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Sommersemester 2008


Unter dem Stichwort "Musik und Natur" werden Anton Dvoráks sinfonische Dichtung "Der Wassermann" sowie Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur "Pastorale" gespielt . Musik also von ausgesprochen bildhaftem Charakter. Kein anderes Werk von Beethoven präsentiert sich so ausdrücklich als Wiedergabe von Natureindrücken wie seine sechste Sinfonie. Die Bezeichnungen ihrer fünf Sätze suggerieren die Tagesreise eines Städters zur Sommerfrische aufs Land, wo er die Heiterkeit der Atmosphäre genießt, ein idyllisches Weilchen am Bach verbringt, einem Fest des derben Landvolks beiwohnt, ein Unwetter erlebt und schließlich mit den Landleuten in dem Gefühl vereint ist, dem Unglück entronnen zu sein. Klassische Musik aus touristischer Perspektive eine überraschend moderne Thematik. Auch in Dvoráks "Wassermann" spielt Naturschilderung eine Rolle, hier aber als Beschreibung des Schauplatzes für das Märchen von der Schönen und dem Unhold aus dem Wasser, das im 19. Jahrhundert in zahlreichen Varianten bearbeitet wurde.


Programm

Anton Dvorák: Der Wassermann
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur "Pastorale"
Allegro ma non troppo (Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande)
Andante molto mosso (Szene am Bach)
Allegro (Lustiges Zusammensein der Landleute)
Allegro (Gewitter und Sturm)
Allegretto (Hirtengesänge - Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm)

Ausführende

Hochschulorchester Bielefeld
Leitung: Michael Hoyer

Rezensionen

Westfalen-Blatt vom 25.08.2008:



Neue Westfälische vom 26.08.2008:

Was Musik erzählt

Konzert des Hochschulorchesters

VON ALEXANDRA LIMONT

Bielefeld. Wenn bei einer universitären Veranstaltung etwas nicht fehlen darf, dann ist das die Diskussion. Selbst wenn es sich bei der Veranstaltung um den Auftritt des Hochschulorchesters handelt, das im Audimax spielte.

Das Thema der Diskussion war die Musik, die sich einem poetischen Programm unterzuordnen hat, also existiert, um zu erzählen, anstatt um ihrer selbst willen. Dieses Gefecht wurde selbstverständlich nicht mit Worten,sondern mit Tönen ausgetragen.

Michael Hoyer, Leiter des Hochschulorchesters, dirigierte seine Musiker durch die sinfonische Dichtung „Der Wassermann“ op. 107 von Antonin Dvorák, dem Komponisten also, der eigentlich die Meinung vertrat, dass Musik sich keinem Programm zu unterwerfen hat. In eben jenem Stück aber mit der Musik das tschechische Volksmärchen nacherzählt.

Im zweiten Abschnitt des Abends spielte das Orchester Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur „Pastorale“, auch eine Komposition von einem Gegner der sinfonischen Dichtung und dennoch mit einer gewissen Ambivalenz behaftet. Denn eben diese Pastoral-Sinfonie erzählt vom Leben auf dem Lande, allerdings mit der Einschränkung des Komponisten „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey“ zu sein.

Es gab also ein Unentschieden zwischen der absoluten Musik und der Programmmusik, aber einen Gewinn für die rund 130 Zuhörer. Trotz des recht mager besetzten Orchesters, unter anderem mit nur vier Celli, wurden dieWerke sehr ansprechend geboten. Vor allem die Holzbläser überzeugten in den solistischen Einlagen mit ihrer Ausdruckskraft. Bleibt zu hoffen, dass das Orchester mehr Mitspieler findet, um sein gesamtes Potenzial auszuschöpfen.