominik Bohl, Britta Leisering, Tao Liu und Ursula Mühle.


Unter der Betreuung von Prof. Dr. Bettina Heintz befassen sich derzeit zwei der Dissertationsprojekte mit Grenzen und Bedingungen der Geltung von Menschenrechten in nationalstaatlich geschaffenen Ausnahmezonen sowie mit Sprachenrechten als kollektiven Menschenrechten. Zwei weitere Arbeiten, von Prof. PhD Lutz Leisering betreut, behandeln die globale Ausbreitung des Menschenrechtsregimes im Feld der globalen Sozialpolitik sowie im Rahmen von Initiativen zur menschenrechtlichen Unternehmensverantwortung.

Die Arbeitsgruppe "Menschenrechte" organisiert im Juni 2008 eine Tagung zum Thema "Menschenrechte in der Weltgesellschaft -- Zur Entstehung, Verbreitung und Umsetzung von Menschenrechten aus globaler Perspektive". Zur Homepage der Tagung