Felix Mendelssohn Bartholdy: Notturno C-Dur op. 24 für Flöte, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte, Trompete, Kontrabass
Ludwig v. Beethoven: 2. Sinfonie D-Dur
Jan Koetsier: "Konzert für vier Posaunen und Orchester"

Posaunenensemble
"Slide-O-Five"
Hochschulorchester Bielefeld
Leitung: Michael Hoyer
Programmheft (download im PDF-Format).
Neue Westfälische vom 10.02.2010
Eifelwanderer im Himalaya
Semesterkonzert des Hochschulorchesters
VON MATTHIAS GANS
Bielefeld. Wenig Bekanntem, aber Hörenswertem Geltung zu verschaffen, zeichnen die Konzerte des Hochschulorchesters in besonderem Maße aus. Ganz leicht und unbeschwert,
fast sommerfrisch kam diesmal das Programm daher, das Dirigent Michael Hoyer mit dem Bielefelder Hochschulorchester im Wintersemester erarbeitet hatte.
Kammermusikalisches von Mendelssohn, konzertante Moderne von Jan Koetsier und heitere Sinfonik von Beethoven spielte der diesmal eher klein besetzte Orchesterapparat vor rund 350 Besuchern im Audimax der Uni.
In Felix Mendelssohn Bartholdys Notturno C-Dur hat in bester Freiluftmanier das um einen Kontrabass erweiterte Bläser-Dezett das Sagen. Ein wisperndes, noch ideologisch völlig unbelastetes "Waldweben" beherrschte die stimmungsvolle
Einleitung, bevor im anschließenden Hauptsatz das spielfreudige Kollektiv eine lustige Musik zur Landpartie anstimmte.
Schade, dass die Kontrabassistin nicht auch für die nachfolgenden Werke des Abends zur Verfügung stand. Denn ein bisschen mangelte es den 18 Streichern doch an grummelnder Tiefe. Allerdings
nicht an zupackendem Elan, hörte man sich anschließend Jan Koetsiers Concertino für Posaunenquartett und Streichorchester an. Mit dem Herforder Quartett "Slide-O-Five" hatte Hoyer vier dem
Orchester auch als Mitglieder verbundene Solisten zu Seite, die dieser unkomplizierten, aber technisch durchaus fordernden Spielmusik des Niederländers voll gewachsen waren.
Nicht weihevoll-protestantische Choralmusik prägte dieses Stück, sondern muntere Quirligkeit.
Das Posaunenquartett ist eher blockhaft, denn individualistisch gesetzt. Und doch hatte "Slide-O-Five" mit Lisa Kuhlemann, Marie-Luise Scherpe, Matthias Krüger und Felix Ruoff über die volle Länge des rund
25-minütigen Stückes durchgehend zu tun, vereinten die vier Musiker solistische Wendigkeit mit homogenem Klangverständnis.
Selbstverständlich will das Hochschulorchester seine Fähigkeiten immer auch am sinfonischen Repertoire messen. Das ist bei solchen Werken wie Beethovens 2. Sinfonie
durchaus wagemutig, denn das Stück verlangt, so spritzig es auch daherkommt, gnadenlose Präszision. Ein bisschen gleicht solche musikalische Gipfelstürmerei der Himalaya-Expedition einer
Eifel-Wandergruppe. Im ersten Satz gelang es Hoyer, die Spannung zu halten und im langsamen Satz die Streicher beseelt singen zu lassen. Dass es dem Scherzo und Finale deutlich an Tempo und
dynamischer Kontrastierung mangelte, war wohl weniger den Möglichkeiten des Orchesters geschuldet, als dem Temperament des Dirigenten, der beim rasanten Gipfelabstieg den sicheren Tritt dem polternden Abgang vorzog.
© 2010 Neue Westfälische, Bielefelder Tageblatt (MW)
(freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Matthias Gans)
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