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Leseproben
SozSys 5 (1999), H.1

 
Soziale Systeme 5 (1999), H.1, S. 41-54

Wie der Überfluß flüssig wurde.
Zur Geschichte und zur Zukunft der knappen Ressourcen
Michael Hutter

Zusammenfassung: Die Selbstausgrenzung der Wirtschaft ist entscheidend abhängig von der internen Installation des Paradoxes der Knappheit. Das Verständnis der Knappheit ist, das ist die erste These dieses Beitrags, selbst Ergebnis einer historischen Entwicklung, in der Knappheit ihrerseits durch die Unterscheidung vom Überfluß konstituiert wurde. Nachdem Knappheit im Wirtschaftssystem verankert geworden war, tauchte der Überfluß an der Außenseite des Systems in Form der "flüssigen" Ressourcen auf. Im Verlauf der Geschichte wurde die Eigenschaft, Ressource, also Quelle wirtschaftlichen "Mehrwerts" zu sein, unterschiedlich konstituierten selbstreproduzierenden Systemen in der Umwelt der Wirtschaft zugeschrieben. Zukünftig, das ist die zweite These des Beitrags, werden andere Kommunikationssysteme den größten Teil der knappen Ressourcen ausmachen. Die allen Kommunikationssystemen gemeinsame Ereignisstruktur wird zu neuen Selbstausgrenzungsformen der Wirtschaft führen.

        1. Zwei Thesen

Die systemtheoretische Rekonstruktion der Wirtschaft zeichnet sich dadurch aus, daß sie die Wirtschaft als ein sich selbst reproduzierendes und sich so aus dem Rest der Kommunikationsereignisse ausgrenzendes Kommunikationssystem beobachtet. Mithilfe der Systemtheorie müßte man also in der Lage sein, die Geschichte der Wirtschaft als eine Geschichte ihrer Selbstausgrenzung durch interne Differenzierung zu rekonstruieren.

Derartige Beobachtungen sind nicht einfach. Wenn man nach Beispielen für ausgegrenzte Zahlungsereignisse sucht, dann fallen zwar schon in archaischen Gesellschaften örtlich und zeitlich markierte Tausch und Handelsereignisse auf. Offenbar wurde dort in einer bestimmten, von der Umwelt der Ereignisse verschiedenen Weise kommuniziert. Aber solche Märkte tauchten auf und verschwanden dann wieder. Erst in der Neuzeit löste sich die Vorstellung der Marktwirtschaft von diesen physisch bestimmten Ereignissen und begann die gesamte Klasse von Kommunikationen zu umfassen, die die Eigenschaft einer bestimmten Codierung aufweisen. Sie machte zunehmend die Transaktionsereignisse zu Elementen eines Systems, das sich durch die Eigenart seiner Ereignisse ständig reproduziert. Diese Eigenart lag einerseits in den verwendeten Zahlungsformen, ausgedrückt in immer stärker selbstreferentiell produzierten Zahlungsmedien, aber auch in der Eigenart der Fremdreferenz, mit der im System auf die eigene Umwelt Bezug genommen wurde. Dafür setzte sich im 19. Jahrhundert die Rede von den "knappen Ressourcen" durch.

Die Codierung der Wirtschaft, das hat Luhmann (1988, 179) ausführlich entwickelt, beruht auf dem Paradox der Knappheit: "Knappheit ist … ein paradoxes Problem. Der Zugriff schafft das, was er beseitigen will." Dieses Paradox generiert, im ständigen Hin- und Herspringen zwischen Zugriff und NichtZugriff, einen endlosen Strom der Kommunikationsereignisse im System selbst (Hutter 1989, 31). Die Unterscheidung zwischen Haben und NichtHaben und zwischen Zahlung und NichtZahlung, die gängigerweise als Codierungen der Wirtschaft beobachtet werden, beruhen ihrerseits auf der Kommunizierbarkeit einer sozial konstruierten Eigenschaft, die wir Knappheit nennen.

Diese Eigenschaft ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist, das ist die erste These dieses Beitrags, selbst Ergebnis einer Entwicklung, in der Knappheit ihrerseits durch die Unterscheidung vom Überfluß konstituiert wurde(1). Nachdem Knappheit zur konstituierenden Eigenschaft im Wirtschaftssystem geworden war, tauchte der Überfluß an der Außenseite des Systems in Form der "flüssigen" Ressourcen auf. Im Verlauf der Geschichte wurde die Eigenschaft, Ressource, also Quelle wirtschaftlichen "Mehrwerts" zu sein, unterschiedlich konstituierten Systemen in der Umwelt der Wirtschaft zugeschrieben. Zukünftig, das ist die zweite These des Beitrags, werden andere Kommunikationssysteme den größten Teil der knappen Ressourcen ausmachen. Die allen Kommunikationssystemen gemeinsame Ereignisstruktur wird zu neuen Selbstausgrenzungsformen der Wirtschaft führen.

        2. Von der Hausversorgung zum Marktüberfluß

Die Geschichte der Selbstversorgung der Gesellschaft reicht mit ihren Anfängen ins Dunkel der Frühgeschichte zurück. Die folgenden Anmerkungen sollen einen Eindruck von der Langsamkeit und der evolutionären Kontingenz dieses Prozesses vermitteln.

Archaische, segmentär differenzierte Gesellschaften bewältigten ihre Versorgung in einer gemeinschaftlichen, reziprok organisierten Form. Der Clan oder Stamm folgte den klimatischen und nahrungsbezogenen Veränderungen seiner Umwelt, die stationäre Dorf- oder Hofwirtschaft wurde um die Aktivitäten zur Nahrungsproduktion herum organisiert. Versorgung war etwas, an dem alle Mitglieder der Gemeinschaft beteiligt waren. Das galt auch noch für komplexere Gesellschaften, in denen einzelne Häuptlinge oder Könige die politische Führung beanspruchten. Bis in die Neuzeit hinein behielt deshalb die aristotelische Lehre von der oikonomia, der Hauswirtschaft, ihre Anwendbarkeit. Noch die Fürsten der Renaissance, selbst die des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sahen sich in der Rolle des zentralen Herrschers, dessen Rolle die Versorgung des Gemeinwesens ist (Guerzoni 1999).

Handel kam in dieser Welt im wörtlichen Sinn peripher vor. Seit der Steinzeit hatte es einige Güter gegeben, von Obsidianschneiden bis zu Salzplatten, die im Fernhandel über riesige Entfernungen hin getauscht wurden. Die erste Intensivierung der Versorgung durch lokalen Handel entstand im griechischen Archipel. Der Handel war auch in Griechenland ein kurzfristiges, durch Privilegien und Rituale vom Rest der Gesellschaft isoliertes Ereignis gewesen. Beispielsweise war der Ort des Tausches durch einen Grenzstein, herm, als heiliger Ort markiert(2). Der Umfang des lokalen Handels stieg aber sprunghaft, als Münzformen in Umlauf kamen. Seit etwa 550 v. Chr. tauchten sie erst an der ionischen Küste und wenig später in Attika als lokal geprägte Silbermünzen auf. "Schlagartig", so schreibt Heichelheim, einer der besten Kenner der griechischen Wirtschaftsgeschichte, breitete sich die Münzwirtschaft aus. Ganz Griechenland wurde im Verlauf des 5. Jahrhunderts v. Chr. überzogen mit Münzstätten (Heichelheim 1931, 46). Am zentralen Finanzplatz Athen traten sogar schon ausdifferenzierte Bankformen und Zinsquotierungen auf.

Dennoch fand die griechische Variation keine evolutionäre Fortsetzung. Nach der Besetzung durch die Truppen der römischen Republik stagnierte und verkümmerte die griechische Wirtschaft. Die Erfindung der Silbermünze überlebte zwar, aber sie blieb in der römisch beherrschten Gesellschaft ein peripheres Kommunikationsmedium.

Die römische Form der Versorgung war nicht auf wirtschaftliche Sonderkommunikation angewiesen. Sie basierte auf geplantem Nahrungsmittelanbau und politischmilitärisch organisierter Verteilung an die Bevölkerung. Das gleiche Muster war seit den mesopotamischen Flußkulturen praktiziert worden. Die römische Variante erweiterte und verfeinerte es. Insbesondere die Verfahren der Konfliktlösung wurden durch neue Rechtsformen verbessert und flexibilisiert. Handel und Geldgebrauch begleiteten diese Versorgungsform, die es möglich und schließlich auch erforderlich machte, im Verlauf von 1000 Jahren große Teile Europas, Nordafrikas und Vorderasiens zu kolonisieren. Aber sie ergänzten die organisierte Verteilung nur, denn Handel und Geldgebrauch fanden wieder am Rande der Gesellschaft statt.

Neue Entwicklungen bahnten sich erst nach dem Zusammenbruch des römischen Kolonialreiches an. Im nördlichen Europa entstanden seit dem 7. Jahrhundert Formen der gesellschaftlichen Organisation, in denen einzelne Familien und Stämme über Lehensherrschaft an eine zentrale politische Instanz gekoppelt wurden. Gleichzeitig verwendeten verschiedene politisch differenzierte Gesellschaften die selbe christliche Heilsreligion. Die Unterscheidung zwischen religiöser und politischer Codierung ermöglichte eine Kombination zentralisierender und dezentralisierender Elemente, die in Gesellschaften mit einfacher Hierarchie nicht möglich gewesen war.

In dieser stärker dezentralisierten Staatenwelt tauchten seit dem 11. Jahrhundert jährlich wiederkehrende, auf wenige Tage und Orte beschränkte Messen und Märkte auf(3). Ereignisräume, in denen die unabhängigen Wertungen der Käufer und Verkäufer durch Friedenspflicht erlaubt waren, wurden aus der religiös normierten Zeit des Kirchenjahrs und aus der Territorialgewalt der Herrschaften herauspräpariert. Das geschah über die Vergabe von Privilegien, die dauernd ausgeweitet wurden, über die aktiven Anstrengungen von Gemeinden, sich als Marktveranstalter zu etablieren, über "wilde" Märkte an den Grenzen der Gemeinden, die mit der Zeit toleriert wurden, aber auch über die kognitiven Erwartungsstrukturen, die in der Bevölkerung entstanden. Innerhalb der Markt- und Messeplätze herrschte eine Freiheit und Offenheit, die sie von den religiösen und politischen Regeln der umgebenden Gesellschaft unterschied. Bis ins 17. Jahrhundert war der Marktplatz "an island in space and time, a threshold at which the antagonisms, reciprocities, and solidarities of a particular locality could be periodically confined and tempered into the social and cultural matrix of simple or small commodity production" (Agnew 1986, 39).

So hatte sich in einem Jahrtausende dauernden Prozeß aus der Ordnung von Religion und Politik eine Zone ausgegrenzt, in der nicht mehr alles an seinem Platz war. Mit dem Markt war ein Ort entstanden, an dem Werte auftauchen konnten, die nicht in der Kosmologie schon angelegt waren. Mit den Märkten war ein zweites Versorgungsprinzip an die Seite der Verteilung durch die "Magnifizenz" und die "Munifizenz" des Fürsten getreten. Nicht nur durch die Herrscher wurden neue Werte generiert, sondern auch durch die ausgegrenzten, peripheren, temporären Märkte. Bei Beginn des 17. Jahrhunderts war ganz Europa von lokalisierten Märkten durchzogen(4).

Soviel, in aller Kürze, zur Beobachtung der sich ausgrenzenden Marktereignisse. Wie aber wurde dieser Prozeß von den Beteiligten selbst beschrieben und damit kommunikativ faßbar (und damit für spätere Generationen beobachtbar) gemacht?

Die Beobachtung, daß nicht mehr alles an seinem Platz war, fand ihren Ausdruck im Begriff des Überflusses. Der Überfluß ist die Erfahrung der "Fülle" und "Reichlichkeit", die vordem nur in der Macht der Fürsten gestanden war. Der Überfluß wurde begreifbar gemacht durch Bilder und Umschreibungen. Ein Beispiel ist die allegorische Figur der Abbondanza, die, ausgestattet mit ihrem Füllhorn, mediterrane Marktplätze zierte. Ein anderes Beispiel ist der Doppelbegriff "power and plenty", den englische Traktate noch im 17. Jahrhundert als Zielbeschreibung der Wirtschaftspolitik verwendeten (Viner 1969).

Wir kommen nun zum Auftauchen der Rede von der Knappheit. Das Wachstum der Märkte in der frühen Neuzeit hing vor allem ab von der Entwicklung der Geldmedien, mit denen die Zahlungen der Markttransaktionen ermöglicht und erleichtert wurden. Die Verfügbarkeit von Münzen, in der Regel Silbermünzen, und die Verfügbarkeit von Kreditinstrumenten wie Schuldscheinen oder Handelswechseln bestimmte das Ausmaß, in dem sich Einzelne an den Märkten beteiligen konnten. An diesem Punkt zeigte sich "eines der Grundprobleme des Lebens im frühneuzeitlichen Europa. Während des 16. und 17. Jahrhunderts wurde Geld für eine rasch zunehmende Zahl von Leuten von größter Wichtigkeit, doch gleichzeitig wurde Bargeld äußerst knapp" (Parker 1983, 335).

Es war also zuerst Geld, von dem man sagte, daß es "knapp" sei(5). Klagen über Münzknappheit und Geldmangel nahmen in den Aufzeichnungen von Kaufleuten und Ministern dieser Epoche breiten Raum ein. Jeder Finanzplatz litt immer wieder unter vorübergehender Geldlosigkeit, was Unannehmlichkeiten, Panikreaktionen und zuweilen den Bankrott bedeutete(6). An diesem Phänomen änderte auch nichts, daß von 1500-1650 an die 200 Tonnen Gold und über 17.000 Tonnen Silber aus Amerika in Spanien eintrafen. Im Gegenteil, das gestiegene Münzvolumen stimulierte noch mehr Handel, sodaß sich die Dimensionen der Diskrepanz zwischen Geld- und gewünschtem Handelsvolumen vergrößerten.

Aus diesen Beobachtungen läßt sich folgender Zwischenschluß ziehen: Das Herauspräparieren kleiner, ephemerer wirtschaftlicher Sphären, begehbar in Markt- und Messeplätzen oder personifiziert in Kaufleuten und ihren Gilden, führte zur zunehmenden Verwendung des Metallgelds, also eines speziell für Zahlungszwecke geschaffenen Mediums. Dieses Medium entstand, logisch gesehen, im Inneren des Kommunikationssystems, denn dort wurden Geldzahlungen hauptsächlich verwendet. Für die Teilnehmer erschien das Medium aber als eine äußere, das Zahlungssystem umgebende Schicht, vergleichbar der Erdatmosphäre, die auch die Erde umgibt, dennoch in ihr, und zwar in ihren organischen Prozessen, entstanden ist. Es erschien also als äußere Umwelt, was eigentlich innere Umwelt der sich ausdifferenzierenden Wirtschaft war.

In dieser "Geldatmosphäre" tauchte die Referenz auf eine Eigenschaft auf, die den Beschreibungen nach erst als ein Mangel beliebiger Gegenstände wahrgenommen wurde: Knappheit bedeutete eine dem Zugriff entzogene materielle Menge an Edelmetall. Die Eigenschaft bezog sich aber auf Objekte, die einerseits materiell, andererseits aber Bestandteile eines Verständigungsmediums waren. Diese zweifache Bedeutung unterscheidet den Mangel von der Knappheit. Das Fehlen der Geldstücke ist anders als das Fehlen eines Nahrungsmittels oder einer Stoffsorte, es wirkt sich nämlich auf das gesamte eigene Handeln aus. Darin lag die Ambiguität, die die "falsche" Begriffsverwendung zur evolutionär erfolgreichen Variante der Wirtschaftsreproduktion werden ließ. Die psychische Erfahrung(7) des Mangels und der Entbehrung wurde erfolgreich übertragen auf die Erfahrung eines kommunikativ konstruierten Mediums, das zeitweise knapp geworden war. So konnte die selbstgenerierte Verständigung über die neue Eigenschaft gelingen: an der Knappheit der Geldmünzen lernte die europäische Gesellschaft, wie die Eigenschaft der Knappheit kommunikativ verwendet wird.

        3. Vom Überfluß zum Fluß der Ressourcen

Die Reaktion auf die dauernden Metallgeldknappheiten bestand in einem Schwall von neuen Kreditgeldformen:

Die frühe Neuzeit verzeichnete eine beispiellose Zunahme in der Verwendung verschiedenster Kreditformen: ungesicherte und gesicherte Darlehen, Pfandleihe, Schuldscheine, Zahlungsanweisungen, Bankgeld, Papiergeld und übertragbare Wertpapiere - aller dieser bediente man sich in steigendem Maße, um die Verwendung von Edelmetallen zu vermeiden. (Parker 1983, 338)

Der "Industriellen Revolution", so urteilen die Wirtschaftshistoriker, ging die "Revolution der Finanzmedien" voraus.

Die Expansion der Kreditformen darf man sich aber nicht als größer werdendes Volumen von Objekten, wie bei den Silbermünzen, vorstellen. Kreditformen sind Schuldformen, und Schuldformen sind auf Personen zugerechnete Zahlungserwartungen, die - zumindest in den Formen seit der frühen Neuzeit - durch starke rechtliche Sanktionen gestützt wurden. Die eigentliche Neuerung bestand darin, daß sich Personen, die das Geldwechselgeschäft betrieben, in Netzwerken zu organisieren begannen: als Netz der oberitalienischen Bank- und Handelshäuser, als Netz der Gesellschafter der Bank von Amsterdam, als Netz der englischen goldsmith banks, und so fort. In diesen Netzwerken konnten Kreditrisiken und -laufzeiten verteilt werden(8). Der folgenreichste Schritt in der Evolution des Bankennetzes war vermutlich die erfolgreiche Einführung der Banknoten der (privaten!) Bank of England. Begünstigt durch eine vom Parlament selbst verfügte Münzknappheit(9) erreichte diese Bank die Akzeptanz von Banknoten, deren Kreditwürdigkeit auf das gesamte, nicht näher präzisierte Steueraufkommen der Krone bezogen war (Hutter 1993). Damit war eine Form gefunden, in der "öffentlicher Kredit" als Quelle für Zahlungsversprechen verwendet werden konnte. Als diese Kreditform dann auch noch 1720 die South Sea Bubble-Krise überstand, hatte die Kreditkommunikation in Europa eine neue Struktur gefunden. Die Unterscheidung zwischen der Fülle des Souveräns und dem Mangel des Subjekts war ersetzt durch die Unterscheidung zwischen öffentlicher und privater Versorgung. Der Souverän begann, sich von der Aufgabe der Versorgungskoordination zurückzuziehen(10). Er beschränkte sich auf zunehmend indirekte Steuerung und auf die öffentliche Versorgung mit einem Geldmedium, das dem privaten Handel zur Verfügung gestellt wird. Das zweistufige, aus der statlichen Zentralbank und den privaten Geschäftsbanken bestehende Bankensystem wird dann im 19. Jahrhundert den vorläufigen Abschluß dieser Entwicklung markieren.

So wuchs in der Wirtschaftskomunikation der Anteil der über Versprechen und Erwartungen geschöpften Elemente des Mediums gegenüber den physisch vorhandenen Elementen. Die notwendige Knappheit des Mediums wurde künstlich erschaffen und gesichert. Nun wurde erfahrbar, daß Geldknappheit nicht eine äußere, sondern eine innere Bedingung von Zahlungen ist, ständig reproduziert vom Netzwerk der Bankenorganisationen(11). Diese Virtualisierung des Geldmedium machte Angst. Bis in unser Jahrhundert erzeugt der Gedanke, daß sich der ständige Fluß an verfügbaren Geldmitteln allein einem Geflecht gegenseitiger Zahlungsversprechungen verdankt, Schwindelgefühle(12).

Die Internalisierung der Geldreproduktion ging einher mit der Lösung des Marktbegriffes von raumzeitlich bestimmten Ereignissen. Jetzt wurde er für alle Akte des Kaufens und Verkaufens von Gütern anhand von Geldpreisen verwendet. Der Markt bezeichnete eine bestimmte Art der gesellschaftlichen Verständigung, die sich spezifischer Kriterien bediente, um die Versorgungsrelevanz bestimmter Güter festzustellen. Ein "new and boundless silent trade" (Agnew 1986, 50) (13) etablierte sich, der die Zwischenräume zwischen den Märkten und Messen ausfüllte. Die Geldversorgung durch das Bankennetzwerk stattete alle gehandelten Güter mit Geldpreisen aus. So wurde auch ihnen die Eigenschaft zugeschrieben, die vormals nur am Medium der Verständigung über ihren Tauschwert beobachtet wurde, denn Zahlungsoperationen kommunizieren durch die Geldverwendung immer die Knappheitsunterscheidung mit.

Nicht Haushaltführung, sondern Handel war am Beginn des 18. Jahrhunderts zum paradigmatischen wirtschaftlichen Ereignis geworden. In der Haushaltswirtschaft endet der wirtschaftliche Impuls immer dann, wenn die Versorgung mit den angestrebten Gütern erreicht ist(14). In der Handelswirtschaft sind die Operationen dagegen zirkulär angelegt: Eine Menge an Geldmitteln wird in Waren, etwa die Schiffe und Geräte einer Handelsexpedition, umgetauscht. Die Waren produzieren neue Waren oder sie werden an einen anderen Raumzeitpunkt befördert, wo sie erneut in Geldkapital umgetauscht werden können. Der "Profitzirkel", in dem Zahlungsunfähigkeit neue Zahlungsfähigkeit erzeugt, treibt die wirtschaftlichen Operationen, nicht mehr der stationäre Bedarf der Haushalte(15).

Dieser Vorgang läßt sich in seiner Bedeutung für die Selbstausgrenzung der Wirtschaft besser verstehen, wenn wir unterscheidungstheoretische Kategorien verwenden. Die in der frühen Phase der Marktausgrenzung beobachtbare Unterscheidung war

Überfluß unmarked state

gewesen(16).

Der Wechsel von der Metall- zur Kreditgeldversorgung ließ die Knappheitserfahrung von einer Außen- zu einer Innenerfahrung der Märkte werden. Die neue Konstellation bedeutet eine Unterscheidung in der Unterscheidung und läßt sich

Überfluß Knappheit unmarked state

schreiben.

Das auf die Banken bezogene Kreditgeld verallgemeinerte die Märkte zum über Raum und Zeit vergleichbaren Phänomen. Das Verhältnis zwischen Verfügbarkeit und Begehren war in Geld meßbar geworden und konnte mit anderen Knappheitsverhältnissen verglichen werden kann. Die Knappheitserfahrung im universalisierten Markt führte zum Wechsel der Unterscheidung. Nach 1700 wurde

Knappheit Überfluß unmarked state

zur beobachteten Unterscheidung(17).

Wie wirkte sich das "Umklappen" der internen Unterscheidung aus? Wie läßt sich dieser Vorgang interpretieren?

Das Marktgeschehen war nun der Ort der Knappheit, auf alle anderen Operationen wurde Überfluß zugerechnet. Aber der Überfluß wurde in der neuen Interpretation zweideutig: Die Welt des Überflusses ist einerseits überflüssig, weil sie mit der Knappheitswertung nicht beschrieben werden kann. Sie kann andererseits flüssig gemacht werden, wenn Bestandteile dieser Wirtschaftsumwelt in eine Referenz, einen Bezug zur Knappheitsreferenz gebracht werden können. Das gelingt dann, wenn sie Teil einer Produktion werden, in der Objekte und Leistungen entstehen, die ihrerseits bezahlt werden, und die so den Zahlungsfähigkeits- oder Profit-Zirkel fortsetzen. Das Paradox ist internalisiert. Aus dem "Überfluß" wird "Reichtum", und damit ist der Begriff gefunden, der noch bis ins 19. Jahrhundert den Kern der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung von Wirtschaft markiert (Foucault 1971, 211f.).

Die begriffsgeschichtlichen Spuren des flüssig werdenen Überflusses folgen im wesentlichen zwei Strängen. Der eine verläuft über den Begriff der "Ressource". Der Überfluß wird als Ressource flüssig gemacht. Die Ressource unterscheidet sich von der "Source", der Quelle. Die Quelle bezeichnet - ähnlich dem Füllhorn - den Punkt, an dem Überfluß in die geordnete Welt der Gesellschaft eindringt. Die Resource ist eine domestizierte, in ihren Dimensionen der menschlichen Vorsorge unterworfene Quelle von Flüssigem. Seit 1750 wurde der Begriff der Ressource, im Einklang mit den historisch gegebenen Nutzungen, auf wechselnde Teile der Wirtschaftsumwelt angewendet. Von 1750 bis 1850 war der Boden mit seinen Früchten Quelle der wirtschaftlichen Wertschöpfung. Von 1800 bis 1900 trat die menschliche körperliche Arbeitskraft an seine Stelle. Im 20. Jahrhundert wurde erst Maschinenkapital, dann die Leistungsfähigkeit menschlicher Bewußtseine (Humankapital) zur primären Ressource. So werden die primären Ressourcen offenbar aus Systemen bezogen, die auf zunehmend voraussetzungsvolleren Emergenzniveaus operieren.

Die zweite Entwicklung verläuft über den Begriff des "surplus". Verschiedene Umweltbestandteile - Ressourcen im eben besprochenen Sinn - werden im Verlauf ihrer produktiven, also auf Zahlung gerichteten Verwendung des öfteren bewertet: als Getreide, als Mehl und als Brot beispielsweise. Die Differenzen zwischen den bezahlten Tauschwerten werden beobachtet und als "overplus", später als "surplus" bezeichnet. Der Überfluß wird so in der Form des Tauschwerts sogar quantifizierbar und im Konstrukt des Sozialprodukts aggregierbar.
Man sieht diesen beiden Beschreibungssträngen an, daß sie sich nicht auf Unterschiedliches, sondern auf je eine der beiden Seiten des Transaktionserereignisses beziehen. Die fremdreferentielle Ressource, die flüssig gemacht wird, ist die selbe, die auf der selbstreferentiellen Innenseite als monetär meßbare Wertveränderung oder "Mehrwert" auftaucht.

So spielte der Überfluß in verschiedenen Interpretationen noch eine wichtige Rolle in den Diskussionen des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert war davon kaum mehr die Rede. Die Einsicht, daß Wirtschaft über Knappheit kommuniziert und sich so vom Rest der Gesellschaft unterscheidet, brach sich Bahn. Wenn der Begriff auftauchte, dann eher im Zusammenhang mit Verschwendung, also einer Verwendung von Gütern, die bei anderer Entscheidung flüssig gemacht werden könnten. Dementsprechend erschien die Munifizenz barocker Fürsten in einem anderen Licht: deren Prachtentfaltung war nicht länger Symbol ihrer Versorgungskompetenz, sondern Zeichen ihrer Unfähigkeit, an der Knappheitskommunikation teilzunehmen. In jüngerer Zeit tritt dazu eine weitere Konnotation von Überfluß: Überfluß als etwas, das nicht notwendig oder gar lästig ist (Bude 1998). Das Lästige wird in die "Umwelt" verwiesen: Überflüssige Stoffe und Menschen liegen außerhalb der Unterscheidung zwischen Knappem und Flüssigem, mittels derer die Wirtschaft sich selbst reproduziert.

Damit ist die Entwicklung der Selbstausgrenzung der Wirtschaft keineswegs abgeschlossen. Evolutionäre Prozesse sind nie abgeschlossen, sie wechseln höchstens ihre Form. Der gegenwärtige Stand der Entwicklung ist der, daß Überfluß sich zwar in Form von "Umwelteffekten" bemerkbar macht, daß aber ansonsten die Unterscheidung zwischen knappen Zahlungen und flüssigen Ressourcen immer besser funktioniert. Das Bankennetz und die Finanzmärkte versorgen die Wirtschaft mit immer noch wachsender Leistungsfähigkeit. Geld- und Währungsmedien sind inzwischen weltweit institutionalisiert. Organisationen wie die BIZ, der IMF und die EZB koordinieren zwischen Währungsräumen. Die Börsenmärkte für Unternehmensanteile und Finanztitel bewegen sich täglich rund um den Erdball. Die Ressourcen, bislang noch eingebettet in Traditionen und staatliche Regeln, folgen den Zahlungsmöglichkeiten ohne Rücksicht auf territoriale und kulturelle Grenzen. Das Wirtschaftssystem hat begonnen, den schützenden und beschränkenden Rahmen nationalen Rechts und nationaler Gewalt zu sprengen. Die Wirtschaft wird zum eigentlichen globalen Spiel, innerhalb dessen sich politischnationale Systeme wie Inseln abheben werden. Die tiefgreifendste Veränderung wird von der Ausbreitung des globalen elektronischen Kommunikationsnetzes Internet ausgehen. Im Netz werden neue Formen von Zahlungsmitteln entstehen, die sich endgültig der territorialpolitischen Herrschaft entziehen (Hughes 1995). Die Wirtschaft entwickelt sich also nicht in Richtung einer stärkeren Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft, sondern in Richtung einer netzartigen Durchdringung der Gesellschaft mit Hilfe von Netzwerkgeldmedien und Bankennetzen.

Die kommunikative Vernetzung verändert auch die Fremdreferenz der Transaktionen. Die Kommunikationskanäle der one-way (Radio, TV, Video, Film) und der two-way (Telefon, Internet) - Medien werden ständig technisch verfeinert, sodaß sich immer größere Bevölkerungsgruppen am Senden und Empfangen immer komplexerer Informationen beteiligen können. Die neuen Kanäle füllen sich mit Inhalten. Die Inhalte müssen zwei Bedingungen erfüllen: sie müssen in digitalisierte Informationselemente auflösbar sein, und sie müssen als Mitteilungen verständlich sein. In der frühen Phase der Verwendung solcher Medien ging man davon aus, daß mit Hilfe der Kanäle äußere Wirklichkeit übertragen wird, etwa durch "Nachrichten" oder "Konzertübertragungen". Heute weiß man, daß Inhalte und Programme zu großen Teilen in den Kommunikationssystemen und ihren Organisationen unmittelbar erzeugt werden. So entsteht die neue Klasse der "Informationsgüter".

Daraus läßt sich die Vermutung ableiten, daß die Kommunikationssysteme in naher Zukunft an die erste Stelle unter den zu verflüssigenden Ressourcen rücken werden. Sie konstitutieren die Umwelt, gegen die sich das Kommunikationssystem Wirtschaft abgrenzen wird, indem es sich an sie koppelt. In den Kommunikationssystemen entsteht eminent Flüssiges, sogar digital Auflösbares, nämlich Information. Sie entsteht in Formen der Darstellung und Selbstdarstellung, zu Zwecken der Unterhaltung, der Wissensvermittlung, der Repräsentation usw.. Die Kommunikationssysteme liefern die knappen Ressourcen, aus denen Informationsgüter gefertigt werden: Game shows, Software, Werbekampagnen, online-Zeitungen, Auktionsveranstaltungen, Finanzdienste usw.

Die Wirtschaft der Zukunft wird also in der Lage sein, die Gesellschaft zunehmend mit derartigen Gütern zu versorgen. Damit verschwinden Nahrungsmittel, Arbeit, Maschinen und Kompetenz nicht als knappe Ressourcen. Aber ihr Anteil am Gesamtvolumen der monetär bewerteten Transaktionen wird zurückgehen. Der Vorgang der Kommunikationssystemnutzung hat die Phase seines exponentiellen Wachstums erst begonnen. Er wird, soweit man derlei Entwicklungen vorhersagen kann, der wirtschaftlichen Selbstreproduktion des kommenden Jahrhunderts den größten Teil der Ressourcen liefern, die sie für ihre Wertschöpfung benötigt.

Die Umstellung auf Kommunikationsressourcen bringt allerdings Probleme für das eingeübte Verständnis von Knappheit. Informationsgüter sind Kommunikationsmediengüter und bestehen aus digitalisierter Information.Wenn der Aufwand ihrer Erfindung und Konfiguration einmal erbracht ist, können sie unendlich oft zu geringen Kosten reproduziert werden. Knappheit läßt sich dann nicht mehr auf die Güter selbst zurechnen. Sie muß, mit beträchtlichem rechtlichem und politischem Aufwand, durch Schutzrechte künstlich erzeugt werden, oder sie wechselt auf die Nachfragerseite: die Aufmerksamkeit der Nutzer wird als der eigentliche Engpaßfaktor thematisiert (Franck 1998).

Kandidaten für eine genauere Beobachtung der von ihnen generierten Mediengüter sind vor allem die Systeme Wissenschaft, Erziehung, Massenmedien und Kunst, mitsamt der Organisationen, die in ihnen die Informationsgüter schaffen. In jedem dieser Systeme findet gegenwärtig eine rege Diskussion über die "Kommerzialisierung" ihrer Inhalte statt. Was das Recht angeht, so sind die Entwicklungstendenzen unklarer. Während die global players der Wirtschaft glauben, die Weltgesellschaft zu dominieren, werden in politischen und wirtschaftlichen Organisationen die Schlüsselstellen von Juristen besetzt. Entsprechend werden nationale und auch internationale Verhandlungen zunehmend in rechtlicher Codierung, und damit Logik, geführt. Dem Recht scheint es also besser als den genannten Systemen zu gelingen, sich der Rekonstruktion als externe knappe Ressource zu entziehen. Das Rechtssystem wird vielmehr interner Bestandteil der Wirtschaftscodierung selbst. Es hilft der Wirtschaft bei der Konstitution von Knappheit in ähnlicher Weise, wie es bislang dem politischen System bei der Konstitution von Herrschaft geholfen hat.

        4. Ergebnis und Ausblick

Die Untersuchung hat folgendes Bild der Entstehung der Knappheitscodierung ergeben: In den älteren Funktionssystemen Religion und Herrschaft grenzten sich Märkte aus, in denen Verständigung über Tauschwerte stattfand. Die Abweichung von der göttlichen oder gesellschaftlichen Ordnung wurde als "Überfluß" konnotiert. Damit war eine Unterscheidung im unmarked space der Gesellschaft plaziert. Die noch von äußeren Gegebenheiten angetriebenen Marktereignisse bildeten eine spezifische Medienumgebung der Geldformen, insbesondere der Metallgeldformen. In der Beobachtung der Geldverfügbarkeit, also im Unterschied zum Überfluß, entstand die Erfahrung der Knappheit. Knappheit wurde zur Eigenschaft wirtschaftlicher Güter. Die Unterscheidung war umgeklappt, Knappheit bezeichnete nun die Innenseite der Wirtschaftsunterscheidung, Überfluß die Außenseite. Der Profitzirkel begann, die Zahlungen selbständig voranzutreiben. In den folgenden Jahrhunderten veränderte die nun selbstreproduzierende Wirtschaft wiederum ihre Umwelt: Die Außenwelt der Wirtschaft wurde unterschieden in flüssige und überflüssige Bestandteile. Als flüssige Bestandteile fungierten im Lauf der vergangenen 300 Jahre unterschiedliche Ressourcen auf zunehmend höheren Emergenzniveaus. Zur Zeit sind andere Kommunikationssysteme dabei, die primären Ressourcen zur Versorgung der Gesellschaft liefern.

Soviel zu den Belegen für die beiden eingangs aufgestellten Thesen. Die Entwicklung, die hier verkürzt dargestellt wird, ist dabei keineswegs zwangsläufig. Im Gegenteil, das Ziel der Recherche lag gerade darin, der Vorstellung von der Entstehung ausdifferenzierter Funktionssysteme ihre Zwangsläufigkeit zu nehmen. Die für die selbstreferentielle Operation notwendigen Paradoxa etablieren sich nur langsam, mit territorial unterschiedlicher Stabilität und nur im Kontext dauernder, evolutionär kontingenter Variationen und Selektionen der verwendeten Mitteilungsformen. Das konnte am Beispiel der "Markttransaktionen", also der Wirtschaftsereignisse, gezeigt werden.

Für die zukünftige Beobachtung der sich weiter ausdifferenzierenden Wirtschaft stellt sich die Frage, ob das Verhältnis der global vernetzten, finanziell autonomen Wirtschaft zu ihren neuen Informationsressourcen mit dem traditionellen wirtschaftstheoretischen Instrumentarium analysierbar sein wird. Schon die Berücksichtigung psychischer Kompetenz konnte nur unbefriedigend als "Humankapital" oder "unternehmerische Kreativität" erfaßt werden. Der Versuch, die strukturelle Kopplung der Wirtschaft mit den sie umgebenden Kommunikationssystemen zu beobachten, bringt weitere Schwierigkeiten mit sich, die systemtheoretisch beschrieben, aber nicht einfach bewältigt werden können. Das grundsätzliche Problem läßt sich folgendermaßen beschreiben: Wenn mithilfe eines Kommunikationssystems, der Wissenschaft, das Verhältnis von zwei anderen Kommunikationssystemen beobachtet wird, dann steht das Verhältnis von drei gleichzeitig operierenden Codierungen in Frage. Die Situation des Wissenschaftlers war bei der Beobachtung materieller Produktion und Konsumtion einfacher: Das, was gehandelt wurde, war nicht seinerseits über einen kommunikativen Code organisiert. Blieb also nur noch das Verhältnis von wissenschaftlicher zu wirtschaftlicher Codierung, und das wurde über die IneinsSetzung von wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Rationalität neutralisiert (Hutter/Teubner 1994).

Jetzt bringt die Thematisierung der Kommunikationssystemnutzung oder -verflüssigung gleich beide Schwierigkeiten mit sich: zum einen läßt sich die Eigencodierung der genutzten Systeme nicht mehr ignorieren(18). Zum anderen gerät die Eigencodierung der Wissenschaft zwangsläufig mit in den Blick. Mit beiden Schwierigkeiten wird sich die systemtheoretische Rekonstruktion der Wirtschaft und ihrer Umwelten auseinandersetzen müssen.

 

Prof. Dr. Michael Hutter, Lehrstuhl für Theorie der Wirtschaft und ihrer Umwelt
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Universität Witten/Herdecke
Alfred Herrhausen-Str. 50, D-58448 Witten
iwk@uni-wh.de