Personen

Jan Wollmann

Graduiertenkolleg "Weltbegriffe und globale Strukturmuster"

janwollmann@gmx.de

Fakultät für Soziologie
Universität Bielefeld
Postfach 100 131
33501 Bielefeld


 

Lebenslauf

Seit 07/2006            
Stipendiat im Graduiertenkolleg „Weltbegriffe und globale Strukturmuster“, Universität Bielefeld

2005                          
Praktikum bei der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FESt), Heidelberg

2005
Praktikum bei Haukari e.V. (Arbeitsgemeinschaft für internationale Zusammenarbeit), Berlin/Frankfurt(Main)

2005-2006
Protokollant für die Heinrich-Böll Stiftung, Berlin

2004
Diplom der Soziologie, FU-Berlin

2003
Praktikum im Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin

1998-2004
Studium der Soziologie, FU-Berlin

Dissertationsprojekt:

Das Beobachtungsschema „Kampf der Kulturen“ und weltweite Solidarisierungs- und Polarisierungsprozesse (Arbeitstitel)

Das Projekt untersucht in einem empirischen Teil islamische Diskurse, die geeignet sind in einem „Kampf der Kulturen“ zu deeskalieren. Um diesen Untersuchungsgegenstand in den Blick zu bekommen, muss zunächst in einem theoretische Teil der im weitesten Sinne mit „Kampf der Kulturen“ bezeichnete Problemkontext reformuliert werden.

Das Projekt widerspricht der These einer Verlagerung des aktuellen und zukünftigen Konfliktpotenzials in den religiösen Kernbereich der Kulturen (Huntington). Auf der anderen Seite positioniert sich das Projekt gegenüber Ansätzen, welche den Faktor Religion durch Rückgriff auf außerreligiöses ( z.B. sozio-ökonomische Faktoren; Instrumentalisierung durch Eliten) beiseite lassen.

Ausgangspunkt der theoretischen Auseinandersetzung ist zunächst die Beobachtung, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Phänomene (Kopftuch, Ehrenmorde, Karikaturen, Terrorismus etc.) zur Zeit massenmedial, politisch und religiös mit Bezug auf die Unterscheidung Islam/Westen beschrieben werden. Dabei scheint eine Dynamik in Gang gekommen zu sein, die immer weitere Ereignisse als Elemente eines Konfliktes hervorbringt. Im Mittelpunkt des theoretischen Teils steht demzufolge nicht die inhaltliche Bestimmung gegensätzlicher Elemente in Religion oder Kultur als kausale Ausgangsbedingung einer Auseinandersetzung, stattdessen soll der Konflikt selbst als eine eigendynamische soziale Tatsache analysiert werden. Weil mit dem Schema Islam/Westen nahezu beliebige Ereignisse unter dem Aspekt der Gegnerschaft („Kampf der Kulturen“) beobachtet werden, kann man es als Leitunterscheidung eines kommunikativ reproduzierten Konfliktsystems ansehen.

Der mit „Kampf der Kulturen“ bezeichnete Konflikt lässt sich auf diese Weise von seiner weltgesellschaftlichen Umwelt unterscheiden. Damit werden Wechselwirkungen beobachtbar, die sich auf den Konflikt beziehen, jedoch durch die Eigenlogik der gesellschaftlichen Teilbereiche zu erklären sind. So wirkt die Logik des Politischen offenbar einer Konfrontation zwischen dem „Islam“ und dem „Westen“ entgegen. Das Projekt nimmt jedoch auch das Religiöse, als einen eigenständigen gesellschaftlichen Teilbereich ernst. Die islamische Religion dient dabei nicht nur als ein Lieferant konfliktlegitimierender Semantiken (jihad, dar al-islam/dar al-harb), sondern aus ihr können auch Friedenspotentiale erwachsen.

Diese Friedenspotentiale zeigen sich in einem breiten Spektrum, von Bemühungen der diskursiven Abgrenzung gegenüber einem militanten Islamismus bis zu aktiven Versuchen der Versöhnung und des Dialoges. Wie sich diese Abgrenzungen konstituieren, was als Deeskalation gelten kann und wie diese religiös legitimiert wird, soll im empirischen Teil anhand von Äußerungen des an die Öffentlichkeit kommunizierenden Islam aufgearbeitet werden. Methodisch wird unterschieden zwischen einer semantischen Ebene religiöser Motive (z.B. Schutz der Ungläubigen, Wettstreit im Glauben, Betonung des innerweltlichen Erfolges) und konkreten Strukturen (Organisationen, Netzwerke), welche die Semantiken in unterschiedliche Praxen umsetzen (Dialoginitiativen, Demonstrationen, Kampagnen).