Verkehrsgruppe der Universität Bielefeld

Geschichte

Geschichte des OWL-Semestertickets

Das Bielefelder Semesterticket wurde zunächst in einer „kleinen Version“ zum Wintersemester 1992/93 eingefuehrt. Zu dieser Zeit gab es in der Region Ostwestfalen-Lippe keinen Verkehrsverbund, nur Verkehrsgemeinschaften, die als lose Zusammenschlüsse lokaler Verkehrsunternehmen einen gemeinsamen Tarif, aber darüber hinaus wenig Koordination betrieben. Vertragspartner des ersten Semestertickets war die „Verkehrsgemeinschaft Ostwestfalen-Lippe“ (VOW), die aber nur die Stadt Bielefeld und den Kreis Gütersloh umfasste. Genau so klein war auch das Geltungsgebiet unseres Semestertickets in diesem ersten Jahr. Eisenbahnstrecken fehlten ganz.

Um diesen Mangel zu beseitigen, musste die Verkehrsgruppe sich das nötige Geltungsgebiet „zusammenkaufen“: bei der VOW und zwei weiteren Verkehrsgemeinschaften (Verkehrsgemeinschaft Lippe, VGL, und Minden-Ravensberger Verkehrsgemeinschaft, MRV) sowie separat bei der Deutschen Bundesbahn (erstmals für ein Semesterticket). Ein Jahr nach Einführung konnten wir mit dem Semesterticket den überfälligen Verkehrsverbund exklusiv für die Bielefelder Studierenden realisieren. Erst seitdem nannten wir unser Ticket „OWL-Semesterticket“. Die Vertragsunterzeichnung fand im Sommer 1993 als regionales Medienereignis in einem Sonderzug statt. Ende 1993 wurde die Verkehrsgruppe für ihre Arbeit mit dem Umweltpreis der Stadt Bielefeld ausgezeichnet.

Das Geltungsgebiet, der Preis, die Verkehrszahlen und anderes haben sich seitdem weiterentwickelt. Ein Verkehrsverbund für OWL – keine reine Tarifgemeinschaft, sondern ein Vertreter regionalpolitischer Interessen mit Funktionen der Koordination und Qualitätskontrolle, wie wir ihn Anfang der 1990er Jahre gefordert hatten – wurde am Ende des Jahrzehnts durch die Bahnregionalisierung erforderlich. In Nordrhein-Westfalen bekamen auch die ländlichen Kommunen die Aufgabe, auf regionaler Ebene den Zugverkehr zu bestellen und einen regional umfassenden Tarif einzuführen. Der Verkehrsverbund OWL trägt seitdem diese Aufgaben als kommunaler Zweckverband, und der Verbundtarif trat im Mai 2000 in Kraft. Auch die regionalen Verkehrsunternehmen bildeten eine OWL-weite Dachorganisation, die inzwischen unser einziger Vertragspartner ist.

Die Verkehrsanbindung der Universität zum Hauptbahnhof (die wir zur Einführung des OWL-Semestertickets mit einer selbst geplanten Expressbuslinie verbessern mussten) wurde im April 2000 auf eine neue Grundlage gestellt, als die neue Stadtbahnlinie 4 die Universität erreichte. Seit 1913 war eine Straßenbahn in den Bielefelder Westen geplant gewesen. Die erste Verzögerung war durch den 1. Weltkrieg entstanden, die letzte durch eine kontroverse Auseinandersetzung um die Lage der Haltestelle an der Uni – bei der wir uns mit viel Intensität und Leidenschaft einmischten, aber letztlich unsere Vorstellungen um eine möglichst nahe Stadtbahn-Anbindung und eine neue Entwicklung des Geländes nördlich des Hauptgebäudes nicht realisieren konnten.

Die folgende Chronik wurde anläßlich der Unterzeichnung der Verträge zum OWL-Semesterticket am 25. Juni 1993 herausgegeben und endet deshalb bis auf weiteres an diesem Zeitpunkt.

Sebastian Lisken


Chronik des Bielefelder Semestertickets


Sommer
1991

Das erste Semesterticket in der Bundesrepublik wird für Darmstadt geplant und zum Wintersemester 1991/92 eingeführt.

In Bielefeld gründet sich die Verkehrsgruppe an der Universität mit dem Ziel, den öffentlichen Nahverkehr und den Fahrradverkehr an der Universität Bielefeld zu verbessern. Durch das Semesterticket-Modell in Darmstadt angeregt, soll ein ähnliches Projekt für Bielefeld geplant werden. Die Verkehrsgruppe wird eine vom AStA unterstützte und ihm zuarbeitende Arbeitsgruppe.


Oktober
1991

Die Verkehrsgruppe führt ein erstes Sondierungsgespräch mit den Stadtwerken Bielefeld. Kontakte mit den anderen Bielefelder Hochschulen (Fachhochschule und Kirchliche Hochschule). Weiteres Vorgehen wird gemeinsam geplant, die Verkehrsgruppe verhandelt somit für über 23.000 Studierende.

Landesweite Koordination der Semesterticket-Idee.


Dezember
1991

Weitere Verhandlungen mit der Geschäftsstelle der Verkehrsgemeinschaft Ostwestfalen-Lippe (VOW) über ein Semesterticket. Erarbeitung eines Rechnungsmodells.


Januar
1992

Einführung des Bielefelder VOW-Semestertickets für Wintersemester 1992/93 geplant. Verhandlungen mit der VOW über den Preis.

In der Universität treten Probleme auf: Da bei Einführung des Semestertickets für die Universitätsverwaltung erhebliche organisatorische Schwierigkeiten zu erwarten sind, reagiert man zunächst skeptisch. Nach einem ersten ausführlicheren Gespräch mit Mitarbeitern der Hochschulverwaltung und dem Kanzler findet die Verkehrsgruppe hier engagierte Mitstreiter.

Das erste Semesterticket in NRW im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr wird in Essen ausgehandelt. Die Landesregierung scheint die Einführung des Semesterticket zu verzögern. Nach der Intervention der Studierenden beim Ministerpräsidenten willigen Verkehrsminister Kniola und Wissenschaftsministerin Brunn in einen Modellversuch für das Semesterticket im Sommersemester 1992 ein. Dieser Versuch sollte jedoch auf die Uni Dortmund beschränkt bleiben.


Februar
1992

Die Landesregierung hat weiterhin Vorbehalte gegen das Semesterticket. Problematisch ist die Frage, ob die Einführung eines Semestertickets in den Aufgabenbereich der verfaßten StudentInnenschaft fällt oder nicht.

Die landesweite Semesterticket-Koordination der ASten in NRW fordert die Landesregierung auf, die rechtlichen Unsicherheiten des Semestertickets durch eine klare Stellungnahme und entsprechende Rahmengesetze innerhalb der Hochschulgesetzgebung aus dem Weg zu räumen. Die Landesregierung verspricht rechtliche Klärung. Allerdings werden die ASten hingehalten und ein klärendes Rechtsgutachten erst im Winter 1992 zugeschickt. Die ASten hatten zu der Zeit bereits das rechtliche Risiko auf sich genommen und Semestertickets an vielen Hochschulstandorten eingeführt.


März
1992

Dortmund als Modellversuch wird vorbereitet, das Land übernimmt das verbleibende rechtliche Risiko mit einer Landesbürgschaft. Die anderen Hochschulen drängen auf Vertragsunterzeichnung mit den Verkehrsbetrieben, die Landesregierung verzögert weiterhin.

Nach schwierigen Preisverhandlungen mit der VOW wird ein Semesterticket für ein Jahr zum Preis von 34 DM pro Semester ausgehandelt.


Mai
1992

In Bielefeld wird über das VOW-Semesterticket in einem Referendum abgestimmt. An der Uni wird das Ticket bei überraschend hoher Wahlbeteiligung deutlich angenommen: 83,6% Ja-Stimmen, 41,7% Beteiligung (Gremienwahlen 10–15%).

Fahrradwoche an der Uni. Die Verkehrsgruppe organisiert mit ADFC, GAFF, VCD und Verkehrs-AG der Grünen eine Fahrradaktionswoche an der Uni, in der endlich eine vernünftige Verbindung zur Innenstadt auf Radstreifen gefordert wird. Der Universitätsverwaltung werden über 1000 Unterschriften überreicht, die eine Verbesserung der Fahrradständer an der Uni fordern.

Das Verkehrsministerium äußert sich noch immer nicht, ob die Verkehrsbetriebe finanzielle Beihilfe für Auszubildendenfahrkarten erwarten können.

Gespräch mit Landtagsabgeordneten und dem Minister Kniola in Bielefeld. Die ASten Essen, Münster und die Bielefelder Verkehrsgruppe bemühen sich um eine Gesetzesänderung des Wissenschaftlichen Hochschulgesetzes im Landtag. Kabinett, Landtagsausschüsse und Fraktionen befassen sich mit dem Bielefelder Gesetzesänderungsentwurf.


30. Juni
1992

Gespräche der Verkehrsgruppe im Düsseldorfer Landtag mit Wissenschaftsministerin A. Brunn und Verkehrsminister F.-J. Kniola. Die Landesregierung unterstützt die Einführung der Semestertickets mit einem Erlaß. Die rechtlichen Unsicherheiten verbleiben jedoch bei den Studierenden.


September /
Oktober
1992

Die Bielefelder Studierenden können mit dem Semesterticket fahren. Damit zeigen sie die Bereitschaft, mit ihrem eigenem Geld Verbesserungen des Nahverkehrs zu unterstützen.


6. Oktober
1992

Das Oberverwaltungsgericht in Münster verkündet seine vorläufige Entscheidung im Eilverfahren über die Klage eines Dortmunder Studenten gegen das Semesterticket. Nach Auffassung des Gerichts ist ein Semesterticket generell zulässig, wenn der größte Teil der Studierenden einen theoretischen Nutzen davon hat.


12. Oktober
1992

Auf dem Weg zur Universität quellen am Tag des Vorlesungsbeginns die Busse über. Die Verkehrsbetriebe versuchen, diesen Ansturm durch eine Verdichtung des bestehenden 10-Minuten-Taktes auf einen 5-Minuten-Takt zwischen Universität und Innenstadt aufzufangen.

In der Uni-Halle informieren VOW und die Verkehrsgruppe täglich über die Möglichkeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni zu kommen. Für die Studierenden aus der Region werden von der Verkehrsgruppe individuelle Taschenfahrpläne erstellt. Nach wenigen Tagen sind die Fahrplanvorräte auch bei den Verkehrsbetrieben erschöpft.


November
1992


Die VOW und die Verkehrsgruppe führen in den Hochschulen Verkehrszählungen durch. Die Zahl der mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahrenden Studierenden hat sich mehr als verdoppelt.

Erste Sondierungsgespräche mit der Bundesbahndirektion Essen über die Erweiterung des Semestertickets.

Kontakte zu den benachbarten Verkehrsgemeinschaften über die Erweiterung des Semestertickets auf die gesamte Region Ostwestfalen-Lippe.


Dezember
1992

Die KiHo Bethel fordert eine vernünftige Busanbindung und die Einführung eines Anruf-Sammel-Taxis für die Abendstunden. (Das AST wird durch Entscheidung auf politischer Ebene zum Fahrplanwechsel im August 1993 eingeführt.)


Januar
1993

Die Verkehrsgruppe stellt ein selbst erarbeitetes verbessertes Busverkehrskonzept für die Verbindung Bielefeld-Dornberg-Werther-Halle vor. Weitreichendes positives Echo in Presse und Gemeindeparlamenten. Die zuständigen Verwaltungen prüfen das Konzept.


Februar
1993

Die KiHo erhält ihre Anbindung an das Semesterticket durch Integration des Bethelbusses.

Der Baubeginn der Stadtbahnlinie zur Universität verzögert sich wieder. Die Verkehrsgruppe und das Rektorat der Universität fordern angesichts der wachsenden Zahlen des ÖPNV einen raschen Baubeginn.

Konkrete Verhandlungen mit den verschiedenen Verkehrsgemeinschaften und der Bundesbahn über das erweiterte Semesterticket. Entwicklung und Vorlage eines Rechnungsmodells, das die Besonderheiten eines Regionaltickets berücksichtigt. Harte Verhandlungen über einen wirtschaftlich vernünftigen Preis für alle Beteiligten.


März
1993

Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen. Damit scheint die Verwirklichung eines OWL-Verkehrsverbundes für Studierende in nächste Nähe gerückt. Pro StudentIn und Semester soll das neue Semesterticket 56,50 DM kosten.

[ Graphik über den Preis 1993/94 aus der Informationskampagne
vor dem Referendum zum OWL-Semesterticket, Mai 1993 ]


Mai
1993

In einem erneuten Referendum entscheiden sich die Bielefelder Studierenden noch deutlicher als im Jahr zuvor für das Semesterticket. 88,0% der abgegebenen Stimmen an der Universität sind für die Einführung des OWL-Semestertickets. Die Wahlbeteiligung steigt auf 46,8%.


25. Juni
1993

Die ASten der Bielefelder Hochschulen, die Deutsche Bundesbahn und die Verkehrsgemeinschaften VOW, VGL und MRV unterzeichnen in einem DB-Sonderzug – der symbolisch die Tarifgrenzen der Verkehrsgemeinschaften überfährt – die Verträge für das OWL-Semesterticket.

[ Karte des Geltungsgebiets 1993/94, Quelle wie oben ]

Chronik des Bielefelder NRW-Ticket


16.01.2008

Die Umfrage war seit dem 16.01.2008 beendet und wurde dem StuPa am 31.1.2008 vorgelegt. Wir konnten aber schon sagen, dass das Ticket frühstens im Wintersemester eingeführt werden kann.


31.01.08

Das Studierendenparlament der Universität Bielefeld hat auf seiner Sitzung am 31.01.08 die Durchführung einer Urabstimmung zur Einführung eines NRW-weiten Semestertickets in der Woche vom 21.4. bis zum 25.4.08 beschlossen. Die Frage wird lauten: "Befürwortest Du die Einführung des NRW-Semestertickets?"

Im Vorfeld der Urabstimmung werden wir noch einmal ausgiebig über die Modalitäten des NRW-Tickets informieren, außerdem wird noch eine Vollversammlung aller Studierenden organisiert werden.


21.4.-25.4.2008

Die Urabstimmung zum Thema "Befürwortest Du die Einführung des NRW-Semestertickets?" war in der Woche vom 21.4.-25.4.2008 von jeweils 9.00-16.00 Uhr vor der Cafete. Wählen konnte jeder der einen gültigen Studi-Ausweis oder eine Studie-Bescheinigung besaß. Die FH-Studies waren bei dieser Urabstimmung NICHT wahlberechtigt!

Wintersemester
2008/2009

Ab dem WS 08/09 wurde das Geltungsgebiet des Semestertickets auf ganz Nordrhein-Westfalen ausgedehnt. Dafür hat sich eine Mehrheit der Studierendenschaft für diese Erweiterung ausgesprochen. Die Urabstimmung zum Thema "Befürwortest Du die Einführung des NRW-Semestertickets?" fand in der Woche vom 21.4.-25.4.2008 statt. Hier sind nochmal die Ergebnisse und der passende Informationszettel:

Die Ergebnisse zur Urabstimmung vom NRW-Ticket:
Urabstimmung-Ergebnisse!


Der Informationszettel zum NRW-Ticket:
NRW-Info-Zettel!



Ein paar Argumente zum NRW Ticket

PRO

  • Erleichterungen im Studium: Bibliotheken, Archive, Labore und Praktikumsorte in anderen Städten NRWs sind einfacher zu erreichen. In der Freizeit kann das Ticket natürlich auch genutzt werden.
  • Enorme Erweiterung des Geltungsgebiets bei relativ geringer Preiserhöhung.
  • Die Umwelt profitiert, da Bahn fahren attraktiver wird. Der Geldbeutel wird auch geschont (Benzinpreise).
  • Studierende, die außerhalb des bisherigen und innerhalb des neuen Gültigkeitsbereichs wohnen, werden entlastet.
  • Dass nicht jeder die Erweiterung nutzt, ist kein Argument dagegen, schließlich geht auch nicht jeder in die Mensa oder macht Hochschulsport.

CONTRA

  • Die Belastung für Studierende ist bereits jetzt zu hoch (Studiengebühren), 35 € pro Semester sind eine unzumutbare weitere Belastung.
  • Es kommt zu sozialer Ausgrenzung, weil die Kosten für ein Hochschulstudium steigen. (Es muss ein Sozialmodell erarbeitet werden für Härtefälle).
  • Das derzeitige Geltungsgebiet reicht vollkommen aus. Eine Erweiterung ist "Luxus".
  • Wird immer teurer (allein zwischen Sommersemester 2008 und 2009 um 12,5%).
  • Die ungleichmäßige Verteilung des Geltungsgebietes um Bielefeld bleibt wegen seiner Randlage weiterhin bestehen.