Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

ZiF-Konferenz

Europa und die Welt der Grenzen

Termin: 23. Oktober 2018

Leitung: Oliver Flügel-Martinsen (Bielefeld, GER), Kirsten Kramer (Bielefeld, GER), Joanna Pfaff-Czarnecka (Bielefeld, GER), Andreas Vasilache (Bielefeld, GER), Véronique Zanetti (Bielefeld, GER)

Das Projekt Europäische Union steht für die Aufhebung nationaler Grenzen. Es wurde begonnen, um Frieden zu sichern, und schien in der sich globalisierenden Welt umso wichtiger zu werden. Nun zeigen Migrations- und Flüchtlingsbewegungen auf eindrückliche und vielfach tragische Weise, dass Europa nicht nur in einer Welt der Grenzen existiert, sondern dass es auch selbst Grenzen zieht: Außengrenzen und überkommen geglaubte innere Grenzen.

Solche Grenzen manifestieren sich nicht nur in Stacheldraht und Kontrollposten. Es gibt kulturelle, soziale, rechtliche, religiöse und ästhetische Grenzen, die sich auf komplexe und oft paradoxe Weise gegenseitig beeinflussen. Kulturelle Entwicklungen finden beispielsweise grenzübergreifend statt, gleichzeitig grenzen sich regionale Kulturen gerade in jüngerer Zeit von größeren Zusammenhängen auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene ab.

Dabei sind Grenzen nicht per se negativ: Abgrenzungen machen Differenzierung, Organisation und Zuständigkeiten erst möglich, sie lassen Unterschiedliches nebeneinander gelten und können so Vielfalt bewahren und Raum für Begegnungen zwischen zunächst Fremden/m bilden. Zugleich schaffen sie beständig Grenzzonen der Ununterscheidbarkeit, die maßgeblich an der Entstehung neuer Ordnungsvorstellungen, Machtgefüge oder Unterscheidungen beteiligt sind, welche die (europäische) Lebenswelt nachhaltig prägen.

Grenzen sind ein komplexes und paradoxes Phänomen. Aktuell beobachten wir eine Doppelbewegung von sozialer, ökonomischer und/oder kultureller Entgrenzung der Welt einerseits und gleichzeitiger Zunahme immer neuer Abgrenzungsprozesse andererseits. Wie kommt dieses Paradox zustande? Ist es eine vorübergehende oder eine dauerhafte Konstellation?

Die Welt der Grenzen und Europas Stellung und Wirkung in ihr zu denken, ist eine der großen wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Herausforderungen der Gegenwart. Auf der ZIF-Konferenz 2018 werden ausgewiesene Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Kultur und Politik über politische und staatliche Grenzen, kulturelle und künstlerische Grenzziehungen sowie über gesellschaftliche Be- und Entgrenzungsprozesse diskutieren.



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