Tagung des Graduiertenkollegs Weltbegriffe und globale Strukturmuster in Zusammenarbeit mit dem Institut für Weltgesellschaft
Veranstaltungskomitee:
Rudolf Stichweh
Hartmann Tyrell
Joachim Wöll
27. - 29. November 2003
Senatssaal der Universität Bielefeld
(Universitätshauptgebäude, Raum A3-126)
Hier können Sie das Tagungsprogramm als PDF herunterladen
Im Begriff der Weltgesellschaft sind beide Bestandteile, der Begriff der "Gesellschaft" und der der "Welt" klärungsbedürftig. In der Regel konzentriert sich die Diskussion auf den ersten dieser beiden Begriffe. Was sind die Voraussetzungen, die man macht, wenn man ein soziales System eine Gesellschaft nennt? Sind diese Voraussetzungen im Fall der Weltgesellschaft erfüllt und kann die Weltgesellschaft die Attribute von "Gesell-schaft" exklusiv für sich beanspruchen, so daß nur sie noch als Gesellschaft in Frage kommt? (Siehe zu diesem Thema auch die Tagung "Die Gesellschaft und ihre Reichwei-te - wie zwingend ist die Weltgesellschaft", Bielefeld, 28.-30. November 2002, Publika-tion in der "Zeitschrift für Soziologie" in Vorbereitung). Die hier entworfene Tagung wird sich auf den anderen Leitbegriff, den einer "Welt", konzentrieren. Sie wird ver-schiedene Fassungen des Weltbegriffs miteinander ins Gespräch bringen, um zu prüfen, was die soziologische Theorie von diesen lernen kann.
Verschiedene intellektuelle Perspektiven und verschiedene Gruppen von Teilnehmern sollen bei der Tagung berücksichtigt werden. Zunächst sind Historiker und Ethnologen zu nennen, die sich für die historische Semantik und insbesondere für die Weltbegriffe älterer Gesellschaften interessieren. Wie bestimmen ältere Gesellschaften die Differenz zwischen den sozialen Grenzen, die sie sich selbst geben, und dem, was außerhalb die-ser Grenzen liegt und dennoch für sie relevant ist? Hier werden eine Reihe von Beo-bachtungsperspektiven und Leitunterscheidungen eine Rolle spielen: die Frage der Dinghaftigkeit oder Sinnhaftigkeit der Welt, die nach ihrer Geschlossenheit oder Offen-heit, Bestimmbarkeit oder Unbestimmbarkeit, Endlichkeit oder Unendlichkeit. Weiterhin: Wie sehen die Anschauungsformen aus, die man für sich selbst im jeweiligen Begriff der Welt erzeugt ("Oikumene", "orbis terrarum" etc.). In all diesen Hinsichten ist zu ver-muten, daß die Optionen innerhalb dieser Unterscheidungen mit der soziokulturellen Evolution variieren.
Ein wichtiger Teil der historischen Vergegenwärtigung des Weltbegriffs ist die Nach-zeichnung der theologischen Tradition und der Bruchstellen in ihr. Der Begriff der Welt war lange durch die Gegenüberstellung zum Begriff Gottes bestimmt, und auch im Fall des Weltbegriffs ist zu vermuten, daß die Gegenbegriffssubstitution, die anstelle des Gottesbegriff andere Gegenbegrifflichkeiten signifikant werden läßt, ein wichtiger Indi-kator historischen Wandels ist.
In einer dritten Hinsicht geht es um die philosophischen und szientifischen Konzeptio-nen, die sich aus diesen historischen Semantiken herauslösen, Eigenentwicklungen pro-duzieren, aber auch auf gesellschaftliche Selbstbeschreibungen zurückwirken. Wie sieht eine Fassung des Weltbegriffs aus, die sich beispielsweise der Phänomenologie oder der "Ecology" als philosophischen bzw. szientifischen Disziplinen verdankt. Was bedeuten philosophische oder naturwissenschaftliche Konzeptionen einer Pluralität von Welten für die Selbstbeschreibung von Gesellschaft? Kann man sinnvoll von der Welt als einem biologischen oder physikalischen System sprechen - und welchen allgemeineren Welt-begriff präsupponiert man, wenn man dies tut?
Im vierten Schritt kommt schließlich die Soziologie ins Spiel. Was lernt sie aus diesen semantischen und intellektuellen Vorentwicklungen? Legt der Weltbegriff die Soziologie zwingend auf eine an Sinn orientierte theoretische Perspektive fest oder ist er kompati-bel mit der Multiplizität soziologischer Theorien, die je eigene Fassungen des Weltbeg-riffs erzeugen würden? Welche Facetten kann die Soziologie der semantischen Tradition des Weltbegriffs hinzufügen? Ist es eine interessante Konzeption von Welt, wenn bei-spielsweise die Netzwerktheorie von "small worlds" spricht, und tragen solche Formu-lierungen, die sowohl Metaphern sind wie sie auch exakt modelliert werden können, substantiell etwas zum Verständnis der "Welt-Gesellschaft" der Gegenwart bei?
Zu der Teilnahme an dieser Tagung laden wir Sie herzlich ein.
Bei Interesse bitten wir Sie um vorherige Anmeldung unter
iw.geschaeftsstelle@uni-bielefeld.de
oder per Post:
Institut für Weltgesellschaft
Geschäftsstelle
Fakultät für Soziologie
Universität Bielefeld
Postfach 100131
33501 Bielefeld
Informationen erhalten Sie außerdem telefonisch unter
0521 106 4227

