Sektion Soziale Probleme und soziale Kontrolle

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Soziale Probleme

 

  

Soziale Probleme

Zeitschrift für soziale Probleme und soziale Kontrolle

 

 

Gewaltbereitschaft und Gewalthandeln
von Mädchen und jungen Frauen im jugendgruppenspezifischen Umfeld

 

 

von Svendy Wittmann

 

13. Jahrgang 2002, Heft 1, S. 10-25

Zusammenfassung

Der Artikel stellt ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung über gewaltauffällige gemischtgeschlechtliche und Mädchengruppen dar. Themen sind: Einstellung zu Gewalt, Gewaltbereitschaft, Gewaltanwendung und Rolle von Mädchen in den Jugendgruppen. Gezeigt wird, dass gewalttätige Auseinandersetzungen für weibliche Gruppenangehörige in gewaltbereiten Jugendgruppen häufige Formen der Konfliktlösung bzw. der Abwehr sind. Motiviert sind sie überwiegend durch den Wunsch nach Anerkennung und Selbstwirksamkeit sowie durch Machtansprüche. Entgegen vorliegender Forschungsbefunde belegen die dargestellten Ergebnisse, dass weibliche Jugendliche in Jugendgruppen nicht immer eine Randstellung einnehmen. Statushohe gewaltbereite Mädchen üben in den Gruppen einen gewaltfördernden Einfluss insbesondere auf andere weibliche Jugendliche aus, und die Statuszuweisung über Gewaltbereitschaft verstärkt bei den Gruppenmitgliedern die Gewaltneigung. Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit werden weder von den gewaltbereiten Mädchen noch von ihren Cliquen als „unweiblich“ etikettiert, sie bilden vielmehr einen integralen Bestandteil eines Weiblichkeitskonzepts, das sich gegen herkömmliche Geschlechterstereotypen abgrenzt. Die Ergebnisse führen zur Forderung nach einer geschlechterdifferenzierten Gewaltprävention.

 

Schlüsselbegriffe:    Mädchengewalt – Gewaltbereitschaft – weiblichkeit – Gewalt – Peer-Group – Jugendgewalt

 

Abstract

Proneness to Violence and Violent Behaviour of Girls and
Young Women in Peer-Groups

 

The article presents qualitative research findings on youth gangs with female and male members, and girl gangs orientated toward violent behaviour. It focuses on their attitudes towards violence and discusses the role of girls in gangs. These girls solve interpersonal conflicts with non-group members by violent means and they engage in offensive attacks. Their aggressive attitude and violent behaviour are motivated by their wish to be accepted, and by striving for power and identity. In contrast to most results of sociological research about gangs, the girls in the groups attained a high position. They influence violent attitudes and behaviour of their female peers in the gang. The fact that status is achieved through violent behaviour and attitudes encourages girls to act accordingly. To act violently or engage in violent actions is not defined as unfeminine, but it is rather part of a concept of femininity that turns away from traditional stereotypes of female behaviour. In conclusion gender differentiated prevention against violence is suggested. 

 

Keywords:    violence of femal juveniles – proneness to violence – femininity –peer‑group – youth violence

 

 

Kontakt:  soziale.probleme@uni-bielefeld.de

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Letzte Änderungen: 29. August 2002

Axel Groenemeyer