Der Begriff des Lernens hat bekanntermaßen seit einiger Zeit Konjunktur. Nicht nur von Individuen werden im Zusammenhang mit Strategien „lebenslangen Lernens" diesbezügliche Anstrengungen verlangt, sondern auch von Organisationen aus unterschiedlichen Funktionssystemen wird erwartet, dass sie Innovationsfähigkeit, Wissensmanagement und Lernen zu Kernkompetenzen in einer (Welt-) Wissensgesellschaft entwickeln. Begriffe wie „organisationales Lernen" oder „Lernende Organisation" stellen nur einige Stichworte in diesem Kontext dar. Gleiches gilt angesichts wachsenden Problemdrucks und neuer Herausforderungen für ganze Nationen oder deren politisch-administrativen Systeme, von denen gefordert wird, dass sie zu lernen in der Lage sein müssen. Dies nicht zuletzt von den Erfahrungen ihrer Nachbarn, wofür die stetig anwachsende Literatur zu Prozessen des „Policy-Lernens" oder „Policy-Transfers" zeugt.
Obgleich im Zuge dieses wiedererwachsenen Interesses an Prozessen des Lernens ein beachtlicher Fundus an Versuchen zur Konzeptualisierung und empirischen Untersuchung entsprechender Phänomene entstanden ist, scheint das breite Forschungsfeld zu „Lernen" nach wie vor stark fragmentiert und nur wenig durch kumulative Erkenntnisgewinne gekennzeichnet zu sein.
Vor diesem Hintergrund verfolgt der geplante Workshop das Ziel, über die Initiierung eines intra- und interdisziplinären Dialogs, verschiedene Arbeiten, die Lernen aus unterschiedlichen theoretisch-konzeptionellen Perspektiven und mit Blick auf unterschiedliche Gegenstandsbereiche untersuchen, zusammenzubringen, um auf diese Weise vorliegende Erkenntnisse zu diskutieren und mögliche Komplementaritäten auszuloten.
Ablauf
Freitag, 13. Dezember 2002
11:30 bis 12:30
Lena Hilkermeier, Ruhr-Universität Bochum; Tanja Kopp-Malek, Universität Bielefeld
Begrüßung und Ziel des Workshops
1. Individuelles und organisationales Lernen
12:30 bis 13:30
Nils Bandelow, Ruhr-Universität Bochum
Stabilität und Veränderung britischer und deutscher Kernexekutiven in der europäischen Verfassungs- und Währungspolitik. Organisationales Regierungslernen bei der Formulierung nationaler Präferenzen von parteipolitisch unverändert zusammengesetzten Regierungen in den 1980er und 1990er Jahren
13:30 bis 14:30
Jan Dirks, Universität Bremen
Internationale Arbeitsregulierung in Zeiten der Globalisierung. Politikveränderungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) in der Perspektive organisatorischen Lernens
14:30 bis 15.30 Kaffeepause
15.30 bis 16.30
Martin Koch, Alexandra Lindenthal, Universität Bielefeld
"Lernt die Europäische Kommission?" Theoretische Überlegungen und empirische Befunde zur Umsetzung des Umweltintegrationsprinzips in der Europäischen Kommission
16:30 bis 17:30
Kathrin Böhling, Wissenschaftszentrum Berlin
International Organizations as Corporate Actors in Global Politics - an Organizational Learning Perspective
19:00 gemeinsames Abendessen
Samstag, 14. Dezember 2002
2. (Inter-)organisationales Lernen/Netzwerklernen
09:00 bis 10:00
Klemens Keindl, Universität Bielefeld
Der Doppelte Wissenskreislauf
10:00 bis 11:00
Darnell Hilliard, Universität Bielefeld
Weltunternehmen als lernende Organisation
11:30 bis 12:30 Kaffeepause
12:30 bis 13:30
Holger Strassheim, Wissenschaftszentrum Berlin
Wissen und Macht in interorganisatorischen Netzwerken. Die politische Dimension des Netzwerklernens am Beispiel interkommunaler Netzwerke der lokalen Beschäftigungspolitik
13:30 bis 14:30
Rüdiger Wink, University of Birmingham, Ruhr-Universität Bochum
Institutionelles Lernen im transnationalen Kontext - eine ökonomische Perspektive
14:30 bis 14.45 Kaffeepause
14.45
Abschlussdiskussion

