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Soziale ProblemeZeitschrift für soziale Probleme und soziale Kontrolle
Editorial
Redaktion (seit 13. Jahrgang 2002)
Kontakt: soziale.probleme@uni-bielefeld.de
Die Zeitschrift „Soziale Probleme“, die seit 1990 halbjährlich erscheint, hat sich zum Ziel gesetzt, zu einem zentralen Diskussionsforum der sozialwissenschaftlichen Forschung über soziale Probleme zu werden. Seit dem 13. Jahrgang, 2002 wird die Soziale Probleme als Peer-Review Zeitschrift herausgegeben, d.h. die eingereichten Manuskripte werden in anonymisierter Form von mindestens zwei Fachkolleginnen und Fachkollegen begutachtet. Mit ihrer Gründung verbindet sich die Hoffnung, Voraussetzungen für einen Fortschritt in der theoretischen und empirischen Analyse sozialer Probleme zu schaffen und damit die Konsolidierung einer eigenständigen Forschungsdisziplin zu ermöglichen. Im deutschsprachigen Raum erscheinen einschlägige Arbeiten über soziale Probleme entweder sehr vereinzelt und verstreut innerhalb der diversen Fachzeitschriften, oder aber sie bilden im Kontext spezialisierter Publikationsorgane (etwa der Kriminologie) „Fremdkörper“, die nicht geeignet sind, einen fortlaufenden wissenschaftlichen Diskurs anzuregen. Darüber hinaus wird bei einigen Fachzeitschriften das Kriterium des Praxis- bzw. Anwendungsbezugs so streng ausgelegt, daß theoretische und grundlagenorientierte Arbeiten über soziale Probleme kaum Publikationschancen haben. Wichtige theoretische und empirische Fortschritte lassen sich in der Soziologie sozialer Probleme aber nur erzielen, wenn die theoretische Perspektive problemübergreifend angelegt ist und sie auch die kausalen Zusammenhänge zwischen verschiedenen sozialen Problemen im Auge behält. Aus diesem Grund erscheint es dringend geboten, die gegenwärtige Spezialisierung der Publikationsorgane insofern zu korrigieren, als in Zukunft soziale Probleme nicht mehr in unterschiedliche „Zuständigkeiten“ bestimmter Disziplinen und Praxisbereiche fallen, sondern in ihrer ganzen Bandbreite in einem Organ thematisiert werden. Sowohl der gesellschaftliche Kontext sozialer Probleme als auch die jeweiligen Beziehungen zwischen ihnen sollen deutlicher erkennbar werden. Erklärtes Ziel der Zeitschrift ist es daher, gerade auf die Breite des Gegenstandes besonderen Bezug zu nehmen. Selbstverständlich begibt sie sich damit nicht zuletzt auch in die Nähe von Ökonomie, Rechtswissenschaft, Medizin, Psychiatrie und anderen Disziplinen, die sich mit sozialen Problemen befassen und im Rahmen eines interdisziplinären Diskurses nicht ausgespart werden können. Daß in der sozialwissenschaftlichen Fachöffentlichkeit und in der Öffentlichkeit insgesamt Interesse an einem Organ dieser Art besteht, läßt sich daran ablesen, daß beispielsweise in den USA mit „Social Problems“ eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Zeitschrift existiert. Durch Fokussierung der laufenden Diskussionen hat sie einen ganz entscheidenden Fortschritt in der wissenschaftlichen Analyse sozialer Probleme bewirken können. Die hier neugegründete Zeitschrift präsentiert Ergebnisse und Wege der Beschäftigung mit Ursachen, Verlauf, Entdeckung, Auswirkungen und Kontrolle sozialer Probleme. Die Herausgeber wünschen sich Beiträge vor allem zu den folgenden Themenbereichen: Besonderen Wert legen die Herausgeber darauf, daß die Zeitschrift für das gesamte Spektrum sozialwissenschaftlicher Theorierichtungen offen ist. Ferner betonen sie, daß auch in bezug auf das Empirieverständnis Pluralismus Programm ist. Darüber hinaus sind die Herausgeber um ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischen und empirischen Beiträgen bemüht. Die Entwicklung unserer Zeitschrift ruht auf einer relativ schmalen
sachlichen und personellen Grundlage. Das fordert von uns, den Herausgebern,
ein entsprechend hohes Maß an Einsatz und Ausdauer. Von der künftigen
Leserschaft erhoffen wir uns Geduld, Verständnis für die am Beginn
einer neuen Zeitschrift vermutlich nicht ganz zu vermeidenden Mängel
und Bereitschaft, negative wie positive Eindrücke mitzuteilen. Äußerst
wichtig für den Erfolg der Zeitschrift wird sein, daß Autoren
und Herausgeber zusammenfinden. Wir bitten die vielen, die unserer Meinung
nach derzeit wissenschaftlich interessante Beiträge zur Problemforschung
leisten, mit ihren Texten oder Ideen auf uns zuzukommen. Wir werden soviel
wie möglich davon aufgreifen; zu allem aber zumindest Stellung nehmen.
Im Oktober 1990
Die Herausgeber
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Letzte Änderungen: 29. August 2002 |