Personen

Tanja Stein

Institut für Weltgesellschaft
- Graduiertenkolleg -
Fakultät für Soziologie
Universität Bielefeld
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld
Deutschland

Kontakt:
tanja.stein@uni-bielefeld.de
Raum: U10-132
Tel.: +49-521-106-3563

Tanja Stein

 


Interessenschwerpunkte

Systemtheorie, Medizinsoziologie, Körpersoziologie, Medizingeschichte, Raumsoziologie, Weltgesellschaftstheorie, Geschlechterforschung, Wissenssoziologie


Dissertationsprojekt

Medizin ohne Grenzen – Verfügt die moderne Gesellschaft über eine Weltmedizin? (Arbeitstitel)

Dass die Systemtheorie trotz ihrer theoretischen Fülle sowohl auf dieser, als auch auf empi­rischer Ebene einige Leerstellen aufweist, wurde bereits mehrfach festgestellt. So ist die theoretisch zunächst plausible Ableitung der Weltgesellschaft und die damit verbundene Vorstellung, dass jedes Funkti­onssystem als weltweit singuläres System zu denken ist, einer jener Themenkomplexe, die nach theoretischer Konkretisierung verlangen. Luhmann weist zwar darauf hin, dass Funktionssysteme zur Globalisierung tendieren, eine theoriekonsistente Beschreibung dieser – den gesellschaftlichen Teilbereichen scheinbar inhärenten – Tendenz bleibt er dem Leser jedoch schuldig. Des weiteren lassen sich zahlreiche empirische Beobachtungen anführen, die sich mit dem vorhandenen Instrumentarium nicht adäquat be­schreiben lassen und teilweise in Widerspruch zu den theoretischen Implikationen stehen.

Die Dissertation widmet sich einem solchen Themenkomplex und will das Verhältnis von Ausdifferenzierung eines gesellschaftlichen Teilsystems und dessen Status als globalem Funktionssystem am Beispiel des Medizinsystems konkretisieren. Die zentralen Fragen der Dissertation lauten folgendermaßen: Ist die Etablierung eines autonom operierenden gesellschaftlichen Teilsystems tatsächlich gleichbedeutend ist mit dessen Status als globalem System? Welche innersystemischen Strukturen ermöglichen die Globalisierung eines solchen Systems? Wie muss ein Globalitätsbegriff beschaffen sein, der über das Erklärungsmuster räumlicher Ubiquität hinaus geht und es ermöglicht, den systemischen Zusammenhang der Einzeloperationen auf globaler Ebene zu fassen?

Der erste Teil der Dissertation beschäftigt sich mit dem Prozess der Ausdifferenzierung des Medizinsystems, der ab der Mitte des 18. Jahrhunderts von Europa ausgehend beobachtet werden kann. Auf theoretischer Ebene lässt sich dieser Prozess plausibel als Etablierung einer komplementären Rollenbeziehung von Leistungs- und Publikumsrollen beschreiben. Die entstehende Rollenasymmetrie ermöglicht es, die Gesamtgesellschaft als Inhaber einer der beiden Rollen in das System zu inkludieren. Durch die Professionalisierung des Arztberufes einerseits und die parallel verlaufende gesellschaftsweite Ausdehnung des Patientenstatus andererseits war diejenige Beziehung von Leistungs- und Publikumsrollen geschaffen, die die Vollinklusion der Gesellschaft in das Medizinsystem ermöglichte. Historische Studien aus den Bereichen der Professionalisierungs- und Medikalisierungsliteratur sowie dem Themenkomplex der Patientengeschichte werden dazu herangezogen, die entsprechende medizinhistorische Entwicklung empirisch zu plausibilisieren.

Während die Etablierung einer solchen komplementären Rollenasymmetrie zur Erklärung der Ausdifferenzierung eines Funktionssystems innerhalb der Systemtheorie überwiegend als ausreichend erachtet wird, wird sie hier lediglich als ein Teilaspekt dieses Prozesses verstanden. In einem zweiten Schritt muss darüber hinaus gezeigt werden, welche strukturellen Entwicklungen schließlich zur operativen Schließung eines zuvor diffus vorkommenden medizinischen Kommunikationszusammenhangs geführt haben, so dass die Rede von einem Medizinsystem tatsächlich gerechtfertigt ist. Entsprechende historische Entwicklungen müssen in eine genuin kommunikationstheoretische Argumentation eingebettet werden, um den systemischen Zusammenhang der Einzeloperationen angemessen zu beschreiben.

Nachdem der Fokus der ersten beiden Teile der Dissertation auf dem sich ausdifferenzierenden Medizinsystem im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts liegt, befasst sich der abschließende Teil mit der Frage nach der daran anschließenden Entwicklung in Richtung eines globalen Medizinsystems. Im vorliegenden Kontext werden die üblichen Erklärungsmuster von Globalität in Form von räumlicher Ubiquität und weltweiter wechselseitiger Beobachtung als unzureichend erachtet. Sie sind zwar durchaus in der Lage, die räumliche Expansion eines zunächst lokal begrenzten Systems zu beschreiben. Fragen nach den internen Strukturen, die einem solchen globalen System seinen inneren Zusammenhalt geben, können dagegen nicht befriedigend beantwortet werden. Es wird zu überprüfen sein, ob die moderne Gesellschaft in dem hier verstandenen Sinne über eine Weltmedizin verfügt oder ob es systeminterne Gründe gibt, die dieser Entwicklung (bis jetzt) hinderlich gewesen sind.


Ausbildung und berufliche Tätigkeit

seit Oktober 2007

Kollegiatin im Graduiertenkolleg „Weltgesellschaft – Die Herstellung und Präsentation von Globalität“, Bielefeld

April – September 2007

Studium der Soziologie (Diplom), Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Februar 2007

Studienabschluss Diplom-Geographin

Thema der Abschlussarbeit: „Visual placement“ – Visuelle Verweisungsmöglichkeiten auf einen Ort am Beispiel der „Leipziger Freiheit“

Oktober 2004 – Juli 2005

Studium der Geographie, Paris IV (Sorbonne)

Oktober 2002 – Juli 2007

Studium der Geographie, Soziologie und Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Oktober 2000 – September 2001

Studium der Politikwissenschaft und Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

September 1998 – September 2000

Ausbildung zur Industriekauffrau, 3K-Möbel Worms


Beteiligung an Tagungen und Veranstaltungen

in Vorbereitung

 


Publikationen

in Vorbereitung