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Christian Mersch Institut für Weltgesellschaft |
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| Seit November 2005 | Wissenschaftlicher Assistent, Universität Luzern |
| April 2003- Oktober 2005 |
Stipendiat im Graduiertenkolleg „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“ |
| 2002-2003 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Bielefeld |
| 2000-2002 | Mitarbeit im Forschungsprojekt „Wissenschaft in der Weltgesellschaft. Globalisierung von Forschung im akademischen Kernsektor und in Organisationen des Wirtschaftssystems“, Universität Bielefeld |
| 1999-2000 | Auslandsstudium, Universität des Baskenlandes, Bilbao |
| 1996-2002 | Studium Soziologie, Universität Bielefeld, Diplom |
| 1995 | Abitur, Paderborn |
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| Die Welt der Patente. Soziologische Analysen Mein Dissertationsprojekt interessiert sich für die „Erfindung des Patents“ in der modernen Gesellschaft. Im Kern geht es darum, soziologische Erklärungen für die Frage nach dem wechselseitigen Zusammenhang zwischen der Entstehung und zunehmenden Prominenz des Patents und der Evolution der modernen Gesellschaft entwickeln zu können. Seit Beginn meiner Forschungen zum Patent war ich zum einen irritiert durch die bei genauerem Hinsehen als so unwahrscheinlich, als derart voraussetzungsreich und komplex wirkende gesellschaftliche Erfindung des Patents. Zum anderen frappierte mich die insbesondere für die letzten zehn Jahre beobachtbare massive Expansion und zunehmende Strukturprägekraft des Systems für Wirtschaft und akademische Wissenschaft, die sich mit Indikatoren wie Patentanmeldezahlen, Lizenzeinnahmen, Patentklagen, Selbstbeschreibungen von Unternehmen, Universitäten und Patentämtern etc. eindrucksvoll belegen lassen. Das Patent wird in meiner Arbeit verstanden als Mechanismus der Erzeugung und rechtlichen Absicherung der auf wirtschaftliche Märkte bezogenen (unternehmerischen) Erwartung, im Ausgleich für die Veröffentlichung technologisch-wissenschaftlichen Wissens, exklusive Auswertungsrechte für die Auswertung desselben zu besitzen bzw. im Konfliktfall (Patentverletzung) gegebenenfalls bestätigt zu bekommen. Was die gesellschaftstheoretische Einbettung meiner Analysen des Patents angeht, rekurriert die Arbeit vor allem auf die bis jetzt vorliegenden Arbeiten im Kontext der „Theorie der Weltgesellschaft“, die maßgeblich für das theoretisch-programmatische Selbstverständnis des Graduiertenkollegs sind. Moderne Gesellschaft wird als differenziert in Weltfunktionssysteme wie Recht, Wirtschaft und Wissenschaft gedacht, die auf verschiedene Art und Weise die ihnen eigene „Sachlichkeit“, ihr universelles Selbstverständnis, in räumlich-zeitliche und soziale Realität umsetzen; in anderen Worten: Weltgesellschaft differenziert sich in Funktionssystemen, welche sich – in variierenden Formen der Kopplung mit ihrer innergesellschaftlichen Umwelt (mit anderen Funktionssystemen und Systemtypen wie etwa der formalen Organisation) und insbesondere mit ganz unterschiedlichen Affinitäten und Bezügen zu Nationalstaatlichkeit, Räumlichkeit und Territorialität – auf unterschiedlichen Wegen globalisieren. Die Arbeit versucht vor diesem durch die Theorie der Weltgesellschaft gerahmten begrifflichen Hintergrund das Paradox der heute wahrscheinlich gewordenen Unwahrscheinlichkeit des Patents (noch Ende des 19. Jahrhunderts wurde in einigen Staaten der Patentschutz vorübergehend abgeschafft) theoretisch und empirisch zu entfalten. Ich möchte den Erklärungsanspruch meiner Arbeit und die analytische Spezifik der gewählten weltgesellschaftstheoretischen Perspektive anhand kurzer Notizen zu einer zentralen Fragestellung exemplarisch illustrieren. Das Patentsystem lässt sich in Hinblick auf die in der Globalisierungstheorie gleichermaßen viel diskutierte wie nicht befriedigend beantwortete Frage nach der Rolle von Nationalstaaten im Prozess der Globalisierung als ein besonders instruktiver Forschungsgegenstand beobachten. Es werden Rechte mit nationalstaatlich begrenzter Geltung gewährt (Territorialitätsprinzip), der Nachweis der gesetzlichen Zulässigkeit des Schutzes für eine zum Patent angemeldete Erfindung lässt sich allerdings nur dann führen, wenn die Erfindung in der Patentschrift und der Patentprüfung im Vergleich zu einem weltweit und universell verstandenen Forschungsstand („Stand der Technik“) als neu und hinreichend originell beschrieben werden kann („absoluter Neuheitsbegriff“). Patentkommunikation, d.h. Kommunikation über die Patentierbarkeit von technischen Erfindungen (Leitdifferenz: patentierbar/nicht patentierbar), muss also immer einen universellen Wissenshorizont referieren, auch wenn das Patent als Rechtsinstitut zunächst einen nationalstaatlichen bzw. ausnahmsweise auch transnationalen Index wie im Falle des europäischen Patents (Gemeinschaftspatents) aufweist. Es gibt kein Patent, das mit einer Erteilung (etwa eines Weltpatentamts) für einen globalen Rechts- und Wirtschaftsraum Gültigkeit beanspruchen könnte. Insofern ließe sich – in Übereinstimmung mit Ansätzen, die Globalisierung primär als Herauswachsen von sozialer Ordnung aus Nationalstaaten (Exterritorialisierung) verstehen – schlussfolgern, dass es kein globales Patent gibt. Bezüglich der Frage, ob sich das Patentsystem dennoch sinnvollerweise als Weltkommunikationszusammenhang, als globaler Relevanz- und Beobachtungsraum beschreiben lässt, würden die Theorie der Weltgesellschaft und die meisten konventionellen Globalisierungstheorien allerdings zu unterschiedlichen Antworten kommen müssen. Während klassische Globalisierungsansätze meistens schon nicht über das Vokabular verfügen, um diese Frage angemessen stellen zu können, würde eine weltgesellschaftstheoretische Perspektive zu dem Schluss kommen, dass das Patentsystem in seinen Basisoperationen (den Entscheidungen der Patentämter) als Teil des politisch-rechtlichen Komplexes auf Territorialität angewiesen ist bzw. territorial-räumliche Grenzen für wirtschaftliche Beobachter auch immer miterzeugt, gleichzeitig allerdings, wie beschrieben, aufgrund der rigiden gesetzlichen Verpflichtung auf absolute Neuheit in sachthematischer Hinsicht nur noch plausibel als universales Weltpatentsystem gedacht werden kann. Die interne Heterogenität des Systems (verschiedene Patentrechtskulturen) und Versuche der Überwindung dieser Differenz (Prozesse transnationaler Patentrechtsharmonisierung) müssten in dieser Perspektive dann als Momente der systemspezifischen Globalisierung des Patentsystems, die transnationale Homogenitäten und national-regionale Diversität zugleich sichtbar macht und erzeugt, begriffen werden. Es scheint mir, dass mit dieser Perspektive, die zwischen Universalität und Globalität von Kommunikationen zu unterscheiden vermag, mehr über die Spezifik des Patentsystems und dessen Zusammenhänge mit anderen Systemen (strukturelle Kopplungen) gelernt werden kann als mit den meisten globalisierungstheoretischen Perspektiven. Diese müssen den nationalstaatlichen Bezug von Patenten als retardierendes Moment im Prozess der (wirtschaftlichen) Globalisierung (im Singular) begreifen, Recht und Politik werden als primär territorial delimitierte Systeme als Nachzügler der Globalisierung gesehen. Dass nationalstaatliche Differenzen der Patentgesetzgebung aber erst vor dem Hintergrund der weltweit gepflegten Unterstellung desselben universellen Problembezugs des Patents zu Differenzen werden, wird dann nicht mehr gesehen. In meiner Arbeit geht es um den Versuch, im Rahmen einer weltgesellschaftstheoretischen „Neuerfindung des Patents“, Erkenntnisdefizite dieses Typs zu beheben helfen. |
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| Mersch, Christian, Die Welt der Patente. Eine soziologische Analyse des Weltpatentsystems, in: Bettina Heintz, Richard Münch, Hartmann Tyrell (Hrsg.), Weltgesellschaft. Theoretische Zugänge und empirische Problemlagen. Sonderheft der Zeitschrift für Soziologie, Stuttgart: Lucius & Lucius 2005, S. 239-259 |
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| Mersch, Christian, Patente und Publikationen. Zur globalen Kommunikation technologischen und wissenschaftlichen Wissens. Diplomarbeit, Universität Bielefeld 2002, http://www.unibielefeld. de/soz/iw/pdf/MerschDA.pdf |
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