Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Kontrolle der Gewalt im Kontext ›fragiler‹ Staaten

Termin: 5. - 7. Juni 2008

Leitung: Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld), Heinz-Gerhard Haupt (Bielefeld/Florenz)

Der internationale Workshop hatte zum Ziel, Veränderungen staatlicher Herrschaft in ihren Folgewirkungen für die Möglichkeiten der Kontrolle von Gewalt mit Fokus auf den afrikanischen Kontinent zu diskutieren und in einen weiteren zeitlichen, politischen und gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Denn obgleich die Forschung zu ›fragiler‹ Staatlichkeit seit Eingang des Themas in die internationale wissenschaftliche Debatte vor circa fünfzehn Jahren geradezu ›boomt‹, weisen die vorliegenden Studien noch immer eine Vielzahl von Blindstellen auf, die eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Thema unter Einbeziehung neuer Perspektiven und Fragestellungen notwendig machen. Eine solche neue Perspektive sollte im Rahmen des Workshops unter Einbezug eines interdisziplinären Kontrollparadigmas zur Betrachtung von Gewalt in fragilen Staaten eingenommen werden.
Die meisten Vorträge bezogen sich auf zahlreiche empirische Länderfallstudien, darunter Sierra Leone, Liberia, Somalia, Uganda, die Demokratische Republik Kongo und Nigeria. Darüber hinaus setzten sich einige konzeptionelle Beiträge kritisch mit fragiler Staatlichkeit als analytischer Kategorie auseinander und leitetet damit intensive Diskussionen über den konzeptuellen Mehrwert dieser Kategorie und mögliche Alternativbegriffe wie Zonen begrenzter oder herausgeforderter Staatlichkeit ein. Fast alle Beitragenden wie Diskutanten betonten immer wieder, dass fragile Staatlichkeit keineswegs mit einem vollständigen Kontrollverlust über Gewalt einhergehe, sondern gingen, allerdings meist indirekt, auf unterschiedliche Maßnahmen und Mechanismen der Gewaltkontrolle sowie auf eine Bandbreite möglicher Akteure der Gewaltkontrolle jenseits des Staates ein. Obgleich die entscheidende Rolle lokaler, regionaler und internationaler Akteure dabei immer wieder hervorgehoben wurde, stellte kein Teilnehmer die zentrale Rolle des Staates bzw. einer zentralen Instanz, die in der Lage sein müsse, Gewalt effektiv zu monopolisieren, in Frage. Betrachtet man die Ergebnisse des Workshops allerdings in Hinblick auf die angestrebte (Weiter-) Entwicklung des Kontrollkonzeptes, muss festgehalten werden, dass sich die wenigsten Redner in ihren Vorträgen explizit auf Gewaltkontrolle als analytische Kategorie bezogen. So setzten sich viele der Beiträge nicht unmittelbar mit Kontrollverlusten über physische Gewalt und der Frage nach den Möglichkeiten der Wiedereinhegung auseinander, sondern kreisten eher um ›verwandte‹ Themen wie Sicherheit, governance etc. Entsprechend blieb auch die angestrebte Spezifizierung des Verhältnisses zwischen fragiler Staatlichkeit, ›Kontrollverlusten‹ und Gewalt aus.



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