Kammerensembles des Hochschulorchesters Bielefeld
Programmheft (download im PDF-Format).
Neue Westfälische vom 23.11.2011
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Hochschulorchester kammermusikalisch
VON HEIKE SOMMERKAMP
Bielefeld. Das Hochschulorchester ist nicht nur im Tutti, sondern auch in kleinen
Gruppen den Besuch im Audimax wert: am Montagabend präsentierten Einzelne vom Duo bis zum Quartett
vor etwa 110 Zuschauern Hörenswertes von Bach bis Dvorak.
Am Anfang stand sogar ein Solo: Carl-Martin Gehler eröffnete den musikalischen Reigen
am Flügel - in kraftvoll-entschiedenem, sicheren Anschlag mit einem temporeich
präsentierten Bach-Präludium und einem dynamisch durchformulierten Beethoven-Rondo.
Die Holzbläser des Hochschulorchesters entsandten ein Terzett, das mitreißend Mozart zelebrierte:
Anke und Henning Rattenholl, sie mit charismatisch formulierender Oboe, er in federleichter
Beweglichkeit am rhythmisierend-voranweisenden Fagott, machten das Divertimento KV 439b (Anh. 229)
zum frischleichten Hinhörer, zuverlässig und punktgenau komplettiert von Rebekka Meyer auf der Heides
Klarinette.
Lara Venghaus und Michael Hoyer steuerten dem Programm fünf Schubertlieder bei. Dass die Beameranlage
des Audimax am Konzertabend streikte, war hier besonders zu bedauern: Gern hätte der Eine oder Andere
im Saal auf der Leinwand mitgelesen, was die Sopranistin gerade in volltönend-beweglichem Sopran
sensibel ausgestaltete, punktgenau assistiert von Michael Hoyer am Flügel. Immerhin gehören der
Kreuzzug, der Winterabend oder das Ziegenglöcklein zu Schuberts weniger bekannten Liedern, und die
Texte sind längst nicht Jedem bekannt.
Bei drei charakterstark-fesselnd gestrichenen Stücken langsamerer Gangart aus der Feder Niccolo
Paganinis spielte Christian Oberer die erste und vorerst einzige Geige, filigran und passgenau
begleitet von Bernd Hachmeister an der Akustikgitarre.
Dass die finalen, facettenreich ausformulierten sechs Lieder aus Antonin Dvoraks "Zypressen" für
Streichquartett nicht die blitzsaubere Intonation aufwiesen, die man vom Hochschulorchester
gewohnt ist, ist sicherlich dem Oscar zu verdanken, den Andrea Steinmetz gerade bekommen hat: Da
ihr 2.290 Gramm schwerer, 48 cm großer Sohn überraschend frühzeitig das Licht der Welt erblickte,
fehlte die Flötistin verständlicherweise beim Konzert am Montagabend.
Oberer übernahm per Geige ihren Part, während Andreas Kraaz ihn in der Zweiten Geige ersetzte.
Jürgen Schade und Regina Disse lieferten per Viola und Cello die Unterstimmen. Im vitalen,
kongruent atmenden Ergebnis mutete Dvorak ungewohnt dissonanzfreudig, aber durchaus faszinierend
an.
Insgesamt ein echter Kammermusikabend, bei dem die Musiker ihrem Publikum trotz des riesigen, halbleeren
Saals innerlich ganz nahe rückten.
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