StartseiteE-Mail an die Redaktion

Jahrgang 38, Heft 1, Februar 2009 / Volume 38, Number 1, February 2009

Jugendliche ausländischer Herkunft beim Übergang in die Berufsausbildung: Vom Wollen, Können und Dürfen


Young Adults with Immigrant Background and their Transition to the German System of Vocational Training. The Role of Preferences, Resources, and Opportunities

Claudia Diehl
Institut für Soziologie, Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen, Germany
E-Mail: cdiehl@uni-goettingen.de

Michael Friedrich und Anja Hall
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich „Qualifikation, berufliche Integration und Erwerbstätigkeit", Robert-Schuman-Platz 3, 53175 Bonn, Germany
E-Mail: friedrich@bibb.de; hall@bibb.de

Zusammenfassung: Anhand gepoolter Datensätze dreier Schulabgängerbefragungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wird der Frage nach dem Grad und den Ursachen der Benachteiligung Jugendlicher ausländischer Herkunft beim Zugang zu Ausbildungsplätzen nachgegangen. Es wird untersucht, welche Rolle folgende Unterschiede zwischen Ausbildungsplatzsuchenden deutscher und ausländischer Herkunft spielen: ihre Präferenzen für eine bestimmte berufliche Ausbildung, ihre Ausstattung mit arbeitsmarktrelevanten Ressourcen sowie ihnen offen stehende Opportunitäten auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Dabei zeigt sich erstens, dass vor allem männliche Jugendliche ausländischer Herkunft deutlich geringere Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, als Jugendliche deutscher Herkunft. Dies gilt weitgehend unabhängig davon, welchen Wunschberuf sie verfolgen, welchen Schulabschluss sie besitzen und welche Erstsprache sie gelernt haben. Auch Unterschiede in ihren Suchstrategien nach einem Ausbildungsplatz scheinen wenig zur Erklärung dieses Phänomens beizutragen, zumal diese bei den Gruppen kaum differieren. Die Analysen belegen zweitens, dass selbst diejenigen Jugendlichen ausländischer Herkunft, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, nur halb so oft in ihrem „Wunschberuf“ ausgebildet werden wie deutsche Jugendliche. Nicht zuletzt der starke Unterschied zwischen Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund spricht dafür, dass Diskriminierungsprozesse seitens der Arbeitgeber bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen möglicherweise eine größere Rolle spielen als bei anderen Dimensionen der Arbeitsmarktintegration. Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit Spezifika des Ausbildungsstellenmarktes, der durch eine vergleichsweise geringe Produktivität der Ausbildungsplatzsuchenden und eine Knappheit an Ausbildungsplätzen gekennzeichnet ist.

Summary: In this article, we examine the extent and the causes of ethnic inequalities in access to apprenticeship training positions within the German system of vocational training. Analyses are based on pooled data from three surveys of high school graduates conducted at the German Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB). The role of the following differences between German and applicants with an immigrant background for vocational training positions is analyzed: their preferences for certain occupational fields, their endowment with resources relevant to the integration of the individual in the labor market, and the opportunities available in the vocational training market. We can show, first, that the chances of finding a vocational training position are substantially lower for young – especially male – adults with an immigrant background even if their occupational preferences, their human capital endowment, and their first language are taken into account. Furthermore, there is no evidence that German and immigrant background youths differ substantially in terms of their job-search strategies. Our analyses show, secondly, that even those immigrant background youths who did manage to find a vocational training position are only half as likely as young Germans to be trained in their preferred occupational field. The large gender differences within the immigrant background group in particular suggest that ethnic discrimination processes on the part of potential employers may play a more important role in explaining ethnic inequalities in the access to vocational training positions than in other dimensions of labor market integration. This is probably related to specificities in those vocational training sectors that are characterized by a comparatively low productivity of applicants and by a shortage of vocational training positions.



 

  Heftübersicht


Informationen  |  Hinweise für Autoren  |  Impressum  |  Abonnement  |  Heftarchiv

aktualisiert am 15.01.2009       http://www.uni-bielefeld.de/soz/zfs/

www.luciusverlag.com Universität Bielefeld Fakultät für Soziologie