StartseiteE-Mail an die Redaktion

Jahrgang 35, Heft 4, August 2006 / Volume 35, Number 4, August 2006

 

Kritik der Gesellschaft?
Anschlüsse bei Luhmann und Foucault

Criticism of Society?
Notes on Luhmann and Foucault

Gunther Gebhard
Hechtstr. 6, D-01097 Dresden. E-mail: ddgun@yahoo.com
Stefan Meißner
Fichtenstr. 13, D-01097 Dresden. E-mail: stefan.c.meissner@gmx.de
Steffen Schröter
Bischofsweg 7, D-.01097 Dresden. E-mail: paintinglazylines@yahoo.de

Zusammenfassung: Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie (Gesellschafts-)Kritik nach der Entdeckung der Kontingenz normativer Prämissen noch möglich ist. Die Ausgangsbeobachtung rekurriert auf Mannheim und dessen wissenssoziologische Einsicht, dass das jeweilige Denken (und mithin auch das eigene) abhängig ist von bestimmten historisch-sozialen Bedingungen. Damit werden die jeweiligen Geltungs- und letztendlichen Wahrheitsansprüche unterlaufen. Kritikkonzepte, die nicht hinter diese Einsicht zurückfallen wollen, müssen dem entsprechend die Kontingenz des eigenen Denkens einrechnen. Zwei Möglichkeiten einer solchen Kritik werden anhand der Konzeptualisierungen von Niklas Luhmann und Michel Foucault ausgeführt. Vor dem Hintergrund der jeweiligen Fassung von Aufklärung – an der beide als Konzept festhalten – wird gezeigt, dass Kritik bei Luhmann nicht mehr als Suche nach der anderen Gesellschaft, sondern – als Voraussetzung für eine ‚abgeklärte Aufklärung’ – als Aufmerksamkeitsverschiebung innerhalb der Gesellschaft gedacht ist. Bei Foucault dagegen wird Kritik – als Vollzug seines aufklärerischen Programms – als permanente experimentelle Alternierung von Denkmöglichkeiten konzipiert. Bei beiden zeigt sich als Konsequenz der Theorieanlage, welche die Einsicht in die Kontingenz des eigenen Denkens einrechnet, dass (kritische) Theorien nicht mehr über sich selbst entscheiden.

Summary: The aim of this essay is to discuss in what way criticism (of society) is possible after the discovery of the contingency of normative premises. Its point of departure is the insight of Mannheim’s Sociology of Knowledge that all thought (each author’s own included) depends on specific historical and social conditions. In this respect all claims of validity and truth are undermined. Accordingly, if concepts of criticism are not to fall back behind this insight, they have to be considered under the aspect of their own contingency. Two possibilities of such criticism are discussed on the base of conceptualizations of Niklas Luhmann and of Michel Foucault. Against the background of these two versions of enlightenment, a concept which they both accept, it is shown that for Luhmann criticism no longer means a search for the other society but – as a precondition for “abgeklärte Aufklärung” [“clarified enlightenment”] – is conceived of as a shift of attention within society. In contrast, Foucault’s criticism – as the performance of his program of enlightenment – is conceptualized as a permanently experimental alteration of possibilities of thinking. As a consequence of both theoretical conditions, which integrate contingency in their concepts, it becomes obvious that (critical) theories can no longer about themselves.

  Heftübersicht


Informationen  |  Hinweise für Autoren  |  Impressum  |  Abonnement  |  Heftarchiv

aktualisiert am 27.07.2006       http://www.uni-bielefeld.de/soz/zfs/

www.luciusverlag.com Universität Bielefeld Fakultät für Soziologie