Religiöse Sozialisation von Türkisch-islamischen Immigranten

Während islamisch-türkische Immigranten in Deutschland in die dritte und vierte Generation gehen, liegt nur wenig Forschung vor über die ständig sich ändernde religiöse Praxis und Sozialisation in diesen Milieus.

Zwei Dissertationen anworten auf diese Situation:

„Vergleich der religiösen Sozialisation und Entwicklung von christlichen und muslimischen Jugendlichen in der Türkei und in Deutschland“ (Adem Aygün)

Ziel dieses Dissertationsprojekts war die vergleichende Rekonstruktion der religiösen Sozialisation und Entwicklung von muslimischen Jugendlichen in Deutschland und in der Türkei. Zentraler Fokus der Untersuchung ist die religiöse Entwicklung, die mithilfe des Faith Development Interviews (Fowler) analysiert wird; weiter spielen eine Rolle: Inhaltsebenen der religiösen Vorstellungen wie z.B. Gottesvorstellung und Weltbild; sowie Persönlichkeitsmerkmale der Jugendlichen Die Feldforschung fand in Deutschland und in der Türkei statt. Aus dem Vergleich der beiden Samples eröffnet sich eine Perspektive darauf, wie sich Glaube, Gottesvorstellung und Religiosität insgesamt in unterschiedlichen kulturellen Kontexten entwickelt (Modernisierung von Religion; Veränderung von religiöser Sozialisation in der Immigration). Die Ergebnisse eröffnen Einblicke in die multireligiöse Sozialisationssituation, die etwa für die Analyse und Konzeption von Religionsunterricht in der Schule von großer Bedeutung ist. Die Arbeit ist auch als Buch erschienen.

„Generationenvergleichende Untersuchung der Religiosität von Türkisch-islamischen Immigranten in Deutschland“ (S. Özisik)

Ziel des Dissertationsprojekts von Sakin Özisik war die vergleichende Untersuchung der Religiösität von in Deutschland lebenden Migranten türkischer Herkunft mit besonderer Berücksichtigung der Unterschiede zwischen der ersten, zweiten und dritten Generation. Die Vielfalt religiöser Orientierungen und Gruppierungen wurde dabei ebenso berücksichtigt wie der familiale und soziale Kontext. Zentraler Fokus des Projekts aber war die generationenvergleichende Untersuchung von religiöser Veränderung mithilfe des Faith-Development-Interviews (nach James W. Fowler). Es haben jedoch nicht allein strukturelle Merkmale Berücksichtigung gefunden, sondern ebenso Inhaltsebenen der religiösen Vorstellungen wie z.B. Gottesvorstellung und Weltbild, die im Vergleich zwischen drei Generationen erhebliche Unterschiede aufweist. Die Feldforschung wurde in Deutschland durchgeführt. Aus dem Vergleich der drei Generationen eröffnen sich Perspektiven darauf, wie sich Glaube, Gottesvorstellung und Religiosität einer religiösen Minderheit in der Diasporasituation inmitten einer zunehmend säkularen Gesellschaft verändert.

Aygün, A. (2013). Religiöse Sozialisation und Entwicklung bei muslimischen Jugendlichen in Deutschland und in der Türkei: Empirische Analyse und religionspädagogische Herausforderungen. Religious Diversity and Education in Europe, 23, Münster: Waxmann Verlag.Aygün, A. (2016). Gottesvorstellungen im Spannungsfeld zwischen Theologie und Praxis. In Y. Sarikaya & A. Aygün (Eds.), Islamische Religionspädagogik. Leitfragen aus Theorie, Empirie und Praxis (pp. 221-247). Münster: Waxmann Verlag.

Özisik, S. (2015). Intergenerational Changes in the Religiosity of Turkish-Islamic Immigrants in Contemporary Germany. A Qualitative Analysis Using the Faith Development Interview. Ph.D. Diss., University Bielefeld. https://pub.uni-bielefeld.de/download/2901291/2901292