Jugendliche ausländischer Herkunft beim Übergang in
die Berufsausbildung: Vom Wollen, Können und Dürfen
Young Adults with Immigrant Background and their Transition to
the German System of Vocational Training. The Role of Preferences,
Resources, and Opportunities
Claudia Diehl
Institut für Soziologie, Universität Göttingen,
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen, Germany
E-Mail: cdiehl@uni-goettingen.de
Michael Friedrich und Anja Hall
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich „Qualifikation,
berufliche Integration und Erwerbstätigkeit", Robert-Schuman-Platz
3, 53175 Bonn, Germany
E-Mail: friedrich@bibb.de; hall@bibb.de
Zusammenfassung: Anhand gepoolter Datensätze
dreier Schulabgängerbefragungen des Bundesinstituts für
Berufsbildung (BIBB) wird der Frage nach dem Grad und den Ursachen
der Benachteiligung Jugendlicher ausländischer Herkunft beim
Zugang zu Ausbildungsplätzen nachgegangen. Es wird untersucht,
welche Rolle folgende Unterschiede zwischen Ausbildungsplatzsuchenden
deutscher und ausländischer Herkunft spielen: ihre Präferenzen
für eine bestimmte berufliche Ausbildung, ihre Ausstattung
mit arbeitsmarktrelevanten Ressourcen sowie ihnen offen stehende
Opportunitäten auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Dabei zeigt
sich erstens, dass vor allem männliche Jugendliche ausländischer
Herkunft deutlich geringere Chancen haben, einen Ausbildungsplatz
zu finden, als Jugendliche deutscher Herkunft. Dies gilt weitgehend
unabhängig davon, welchen Wunschberuf sie verfolgen, welchen
Schulabschluss sie besitzen und welche Erstsprache sie gelernt
haben. Auch Unterschiede in ihren Suchstrategien nach einem Ausbildungsplatz
scheinen wenig zur Erklärung dieses Phänomens beizutragen,
zumal diese bei den Gruppen kaum differieren. Die Analysen belegen
zweitens, dass selbst diejenigen Jugendlichen ausländischer
Herkunft, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, nur halb
so oft in ihrem „Wunschberuf“ ausgebildet werden wie
deutsche Jugendliche. Nicht zuletzt der starke Unterschied zwischen
Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund spricht dafür,
dass Diskriminierungsprozesse seitens der Arbeitgeber bei der
Vergabe von Ausbildungsplätzen möglicherweise eine größere
Rolle spielen als bei anderen Dimensionen der Arbeitsmarktintegration.
Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit Spezifika des Ausbildungsstellenmarktes,
der durch eine vergleichsweise geringe Produktivität der
Ausbildungsplatzsuchenden und eine Knappheit an Ausbildungsplätzen
gekennzeichnet ist.
Summary: In this article, we examine the extent
and the causes of ethnic inequalities in access to apprenticeship
training positions within the German system of vocational training.
Analyses are based on pooled data from three surveys of high school
graduates conducted at the German Federal Institute for Vocational
Education and Training (BIBB). The role of the following differences
between German and applicants with an immigrant background for
vocational training positions is analyzed: their preferences for
certain occupational fields, their endowment with resources relevant
to the integration of the individual in the labor market, and
the opportunities available in the vocational training market.
We can show, first, that the chances of finding a vocational training
position are substantially lower for young – especially
male – adults with an immigrant background even if their
occupational preferences, their human capital endowment, and their
first language are taken into account. Furthermore, there is no
evidence that German and immigrant background youths differ substantially
in terms of their job-search strategies. Our analyses show, secondly,
that even those immigrant background youths who did manage to
find a vocational training position are only half as likely as
young Germans to be trained in their preferred occupational field.
The large gender differences within the immigrant background group
in particular suggest that ethnic discrimination processes on
the part of potential employers may play a more important role
in explaining ethnic inequalities in the access to vocational
training positions than in other dimensions of labor market integration.
This is probably related to specificities in those vocational
training sectors that are characterized by a comparatively low
productivity of applicants and by a shortage of vocational training
positions.