Edouard Lalo: Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll
Ludwig van Beethoven:
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Hochschulorchester Bielefeld
Leitung: Michael Hoyer
Programmheft (download im PDF-Format).
Neue Westfälische vom 02.02.2011
Blasse Bilder, farbintensive Klänge
Semesterabschlusskonzert des Hochschulorchesters
VON HEIKE SOMMERKAMP
Bielefeld. Das Hochschulorchester Bielefeld trotzte am Montagabend
erfolgreich der Grippewelle: Trotz krankheitsbedingter Ausfälle und daraus resultierender,
teilweise erst am Nachmittag erfolgter Umbesetzungen präsentierte das Orchester
unter der Leitung von Michael Hoyer sein Sinfoniekonzert zum Semesterabschluss
über weiteste Strecken mit intensiver Gestaltungskraft.
Über die gelegentlichen kleinen Unsicherheiten und einige etwas blass wirkende Passagen
hörten die knapp 500 Besucher im Audimax gern hinweg, denn um so intensiver und
farbstärker kam das Gros von Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie beim Hochschulorchester
zur Geltung. Unter Hoyers gelassen-elegantem Dirigat vereinte das Ensemble klangvolle
Gravität mit müheloser Beweglichkeit, formulierte die Spannungsbögen in vollendeter
Kongruenz und in großer dynamischer Bandbreite aus und zeichnete fast jede Passage
in einer überzeugenden Klangstimmung.
Für Édouard Lalos d-Moll-Konzert für Violoncello und Orchester konnte das HSO Rafael Guevara als Solisten gewinnen. In enger Verbundenheit mit dem ihm sensibel umgebenden Orchester entfaltete der junge Venezuelaner, der bei diesem Werk überwiegend im tieferen Klangbereich des Violoncellos agierte, die fesselnde Persönlichkeit seines Instruments vor dem faszinierten Auditorium und erreichte nicht nur in intensiv erblühenden Momenten wie der Introduktion zum Andante im dritten Satz, sondern auch in verhaltenen Sequenzen des eine unwiderstehlich warme Präsenz.
Ein im Eifer des Gefechts gegen Ende des ersten Satzes am Pult zerschlagener Taktstock
brachte weder Michael Hoyer noch sein Orchester oder gar den Solisten aus dem Konzept:
Der Dirigent ersetzte kurzerhand den all zu kurzen Stummel durch den gestreckten
rechten Zeigefinger - und spurtete vor dem zweiten Satz außerplanmäßig in die Garderobe,
um einen Ersatzstock zu holen.
Beleuchtungstechnisch fand das Hochschulorchester dagegen im Konzertverlauf keine
optimale Lösung. Eigentlich wollten die Musiker ihr Konzert erstmalig mit
stimmungsvollen Bildern um eine visuelle Komponente erweitern. Doch leider verfügt
das HSO nicht über Notenpultbeleuchtungen. Im spät erkannten Interessenkonflikt
zwischen ausreichender Helligkeit zum Lesen der Noten und ausreichender Dunkelheit
zum Erkennen der auf Leinwand projizierten Bilder entschied das HSO jedoch pro Ton,
worauf die schönen Fotos bestenfalls ganz blass zu erahnen waren.
© 2010 Neue Westfälische, Bielefelder Tageblatt (MW)
(freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Heike Sommerkamp)
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