Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Electronic Democracy

Zielsetzung der Konferenz

Das Internet hat sich inzwischen als modernes Massenmedium etabliert. Die öffentliche Diskussion hat diesen Entwicklungsprozess bisher allerdings oft unter recht einseitigen Gesichtspunkten begleitet. Denn obwohl es sich um ein Medium handelt, dessen Herkunft die Politik, die militärische Hochkultur des Pentagon und die amerikanische Zivilkultur sind, brachte es bislang kaum wissenschaftliche Selbstreflexion auf seinen politischen Struktur- und Entwicklungskontext hervor. Im Vordergrund des Interesses stehen vielmehr fast ausschließlich ökonomischen Nutzungspotentiale der neuen Technik. Das Schlagwort der New Economy sieht sich so in kürzester Zeit mit konkreten wirtschaftlichen Hoffnungen verbunden, während der beinahe schon überkommene Begriff der Informationsgesellschaft in vielfacher Hinsicht noch immer wenig greifbar erscheint.
Stil und Inhalt der politischen Willensbildung wurden aber stets auch durch die verfügbaren Kommunikationstechnologien beeinflusst. So ist die moderne "Mediendemokratie" in den letzten zwei Jahrzehnten ganz wesentlich durch das Aufkommen des kommerziellen Rundfunks bestimmt worden. Die computervermittelte Netzkommunikation zeichnet sich indes durch geringe Transformationskosten, eine hohe Informationsdichte sowie ein hohes Maß an Interaktivität und Konnektivität aus und birgt damit ein besonderes demokratiepolitisches Potential. Schon nutzen daher einige Bürgergruppen das Internet, um ihre politischen Initiativen zu koordinieren. Auch wird vermehrt mit Wahlen und Abstimmungen im Netz experimentiert, und es mehren sich die Initiativen, die Staat und Verwaltung mittels neuer Kommunikationstechnologien transparenter, effektiver und bürgerfreundlicher gestalten wollen.
Was genau sind aber die Einsatzmöglichkeiten des Internet zur Förderung der politischen Willensbildung in der Informationsgesellschaft? Worin bestehen im einzelnen die demokratischen Potenziale der neuen Kommunikationstechniken? Befinden wir uns tatsächlich auf dem Weg zu einer echten Cyber-Demokratie, der "Vision der elektrischen Agora", oder ist die so genannte elektronische Demokratie letztlich nicht mehr als ein bloßes Komplementär zur herkömmlichen politischen Willensbildung, die deren grundlegende Formen und Strukturen nicht berühren wird? Wo liegen die Gefahren von elektronischer Demokratie und Verwaltung, insbesondere wenn es um Manipulations- und Kontrollmöglichkeiten durch Regierungen und politische Eliten geht, aber auch um die Gewährleistung datenschutzrechtlicher Standards?
Die zweitägige Konferenz will versuchen, Antworten und Anregungen zu diesen Themenkomplexen zu geben. Angestrebt ist insbesondere eine pragmatische Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich demokratische Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen im Internet im Interesse einer verbesserten Vermittlung zwischen Staat und Bürger sowie zwischen Bürger und Bürger beleben und die öffentliche Verwaltung effektiver gestalten lassen. Das Thema soll dabei unter technischen, politikwissenschaftlichen und rechtlichen Aspekten beleuchtet werden. Einleitend wird die Bundesjustizministerin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin die Bedeutung der elektronischen Demokratie für den Rechtsstaat hervorheben, gefolgt von einem Impulsreferat des EU-Kommissars für die Informationsgesellschaft, Erkki Liikanen (angefragt). Vier sich daran anschließende Diskussionsrunden werden sich sodann den folgenden Teilaspekten des Themas zuwenden: Chancen und Risiken des Internet für eine demokratische Gesellschaft (Panel 1), Online-Wahlen (Panel 2), Politischer Diskurs im Netz (Panel 3) und Virtuelle Verwaltung (Panel 4). Die Veranstaltung soll Prof. Benjamin Barber (angefragt) mit einem visionär geprägten Beitrag zur "Strong Democracy in Cyberspace" beschließen.

Programm

Grußwort: Gabriele Behler, Ministerin für Schule, Weiterbildung und Forschung, NRW
Impulsreferat - eEurope: Erkki Liikanen, EU-Kommissar, Brüssel (angefragt)
Impulsreferat: Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Bundesjustizministerin, Berlin
Panel 1 - Das Internet in einer demokratischen Gesellschaft - Chancen und Risiken
Dr. Horst Blume, BMWi, Berlin
Dr. Olaf Winkel, Universität Bochum
Andrew Blau, New York
Prof. Dr. Hans J. Kleinsteuber, Universität Hamburg
Ingrid Scheithauer, Frankfurter Rundschau (Diskussionsleitung)
Panel 2 - Wahlen im Netz
Prof. Dr. Joachim Wieland, Universität Bielefeld
Dr. Rüdiger Grimm, GMD, Darmstadt
Prof. Dr. Dieter Otten, Universität Osnabrück
Dr. Julia Glidden, Election.com
Christian Ahlert, Universität Gießen
Prof. Dr. Miriam Meckel, Universität Münster (Diskussionsleitung)
Panel 3 - Politischer Diskurs im Netz
Jörg Tauss, MdB, Berlin
Dr. Beth Simone Noveck, Bodies Electric LLC
Dr. Christoph Bieber, Universität Gießen / politik-digital
Steven L. Clift, Minnesota E-Democracy
Damian Tambini, Institute for Public Policy Research
Dr. Stephan Bröchler, FernUniversität Hagen (Diskussionsleitung)
Panel 4 - Virtuelle Verwaltung
Prof. Dr. Ignace Snellen, Erasmus Universität, Rotterdam
Dr. Martin Hagen, Universität Bremen
Bettina Sokol, Landesdatenschutzbeauftragte, Düsseldorf
Juri Weiss, Bundesamt für Kommunikation, Biel
Prof. Dr. Bernd Holznagel, Universität Münster (Diskussionsleitung)
Abschlußreferat: Prof. Dr. Benjamin Barber, Ruttgers University

Teilnehmer
Ludger Ahrens-Beck (Köln), Steffen Albrecht (Hamburg), Moisès Amorós Perich (Barcelona), Benjamin Barber (New Brunswick, NJ), Ralf Bartoleit (Frankfurt am Main), Dietrich Beese (München), Markus Behr (Paris), Gunnar Bender (Hamburg), Christoph Bieber (Gießen), Wouters Biesterbos (Den Haag), Andrew Blau (Brooklyn, NY), Ruth Blufarb (Münster), Horst Blume (Bonn), Thomas Braune (Berlin), Michael Brinkmeister (Gütersloh), Stephan Bröchler (Hagen), Bernhard Bubeck (Stuttgart), Reiner Burger (Frankfurt am Main), Herbert Burkert (Köln), Angela Busche (Münster), Brian Clarke (Cardiff), Steven Clift (Minneapolis, MN), Marc Droog (Utrecht), Martin Eifert (Hamburg), Martin Emmer (Ilmenau), Karl-Josef Errens (Leverkusen), Ellen Fahsal (Münster), Edwin Feldner (Berlin), Arno Fiedler (Berlin), Olaf Fink (Hamburg), Dominik Fischer (Münster), Christian Flügge (Münster), Thomas Friemel (Hamburg), Mirjam Gehrke (Köln), Maria Gilles (Leverkusen), Hermann Glaab (Wiesbaden), Julia Glidden (Garden City, NY), Jörg Glücks (Potsdam), Edgar Göll (Berlin), Rüdiger Grimm (Ilmenau), Thomas Groß (Gießen), Andreas Grünwald (Münster), Martin Hagen (Bremen), Kathrin Hahne (Münster), Anika Hanßmann (Münster), Volker Heitkamp (Berlin), Claudia Hermes (Berlin), Frank Hölscher (Bielefeld), Michael Hokkeler (Gelsenkirchen), Jens Holste (Osnabrück), Norbert Ingler (Düsseldorf), Enno Isermann (Berlin), Wolfgang Käppler (Bonn), Pia Karger (Berlin), Raphael Kies (San Domenico di Fiesole), Hans J. Kleinsteuber (Hamburg), Paul Klück (Utrecht), Frank Koop (Bonn), Christian Kröning (Kiel), Werner Krüger (Bielefeld), Hajo Lanz (Bonn), Jörn von Lucke (Speyer), Gertrude Lübbe-Wolff (Bielefeld), Rolf Luehrs (Hamburg), Oliver Märker (Sankt Augustin), Miriam Meckel (Münster), Nathalie Merle (Frankfurt am Main), Daniel Nathwath (Gütersloh), Michael Niewerth (Hannover), Beth Simone Noveck (New Haven, CT), Jürgen Ockermann (Düsseldorf), Dieter Otten (Osnabrück), Deirdre Pappalardo (London), Frens Peters (Hannover), Annika Poppenborg (Sankt Augustin), Johannes Portaro (Netphen), Anette Pröber (Rostock), Oliver Rüß (Potsdam), Roland Schäfer (Frankfurt am Main), Jörg-Olaf Schäfers (Paderborn), Ingrid Scheithauer (Frankfurt am Main), Melanie Heike Schmidt (Münster), Oliver Schmidt (Gütersloh), Lutz Schreiber (Hamburg), Ignace Snellen (Rotterdam), Claus Sobot (Bielefeld), Bettina Sokol (Düsseldorf), Christian Sommer (Hamburg), Martin Stock (Bielefeld), Gerd Strohmeier (Passau), Hellen Tackenberg (Bochum), Damian Tambini (London), Jörg Tauss (Berlin), Ulrich Tucholke (Bremen), Frank Vogelsang (Berlin), Ines Vollmeier (Münster), Martin Voregger (Gelsenkirchen), Thorsten Voß (Münster), Juri Weiss (Biel-Bienne), Christoph Werthmann (Münster), Joachim Wieland (Bielefeld), Olaf Winkel (Bochum), Runar Woldt (Düsseldorf), Hermann Zimmermann (Berlin)

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