Linke Liste an der Universität Bielefeld

Kaffeekampagne der Linken Liste

Tchibo verbindet die Menschen, deren Leidenschaft Ausbeutung ist...

Im Fernsehen suggerieren uns bunte Werbefilme, daß es für die Menschen in der sogenannten "Dritten Welt" nichts Schöneres gibt, als für uns Kaffee anzubauen. Das ist absoluter Unsinn! Die Menschen bauen Kaffee an, weil sie während der Kolonialzeit gezwungen wurden diesen in Monokultur anzubauen. Seitdem ist es ihre einzige Erwerbsquelle, die durch den niedrigen Kaffeeweltmarktpreis die KaffeeproduzentInnen in Armut und Abhängigkeit hält. Der Kaffeemarktpreis wird durch wenige Großkonzerne kontrolliert, die auch den Großteil des Profits machen. In den 70er Jahren versuchten linke und kirchliche Gruppen diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen und den Kaffee direkt zu vermarkten. Ziel war es, durch Ausschaltung des Zwischenhandels und ehrenamtliches Engagement, den KaffeeproduzentInnen eine bessere Lebensgrundlage zu verschaffen. Den Höhepunkt erreichte dieser "fairerer Handel" mit der Nicaragua-Solidaritätskampagne in den 80ern. Durch Spendensammlungen und Kaffeeverkauf unterstützten bundesdeutsche Gruppen unter dem Motto "Gegen die Macht der Kaffeekonzerne" soziale Bewegungen in Nicaragua.

Das Projekt "TransFair"

Seit 1992 bilden 22 Vereinigungen des kirchlichen und sozialdemokratischen Spektrums, neben der Arbeitsgemeinschaft Dritte-Welt-Läden, den Verein TransFair. Nach dem Vorbild der holländischen Max-Havelaar-Stiftung und unter Federführung der kirchlichen Handelsorganisation GEPA war es ihr erklärtes Ziel: "durch Import und Verkauf von Produkten benachteiligter KleinproduzentInnen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika soll auf die Bedeutung des Welthandels für die Entwicklungschancen des Südens hingewiesen werden; zugleich sollen die Waren aus der "Dritten Welt" fair bezahlt werden, um dadurch den ProduzentInnen ein menschenwürdiges Leben und Entwicklungschancen aus eigener Kraft zu ermöglichen." (aus: Selbstdarstellung TransFair)

TransFair selbst handelt nicht, sondern vergibt nur das TransFair-Siegel für "fairen Handel". Die Kriterien, um das Siegel zu bekommen sind leicht zu erfüllen. Die Abnehmer verpflichten sich von bestimmten ProduzentInnen-Kooperativen, ohne Zwischenhandel in dem betreffenden Land, den Kaffee zu beziehen. Darüber hinaus soll ein "Mindest-ErzeugerInnenpreis" an die ProduzentInnen bezahlt werden.

Fairsiegeltes Gewissen

TransFair-Kaffee ist Kooperativenkaffee. Er wird also nicht direkt von Kleinbauern/bäuerinnen bezogen. Auf den Kaffeepackungen steht immer ganz viel von Kleinbauern/bäuerinnen und nix davon, daß der Kaffee von Kooperativen abgenommen wird. Wahrscheinlich geht es darum, die potentiellen KäuferInnen bei ihren "good feelings" für die "armen kleinen Negerlein" zu packen. Nach welchen Kriterien die Kooperativen ausgewählt und wie sie, falls es sie wirklich gibt, kontrolliert werden ist unklar.

Seit Auftreten von TransFair ist aus dem unabhängigen Markt mit Vorzugsbedingungen (Nicaragua-Soli, s. o.) ein Marktsegment des normalen Kaffeehandels geworden. Dieses ethische Marktsegment (Anteil des Verkaufsvolumens, das zu einem höheren Verbraucherpreis verkauft wird, weil KonsumentInnen bereit sind mehr für Kaffee zu bezahlen, wenn die ProduzentInnen mehr Geld bekommen) ist neben gewöhnlichen Röstkaffee, Bio-Kaffee, Gourmet-Kaffee u. s. w. ein Teil des Marktes. Es beträgt mittlerweile 1% des bundesdeutschen Kaffeemarktes. Wer sich ein bißchen in dieser Branche auskennt, weiß, daß es sich dabei um Milliarden von DM handelt. Auch die Werbestrategen der großen Konzerne haben erkannt, daß sie auf "soziales/ökologisches Handeln" setzen müssen, um auch diesen "alternativen Markt" abzuschöpfen.

Ziel von TransFair war es Einzug in die Supermärkte zu erhalten, um aus der "Schmuddelecke" der Weltläden rauszukommen. Dies kommt den großen Kaffeekonzernen sehr entgegen, können sie doch mit Hilfe des TransFair-Siegels auch noch das ethische Marktsegment abdecken und sich ein soziales Feigenblatt vorhalten. TransFair schließt Großkonzerne nicht von der Vergabe des Siegels aus. Im Gegenteil: es gibt keine Bestimmungen wie hoch der prozentuelle Anteil des versiegelten Kaffees eines Abnehmers sein muß. Im Prinzip heißt das, daß ein Konzern seine Geschäfte zu 99% mit unfair gehandelten Kaffee machen kann und sich eine Siegelmarke zulegt, um die Nische des ethischen Kaffees abzudecken. Als Beispiele sind Darboven Hamburg (Idee-Kaffee) und Union-Kaffee GmbH & Co zu nennen. Union-Kaffee ist es mit ihrer Siegelmarke Pedro gelungen 60% des "fairen Marktes" in der BRD abzugreifen und GEPA auf den 2. Platz zu verdrängen.

In dem von TransFair herausgegebenen Faltblatt: "Was Kaffeehändler wissen sollten" steht: "Die Gewinnspanne des Handels wird durch fairen Handel nicht geschmälert." In diesem Faltblatt steht auch: "Die Öffentlichkeitsarbeit von TransFair und seinen Organisationen erhöht die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten." Den Händlern wird eine Profitgarantie gegeben und zudem noch kostenlose Werbung versprochen.

Eine der Kriterien von TransFair war die Verpflichtung den Kaffee direkt abzunehmen, um den Zwischenhandel im kaffeeproduzierenden Land auszuschalten. Dabei wird so getan, als ob diese Zwischenhändler die großen Abzocker im Geschäft mit der schwarzen Bohne sind. Von TransFair nicht angegriffen werden allerdings die großen Absahner auf dem Weg von der roten Kaffeekirsche zum schwarzen Muntermacher: die internationalen Fracht- und Versicherungsgesellschaften, die Importeure, die Röster, die Groß- und Einzelhändler und der bundesdeutsche Staat:

ca. 2,60 DM/Pfund kassiert der deutsche Staat über die Kaffee- und Mehrwertsteuer; zwischen 1,50 und 2,50 DM/Pfund erheben die "gerechten Verkäufer" für nichts weiter als die Organisation des Verkaufs; der Einzelhandel erwirtschaftet zwischen 0,50 und 1,50 DM/Pfund; der Röster um die 0,60 DM/Pfund - d. h. der absolute Großteil der über "fairen Kaffee" eingenommenen Mittel verbleibt in der Bundesrepublik. Die ProduzentInnen bekommen nur ca. 10% der Einnahmen für 90% der Arbeit. Die "Frente de Cafetaleros Solidarios de América Catina", ein ProduzentInnenverband, der Mitglied bei TransFair ist, hat ausgerechnet, daß nur 20% des Mehrpreises an die KaffeeherstellerInnen geht. Von dem Geld, das der Kunde/die Kundin für "fairen Kaffee" mehr zahlt, gehen 80% in die Taschen von Röstern, dem Staat und den Fairtradern. Der "faire Kaffee" ist also für die Konzerne noch profitabler als der herkömmliche.

Der schöne Schein vom fairen Preis, oder:
Was zahlt TransFair wirklich mehr?

Die Regelung bis Herbst 1995:

TransFair sagte, daß die ProduzentInnen immer 10% mehr als der gerade gültige Weltmarktpreis für Rohkaffee als Entwicklingszuschlag bekämen und mindestens 126.00 US$- cents/pound. Daß sie immer 10% mehr bezahlt haben war jedoch glatt gelogen, denn in den Lizenzverträgen mit den Kaffeeabnehmern stand etwas anderes: stieg der Weltmarktpreis nämlich über 126.00 US$- cents/pound, so nahm der Zuschlag ab. Bei 140.00 US$- cents/pound zahlten sie z. B. nur noch 5% mehr. War der Weltmarktpreis bei 165.00 US$- cents/pound angekommen, wurde kein Zuschlag mehr bezahlt. Das gab TransFair in den "Materialien für Bildungsarbeit und Aktionen" (Herbst 1994) auch zu. Dort hieß es: "Die Staffelung der TransFair-Preise ist degressiv... liegt der normale Marktpreis bei oder über 165.00 US$- cents/pound, so ist er mit dem TransFair-Preis identisch." Die o.g. "Frente", die ja TransFair-Mitglied ist, forderte allerdings einen festen Mehrpreis, der unabhängig vom Weltmarktpreis immer für transfair gehandelten Kaffee gezahlt werden sollte. Das war ein fairnünftiger Ansatz, denn die bisherige Regelung sagte ja, daß es bei einem Kaffeepreis von 165.00 US$- cents/pound den ProduzentInnen so gut ginge, daß sie keine finanzielle Unterstützung mehr bräuchten. 165.00 US$- cents/pound sind aber keineswegs ein gerechter Preis und er befähigt die Menschen auch nicht automatisch zu einem Leben jenseits der Armut. Mitlerweile hat TransFair, wahrscheinlich auf Drängen der "Frente", diese Regelung geändert. Seit Herbst 1995 gibt es diese Obergrenze nicht mehr. Es werden jetzt immer 10% mehr als der gültige Weltmarktpreis gezahlt. Dieser ist aber seit längerer Zeit im Keller...

Im Dickicht des Kaffeehandels

Der Kaffeehandel ist nur ein Beispiel für die neoliberale Politik der Industrieländer, die darauf abzielt, den Zustand der Ausbeutung gegenüber der sogenannten "Dritten Welt" zu erhalten, bzw. zu verschärfen. Während die BRD nach außen eine lächerliche "Entwicklungshilfe" leistet, zockt sie über die Kaffeesteuer Milliarden von DM ab. Die selben Konzerne, die überall auf der Welt am Elend der Menschen verdienen, geben sich mit Hilfe des TransFair-Siegels ein Wohltätigkeitsimage, mit dem sie noch ordentlich Profit machen. Die KonsumentInnen geben im guten Glauben 2- 3 DM mehr für den Kaffee aus, von denen nur ein Bruchteil an die KaffeeproduzentInnen geht.

Eine fairere Kaffeekampagne muß sich gegen die wenden, die Profiteure der Ausbeutung sind: dem deutschen Staat, den Konzernen und den Oligarchien der betreffenden Länder. Es genügt nicht, mit einem Pseudo-Siegel das Gewissen zu beruhigen, sondern es müssen die Strukturen der kapitalistischen Marktwirtschaft angegriffen werden. Darüber hinaus muß bei uns eine Bewußtseinsveränderung dahingehend stattfinden, daß wir erkennen, daß Kaffee und andere Produkte aus der sogenannten "Dritten Welt" für uns zur Zeit nur deshalb so billig sind, weil kein wirklich fairer Handel stattfindet. Die milde Gabe war noch nie ein Vehikel für Veränderungen - im Gegenteil sie zementiert die ungerechten Verhältnisse.

Kampf den Kaffeekonzernen!
Solidarität mit den linken Volksorganisationen und Basisbewegungen!

Wo gibt es den Kaffee: Am Infostand der Liste in der Unihalle, in der Fachschaft Pädagogik, im Pustekuchen (etwas teurer) und im "Dritte Welt Haus".

Mehr Informationen zum Thema "Dritte Welt" bekommt ihr sehr kompetent im "Dritte Welt Haus", August Bebel Str.62. Dort gibt es auch den guten Cuba-Kaffee, eine gut sortierte Bibliothek und jede Menge Infos.


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Letzte Änderung: 29. 10. 1997