Forschungskonzept

Der Forschungsbereich für Systematische Theologie und Religionssoziologie in der Abteilung Theologie befindet sich seit dem Sommersemester 2006 im Aufbau.

Interdisziplinäre Kommunikation zwischen der Theologie und der Religionssoziologie, den beiden Hauptlinien unserer Forschungsinteressen, ist für uns von oberster Priorität. Theologie und Religion fassen wir als spezifische Formen menschlicher Praxis auf. Theologische Reflexion setzt somit bei einer Analyse der menschlichen Lebensbedingungen an und formuliert ausgehend von Schrift und Tradition Empfehlungen und Dialogbeiträge für die Gestaltung normativer christlicher Orientierungen und Lebensgestaltung. Religionssoziologie leistet eine theoretisch und methodisch geschulte Analyse religiöser und theologischer Praxis. Näheres über den Ansatz ist ausgeführt in Schäfer: Praxis – Theologie - Religion.

Die theologische Arbeit ist geprägt von soziologisch weitergeführten Einflüssen der hermeneutischen Theologie (Ebeling, Jüngel, auch Tillich) sowie kontextueller Theologien der Dritten Welt, insbesondere der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Somit betreiben wir Theologie in einer engen Auseinandersetzung mit den konkreten, positionsspezifisch variierenden Lebensbedingungen von Menschen, da theologisch relevanter Sinn nicht ohne die Beziehung zwischen theologischen bzw. religiösen Zeichen und sozialer Wirklichkeit entstehen kann. Die theologische Arbeit steht in enger Kommunikation mit der ökumenischen Bewegung, insofern sie auf Probleme des „bewohnten Erdkreises“ (oikumene) gerichtet ist: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung; Globalisierung und kommunitaristische Ethik; Schwerpunktverlagerung des Christentums auf die Südhalbkugel; interreligiöse Kooperation. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Friedensethik sowie, zusammen mit dem Kollegen Streib, auf der Lehrforschung im Bereich der Konfliktmediation in der Schule.

Die religionssoziologische Arbeit ist geprägt von der theoretischen Orientierung an der Soziologie Pierre Bourdieus und verschiedenen Problemlagen in Krisen- und Transformationsgebieten, insbesondere in der Dritten Welt. Die Theoriearbeit zielt auf theoretische Weiterentwicklung und methodische Operationalisierung grundlegender Theoreme (sozialer Raum, Feld, Kapital, Habitus, praktische Logik) bourdieuscher Soziologie für die empirische Untersuchung und die theoretische Erfassung von Religion bzw. religiöser Praxis. Die Projekte der verschiedenen empirischen Forschungsbereiche wie Religion und Konflikt, Religion und soziale Ungleichheit incl. Pfingstbewegung dienen immer auch der Theorie- und Methodenentwicklung. In diesem Zusammenhang ist auch die enge Kommunikation mit der biografischen Religionsforschung des Kollegen Streib von Bedeutung.

Schließlich sind die Arbeitsbereiche und Einzelprojekte in vielerlei Hinsicht interdisziplinär vernetzt. Zum Beispiel verarbeitet ein systematisch-theologisches Forschungsprojekt zum Thema „Versöhnung“ u.a. empirische Ergebnisse der Forschung über religiöse Friedestifter im Bosnienkonflikt.

Veröffentlichungen

Schäfer: Praxis Theologie Religion: Grundlinien einer Theologie und Religionstheorie im Anschluss an Pierre Bourdieu. Frankfurt: Lembeck 2004.

Heller, Schäfer et al. (Hg.): Mache dich auf und werde Licht. Festschrift zum 70. Geburtstag von Konrad Raiser. Frankfurt: Lembeck, 2008.

Schäfer: „Identität als Netzwerk. Ein Theorieentwurf am Beispiel religiöser Bewegungen im Bürgerkrieg Guatemalas.“ In: Berliner Journal für Soziologie Bd. 15, 2005, Nr. 2, S. 259-282. [download PDF]

Schäfer: Antrittsvorlesung, 7. Juli 2006, veröffentlicht in längerer Fassung als „‚We gonna bin laden them!’ Überlegungen zu einer methodologisch-kommunitaristischen Friedensethik”. In: Zeitschrift für evangelische Ethik, 51. Jg., 2007, Nr. 3, S. 169-181.