Jahrgang 34, Heft 1, Februar 2005/Volume 34, Number 1, February
2005
Geschlechtsspezifische Lohnunterschiede in Branchen, Berufen
und Betrieben
The Gender Wage Gap Within Economic Sectors, Occupations, and
Firms
Thomas Hinz
Universität Konstanz, Fachbereich Geschichte und Soziologie,
Fach D40, Universitätsstr. 10, D-78457 Konstanz
Hermann Gartner
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur
für Arbeit (IAB), Regensburger Str. 104, D-90478 Nürnberg
Zusammenfassung: Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern
werden in der ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Diskussion
unter anderem auf die unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten
von Männern und Frauen (Segregation) sowie die unterschiedliche
Ausstattungen mit Humankapital zurückgeführt. In diesem
Beitrag wird unter Verwendung eines kombinierten employer-employee
Datensatzes des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
der Bundesagentur für Arbeit (LIAB-Daten) gefragt, ob die
Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern mit der unterschiedlichen
Verteilung von Frauen und Männern auf Wirtschaftsbereiche,
Berufe und Betriebe erklärt werden können. Forschungsergebnisse
aus den USA und Skandinavien zeigen, dass dort so gut wie keine
geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede im gleichen Beruf und
im gleichen Betrieb (in sog. Job-Zellen) zu finden sind . Unsere
Ergebnisse für westdeutsche Betriebe zeigen jedoch, dass
auch innerhalb von Job-Zellen eine beachtliche Lohndifferenz zwischen
den Geschlechtern besteht. Sie ist im Untersuchungszeitraum (1993-2001)
von etwa 17 auf 15 Prozent des Männerlohnes gefallen. Wenn
wir Ausbildung und Berufserfahrung in den Job-Zellen konstant
halten, beträgt der Lohnunterschied etwa 12 Prozent. Zusätzlich
untersuchen wir, ob sich die relativen Löhne von Frauen für
hierarchische Berufsgruppen (nach ISCO) unterscheiden. Die Lohndifferenzen
in den Job-Zellen sind bei Leitungskräften und bei Wissenschaftlern
mit 7 und 5 Prozentpunkten verhältnismäßig gering.
Messprobleme und Eigenheiten des verwendeten Datensatzes können
möglicherweise für einen Teil des im internationalen
Vergleich hohen Lohnunterschied in den Job-Zellen verantwortlich
sein.
Summary: Among other factors, gender wage differences
are explained by occupational segregation and and gender-specific
endowments of human capital. In this article, we use linked employer-employee
data of the Institute of Labor Market Research (LIAB-dataset)
and ask whether the gender wage gap evolves with the distribution
of female and male workers into different economic sectors, occupations,
and firms. Research findings from the U.S. and Scandinavia show
that only a minimal wage difference remains within jobs. Our results
for a representative sample of firms from West Germany, however,
indicate a remarkable within-job wage gap. Between 1993 and 2001,
the relative wages of women increased from about 83 to 85 percent
of male wages. Looking at workers with the same education and
experience, the relative wages of female workers lie at 88 percent.
In addition, we analyze the wage gap for hierarchical occupational
groups (ISCO). The within-job wage gap is relatively low for management
positions and for professionals. Problems of measurement and characteristics
of the data used cause a part of the difference, but allocative
and evaluative discrimination may exist as well.
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