"Spiritualität" in Deutschland und U.S.A.

Analyse der Semantik, psychologischen Korrelate und biographischen Kontexte einer Selbsattribution

"Spirituell" zu sein hat in den vergangenen 30 Jahren erheblich an Popularität gewonnen. Viele Menschen in den U.S.A. sagen von sich, sie seien "spirituell", wenn nicht gar "spirituell, aber nicht religiös". In vielen europäischen Ländern sehen wir ähnliche Muster auf niedrigerem Häufigkeitsniveau. Erleben wir eine "spirituelle Wende" oder eine "spirituelle Revolution"? Trotz der enormen Popularität ist es jedoch eine offene Frage, was "Spiritualität" wirklich bedeutet. Umfrageergebnisse berichten die Häufigkeiten der Selbsteinschätzung als religiös, spirituell oder säkular; sie liefern kaum Informationen über die Semantik, über die funktionalen Merkmale und psychologischen Korrelate, oder über die biographischen Kontexte dieser Orientierungen. Unsere Forschungsergebnisse können zumindest einige dieser Fragen klären.

Heinz Streib (Projektleiter), Ralph Hood (Supervisor in den U.S.A.), Barbara Keller and Christopher Silver (PIs in Bielefeld und Chattanooga) haben die von der DFG (Dt. Forschungsgemeinschaft) geförderte kulturvergleichende Studie über "Spiritualität" abgeschlossen.

Auf der Grundlage von Fragebogen-Antworten in Deutschland (N=773) und den U.S.A. (N=1113) hat diese Projekt differentiell und kulturvergleichend "Spiritualität" untersucht. Schwerpunkte der Analysen waren dabei:

  1. die Semantik von "Spiritualität" in den subjektiven Definitionen (freie Eintragungen im Fragebogen), in den semantischen Differenzialen, sowie in den Ergebnissen eines (IAT) Experiments;
  2. die Untersuchung der psychologischen Korrelate von "Spiritualität", z.B. der Persönlichkeitsfaktoren, der Bindung, psychologischem Wohlbefinden, religiösen Schemata, und pro-sozialen Einstellungen und
  3. die Analyse der biographischen Kontexte mit Hilfe von (Faith-Development-) Interviews mit ausgewählten Sub-samples in den U.S.A. (N=54) und Deutschland (N=48).

Der qualitative Zugang öffnet eine diachrone Perspektive auf die Interaktion kultureller und individueller Entwicklungsverläufe.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei all jenen bedanken, die unsere Forschung überhaupt möglich gemacht haben: bei den zahlreichen Teilnehmenden, die unseren Fragebogen ausgefüllt haben. Ein ganz besonderer Dank gilt denjenigen, die sich außerdem noch die Zeit genommen haben, mit uns ein Faith Development Interview zu führen. Wir sind dankbar und wissen es sehr zu schätzen, dass Sie sich bereit erklärt haben, Ihre Ansichten mit uns zu teilen und uns Einblick in Ihre Weltsicht zu gewähren.

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Publications / Articles

Cover

Streib, H. & Hood, R. W. (Eds.) (2016). Semantics and Psychology of "Spirituality". A Cross-cultural Analysis. Cham, Heidelberg, New York, Dordrecht, London: Springer International Publishing Switzerland.

Cover

Streib, H. & Keller, B. (2015). Was bedeutet Spiritualität? Befunde, Analysen und Fallstudien aus Deutschland. Research in Contemporary Religion (RCR) - Band 20, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Keller, B. & Streib, H. (2013) Faith Development, Religious Styles and Biographical Narratives: Methodological Perspectives. Journal of Empirical Theology 26, 1-21.

Keller, Barbara, Klein, Constantin, Anne, Swhajor, Christopher F., Silver, Ralph W., Hood, and Streib, Heinz. "The Semantics of 'Spirituality' and Related Self-identifications: A Comparative Study in Germany and the USA". Archive for the Psychology of Religion. (PDF)

Streib, Heinz & Hood, Ralph W. (2011). “"Spirituality" as Privatized Experience-Oriented Religion: Empirical and Conceptual Perspectives”. Implicit Religion 14.4: 433 - 453. (PDF)

Streib, H. (2008). More Spiritual than Religious: Changes in the Religious Field Require New Approaches (PDF)