Schulsport NRW
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Fachdidaktische Konzepte:

I. Einführung:

Unter fachdidaktischen Konzepten im Rahmen des Schulsportes werden grundsätzlich theoretische Entwürfe von Sportdidaktikern verstanden, welche sich mit der pädagogischen Gestaltung des Faches Sport im Hinblick auf seine Ziele, Inhalte und Methoden auseinandersetzten. Im Folgenden werden nun vier als zentral geltende, und in der Schulsportpraxis weit verbreitete fachdidaktische Konzepte kurz dargestellt und erläutert. Für eine umfassendere, sowie vertiefendere Auseinandersetzung mit ihnen empfiehlt es sich auf die weiterführende Literatur zurückzugreifen.

II. Fachdidaktische Konzepte1

II.1. Schematische Übersicht der Fachdidaktischen Konzepte

Didaktische Leitidee Sportarten-
programm: Didaktik der reduzierten Ansprüche
Handlungs-
fähigkeit: Pragmatische Fachdidaktik
Körper-
erfahrung: Sportkritische Fachdidaktik
Entpädago-
gisierung: Antididaktik des Sports
Hauptvertreter Söll Kurz Funke Volkamer

Sachbezug

(Inhaltsebene)

Sport im engeren Sinne Sport im weiteren Sinne Bewegung, Spiel und Sport Sport

Vermittlungsansatz

(Methodenebene

geschlossen mehrperspektivisch auf Öffnung und Verständigung angelegt Individualistisch

Schulische und
gesellsch. Funktion

affirmativ komplementär korrektiv entschulend

In Anlehnung an Balz 1992

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II.2. Das Sportartenprogramm (Hauptvertreter: Söll)

Ausgehend von der Schwerpunktlegung auf die sportmotorische Leistung besteht für Vertreter des Sportartenprogrammes das Hauptziel des Sportunterrichtes in der Vermittlung konditioneller Fähigkeiten, sowie motorischer Fertigkeiten, um die Schüler für den Sport außerhalb der Schule möglichst umfassend zu qualifizieren. Der außerschulische Sport wird hierbei als „ einziger unverfälschter, ernsthafter und wahrer Sport“ angesehen und bestimmt demzufolge als Regelgröße die Gestaltung des Unterrichts. Zentrale Inhalte des Sportunterrichts sind demnach überwiegend die traditionellen normierten Sportarten, wie z.B. Leichtathletik und Turnen. Weitgehend auf fachdidaktische Vorüberlegungen verzichtend, stellen die zu verwendenden Unterrichtsmethoden nur Hilfsmittel für eine sachgerechte Vermittlung sportlicher Qualifikation dar. Deduktive Lehrweisen und ein primär fertigkeitsbezogenes Methodenarsenal kennzeichnen diesen geschlossenen Vermittlungsansatz.

Söll, W.: Im Brennpunkt. In: sportunterricht 35 (1986), 281.
Söll, W.: Der Sportlehrplan im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, In: Lehren und Lernen 15 (1989) 4, 2-15.
Söll, W.: Didaktische Vorüberlegungen als Grundlage methodischen Handelns. In: Czwalina, C. (Hrsg.): Methodisches Handeln im Sportunterricht, Schorndorf 1988, 33-61.
Söll, W.: „Im Brennpunkt“. In: sportunterricht 35 (1986), 281f.
Söll, W.: „Das Sportartenkonzept in Vergangenheit und Gegenwart“. In: sportunterricht 49 (2000) 1, 4-8.


II.3. Das fachdidaktische Konzept der Handlungsfähigkeit (Hauptvertreter Kurz)

Das fachdidaktische Konzept der Handlungsfähigkeit geht von der didaktischen Leitidee aus, daß menschliches Handeln stets als sinngeleitetes und vor allem sinnbedürftiges Tun anzusehen ist. Auf dieser Grundlage besteht das Hauptziel des Sportunterrichtes in der Förderung der Handlungsfähigkeit der Schüler. Dies bedeutet einerseits die Förderung der Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche erforderlich sind um unter jeweils gegebenen Bedingungen kompetent am Sport teilnehmen zu können und andererseits die Fähigkeit Sport auf seinen Sinn hin reflektieren und entsprechend gestalten zu können. Maßgebend für die Auswahl der Inhaltsbereiche des Faches Sport ist das Prinzip der Mehrperspektivität. In der Unterrichtsgestaltung sollen stets verschiedene, pädagogisch gleichwertige Sinngebungen wie z.B. Gesundheit oder Leistung für die Schüler zum Ausdruck kommen. Diese geforderte Sinnererschließung muß sich im Wechsel zwischen festem Unterrichtsprogramm und situativer Inszenierung vollziehen und erfordert weiterhin eine unterrichtspraktische Verbindung zwischen Denken und Machen. Der außerschulische Sport erhält in diesem Konzept die Funktion der Quelle sinnvoller und lebensbereichernder Elemente für den Schulsport.

KMK NRW (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II-Gymnasium/Gesamtschule in NRW, Düsseldorf 1999.
Kurz, D.: Handlungsfähigkeit im Sport-Leitidee einer pragmatischen Fachdidaktik. In: Spitzer, G./Schmidt, D. (Red.): Sport zwischen Eigenständigkeit und Fremdbestimmung. Schorndorf 1986, 28-43.
Kurz, D.: Vom „Vollzug der Leibesübungen“ zur „Handlungsfähigkeit im Sport“-Wandlungen didaktischer Grundvorstellungen, In: Peper,D./Christmann, E. (Hrsg.): Zur Standortbestimmung der Sportpädagogik. Schorndorf 1987, 52-67.
Kurz, D.: Worum geht es in einer Methodik des Sportunterrichtes? In: Bielefelder Sportpädagogen: Methoden im Sportunterricht. Ein Lehrbuch in 13 Lektionen. Schorndorf 1989, 9-22. Kurz, D.: Elemente des Schulsports. Grundlagen einer pragmatischen Fachdidaktik. Schorndorf (1977). Schorndorf 19903 .
Kurz, D.: Sport mehrperspektivisch unterrichten. Warum und wie? In: ADL (Hrsg.): Sport zwischen Tradition und Zukunft. Schorndorf 1992.
Kurz, D.: Handlungsfähigkeit im Sport-Leitidee eines mehrperspektivischen Unterrichtskonzeptes. In: Zeuner, A., u.a. (Hrsg.) Sport unterrichten-Anspruch und Wirklichkeit. 1.Kongreß des Deutschen Sportlehrerverbandes. Sankt Augustin 1995, 41-48.
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Werkstattberichte. Vorschläge zur Curriculumrevision im Schulsport in NRW, Heft 3, Soest 1997.
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Erziehender Schulsport. Pädagogische Grundlagen der Curriculumrevision in NRW, Bönen 2000.

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II.4. Das fachdidaktische Konzept der Körpererfahrung (Hauptvertreter Funke)

Der zentraler Gegenstand bei den Vertretern dieser Fachdidaktik ist der Umgang mit dem Körper im Zusammenhang mit der Bewegung, welcher zeitgemäß und selbstbestimmend erfolgen soll. Das Hauptziel des Sportunterrichts besteht demnach in der Vermittlung von Körpererfahrungen. Durch den Sport in der Schule soll die Erlebbarkeit und Bewußtheit des eigenen Körper gefördert sowie geschult werden, um schließlich eine unverwechselbare individuelle Bewegungsidentität ausbilden zu können. Die Didaktiker fordern in der praktischen Umsetzung dieser Vorstellungen eine inhaltlich offene Unterrichtsgestaltung, welche vom Gerätespielplatz über das Saunabaden bis hin zur klassischen Leichtathletik reichen kann, sofern sie das Hauptanliegen des Konzeptes nicht aus den Augen verliert. Dieses Prinzip der Offenheit findet seine Fortsetzung auch in der methodischen Gestaltung des Unterrichts, welcher von demokratischen Umgangsformen sowie einer kreativen Selbsttätigkeit der Schüler geprägt sein soll. Ausgehend von der Vorstellung eines außerschulischen Sportes, welcher als Gemisch z.B. aus Geschäftemacherei, Nationalismus und moralischer Ignoranz angesehen wird, ist es die pädagogische Aufgabe des Schulsports kompensierend und konträr diese Mängel des großen Sportes auszugleichen.

Funke, J.: Körpererfahrung. In: sportpädagogik 4 (1980) 4, 13-20.
Funke, J.: Sportunterricht als Körpererfahrung. Reinbeck 1983.
Funke, J.: Grundlagen-Einleitung (J. Funke in Diskussion mit G. Treutlein). In: Treutlein, G./Funke,J./Sperle,N. (Hrsg.): Körpererfahrungen in traditionellen Sportarten. Wuppertal 1986, 7-29.
Funke, J.: Über den didaktischen Ansatz der „Körpererfahrung“. In: Peper, D./Christmann, E. (Hrsg.): Zur Standortbestimmung der Sportpädagogik. Schorndorf 1987, 94-108.
Funke, J.: Von der methodischen Übungsreihe zur Differenzierten Erfahrungs-Situation. In: sportpädagogik 11 (1987) 5, 22-26.
Funke, J.: Unterricht öffnen-offener unterrichten. In: sportpädagogik 15 (1991) 2, 12-18.
Funke-Wieneke, J.: Im Handeln eintreten- wofür? Normen der Sportpädagogik aus der Sicht eines kritischen Sportpädagogen. In: Neue Sammlung 31 (1991) 1, 131-141.

II.5. Das fachdidaktische Konzept der Entpädagogisierung (Hauptvertreter Volkamer)
Die Position dieser Didaktik geht von der Sinnhaftigkeit des Sportes in seinem unmittelbaren Erleben aus. Der Sport wird als freiwilliges, folgenloses und körperbetontes Handlungsgeschehen begriffen, welches durch die Schule in Form z.B. der Zensurengebung oder der Richtlinienvorgaben unnötig eingezwängt wird. Infolgedessen ist es das Hauptziel des Sportunterrichtes den Schülern ohne pädagogische Verzweckung das unmittelbare Erleben des Sportes zu ermöglichen. Voraussetzung hierfür ist ein methodisches Handeln im Unterricht, welches sich durch eine animatorischen Kompetenz auf der Seite der Lehrkraft und eine freiwillige Zuwendung sowie spannungsreiche Auseinandersetzung mit sportlichen Inhalten auf Seiten der Schüler beschreiben läßt. Zu diesem Zweck bedarf der Sportunterricht der radikalen Entschulung bis hin zum Prinzip der Freiwilligkeit und zur Abschaffung der Sportzensur.

Volkamer, M.: Von der Last mit der Lust im Schulsport. Probleme der Pädagogisierung des Sports. Schorndorf 1987.
Volkamer, M.: Sport in der Schule-Sport im Verein. In: sportunterricht 36 (1987), 205-212.
Volkamer, M.: „Wie sags ich´s meinem Kinde?“. In: sportpädagogik 13 (1989) 1, 51-55.
Volkamer, M./Zimmer, R.: Vom Mut, trotzdem Lehrer zu sein. Überlegungen am Beispiel des Sportunterrichtes. Schorndorf 1982.
Volkamer, M./Zimmer, R.: „Was bleibt vom Sport im Schulsport?“ In: ADL (Hrsg.): Schüler im Sport-Sport für Schüler. Schorndorf 1984,226-232.

 

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