Fakultät für
Soziologie

Warum Politische Kommunikation?

Studienbeschreibung

Neben der offiziellen Studiengangsbeschreibung haben wir aus der studentischen Perspektive eine alternative Beschreibung entwickelt, die, wie wir hoffen, einen etwas genaueren Einblick in den Master Politische Kommunikation bietet.

Falls ihr euch gefragt habt, warum der Studiengang nicht im CHE-Ranking zu finden ist, gibt es dazu eine simple Erklärung: Die Fakultät für Soziologie der Uni Bielefeld ist mit den Methoden des Rankings nicht einverstanden und entzieht sich daher einer Bewertung. Das sollte jedoch natürlich kein Grund sein, sich von dem Studiengang abzuwenden!

 

Ursprung und Name des Studiengangs

Text
Niklas Luhmann

Seinen Namen verdankt der Studiengang Politische Kommunikation seiner ursprünglich fast ausschließlichen Ausrichtung an der soziologischen Systemtheorie nach Niklas Luhmann. Luhmann war von 1968 bis 1993 Professor an der Universität Bielefeld und entwickelte dort seine umfassende Theorie sozialer Systeme, die heute zu den einflussreichsten Theorien innerhalb der Sozialwissenschaften zählt. Da sich Luhmanns Verständnis des Sozialen auf Kommunikation stützt, ist „politische Kommunikation“ zunächst einmal sehr viel umfassender gemeint, als dies im Alltagsverständnis der Fall ist. Politische Kommunikation umfasst aus dieser Perspektive nämlich nicht nur den Aspekt von PR und Öffentlichkeitsarbeit (also Bereiche, in denen Politik an ihre Umwelt herantritt und sich gewissermaßen erklärt), sondern auch Kommunikation innerhalb und zwischen politischen Parteien und Regierungen, sozialen Bewegungen, Lobbyverbänden oder auch Verwaltungsorganisationen. Kurzum, politisch ist jegliche Kommunikation, die sich an einer spezifisch politischen Logik orientiert, die es aus systemtheoretischer Sicht zu entschlüsseln gilt.

Nichtsdestotrotz hatte der Studiengang bereits in seiner ursprünglichen Form einen Schwerpunkt im Bereich Öffentlichkeit und Medien. Dies rückte ihn inhaltlich wiederum doch etwas näher an das heran, was wir im Alltag unter politischer Kommunikation verstehen.

Wandel des Studiengangs und seine Inhalte heute

Seit einiger Zeit befindet sich der Studiengang Politische Kommunikation im Wandel. Obwohl die soziologische Systemtheorie nach wie vor einen wichtigen Pfeiler des Studiengangs darstellt, werden nunmehr verschiedene soziologische, politikwissenschaftliche und auch medienwissenschaftliche Ansätze nebeneinander angeboten und zum Teil miteinander kombiniert. Das macht den Studiengang insgesamt sehr viel interdisziplinärer. Die Studierenden sollen durch die Vermittlung unterschiedlicher methodischer und theoretischer Herangehensweisen in die Lage versetzt werden, selbst einen Forschungsschwerpunkt zu entwickeln und ihr weiteres Studium daran zu orientieren. Natürlich ist es für eingefleischte Systemtheoretiker aber auch weiterhin möglich, ihr Studienprofil primär systemtheoretisch auszurichten.

Dem Namen „Politische Kommunikation“ wird indessen auf andere Weise Rechnung getragen. In dem Modul Massenmedien und Öffentlichkeit, das insgesamt 14 Leistungspunkte ausmacht, können die Studierenden aus soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Kursen wählen. Ziel ist es dabei die Besonderheiten der Politik im Kontext ihrer permanenten Beobachtung durch die Massenmedien zu verstehen und aus soziologischen wie kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven zu analysieren. Darüber hinaus ist es durch die beiden Wahlpflichtmodule möglich diesen Schwerpunkt noch weiter zu vertiefen.

Als Fachschaft werden wir uns in Zukunft darum bemühen auch Referenten aus verschiedenen Bereichen von Politik, Öffentlichkeit und Medien einzuladen, um den theoretischen Teil des Studiums durch praktische Einblicke in diese potentiellen Berufsfelder zu ergänzen.

Neben dem Kernbereich Massenmedien und Öffentlichkeit gibt es noch zwei weitere Kernbereiche. Im Modul Politisches System und Politische Theorie werden grundsätzliche Konzepte wie Macht, Staat und Weltgesellschaft aus verschiedenen soziologischen und politikwissenschaftlichen Perspektiven behandelt. Das Modul Regulierung und Governance hingegen behandelt eher praktische Probleme der Steuerung und Regulierung unterschiedlicher Politikfelder. Auch hier herrschen sowohl soziologische als auch politikwissenschaftliche Ansätze vor.

Durch den relativ großen individuellen Ergänzungsbereich und die beiden Wahlpflichtmodule haben die Studierenden die Möglichkeit darüber hinaus frei aus dem Angebot der Universität und der Fakultät für Soziologie zu wählen. So kann, wenn dies gewünscht ist, auch eine große oder kleine Lehrforschung durchgeführt werden.

Warum Systemtheorie?

Viele Studierende, die an die Universität Bielefeld kommen stellen sich die Frage, welchen Sinn es hat, sich eine umfassende Theorie anzueignen, die es nicht nur erlaubt politische Strukturen und Prozesse zu erklären, sondern darüber hinaus gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge beschreiben und einzuordnen. Wären Theorien mit kurzer und mittlerer Reichweite nicht absolut ausreichend um Phänomene des Politischen zu beschreiben? Oder anders gefragt: Braucht man unbedingt einen makrostrukturalistischen Ansatz mit einem aufwendigen Begriffsapparat, wenn man doch genauso gut mit Akteurskonstellationen bzw. weniger elaborierten institutionalistischen Ansätzen arbeiten kann?

Natürlich kann man auch mit Theorien kurzer und mittlerer Reichweite sehr gute wissenschaftliche Ergebnisse erzielen. In der Auseinandersetzung mit der soziologischen Systemtheorie erschließen sich jedoch schnell deren Vorteile gegenüber anderen primär erklärenden oder auch normativ-kritischen Ansätzen. Durch den hohen Abstraktionsgrad werden Phänomene, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, in Hinblick auf die Frage nach der Funktion vergleichbar gemacht. So kann man sich vorstellen, politische Macht durch Engagement für Delfine oder gegen Abtreibung zu erlangen, in der Regel aber nicht durch wissenschaftliche Raffinesse oder einen guten Kunstgeschmack. Der systemtheoretische Ansatz ermöglicht es darüber hinaus, hinter die reine Fassade politischer Selbstbeschreibungen zu blicken und nach der inneren Logik der „Black-Box“ Politik zu suchen. Dadurch können blinde Flecken in kaum hinterfragten politischen Modellen aufgedeckt werden.

All dies mag sich noch sehr wenig konkret anhören und natürlich können die Einzelheiten der Theorie hier nicht dargelegt werden. Wer jedoch gewillt ist, sich ernsthaft mit der Theorie auseinander zu setzen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit, das hat jedenfalls die Erfahrung gezeigt, mit einigen „Aha-Erlebnissen“ belohnt.

Was muss ich mitbringen?

Wenn Du Politische Kommunikation an der Universität Bielefeld studieren möchtest, solltest Du als erstes natürlich ein generelles Interesse an politischen Strukturen und Prozessen im Allgemeinen und an massenmedialer Verarbeitung politischer Themen im Besonderen haben.

Neben diesem generellen Interesse für das Forschungsfeld Politik solltest Du Freude daran haben, Dich mit verschiedenen soziologischen und politikwissenschaftlichen Theorien und Ansätzen auseinanderzusetzen und auch die Mühe nicht scheuen, Dich zumindest ansatzweise mit der soziologischen Systemtheorie vertraut zu machen.

Durch die vielen Wahlbereiche, die der Studiengang bietet, hast Du die Chance, Deinen Studiengang nach Deinen Interessen zu planen. Dies setzt natürlich auch voraus, dass Du gewillt bist, Dein Studium eigenständig und sinnvoll zu gestalten.

Der Schwerpunkt im Bereich der Leistungsnachweise in Form von Hausarbeiten verlangt zudem eine gewisse Bereitschaft, sich eigenständig in verschiedene Themen und Sachverhalte einzuarbeiten und mit einem selbstgewählten Forschungsansatz zu verknüpfen.

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