Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

EthniCities: Metropolkulturen und ethnische Identitäten in den Amerikas

Termin: 18. - 20. März 2009

Leitung: Martin Butler (Essen), Jens Gurr (Bielefeld / Essen), Olaf Kaltmeier (Bielefeld)

Die dreitägige Veranstaltung EthniCities: Metropolitan Cultures and Ethnic Identities in the Americas bildete den Auftakt der Phase zu Stadtforschung und Ethnizität, die im Frühjahr 2009 im Zentrum der Arbeit der interamerikanischen Forschungsgruppe E Pluribus Unum? Ethnic Identities in Transnational Integration Processes in the Americas steht. Der Workshop führte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Literatur- und Kulturwissenschaften, der Geschichte, Kunstwissenschaft, Architektur, Stadtplanung, Soziologie und Ökonomie aus Europa, Nord- und Südamerika in einem interdisziplinären Dialog über urbane Kulturen in den Amerikas zusammen. Als zentrales Thema verbanden Fragen der Aushandlung ethnischer Identitäten durch kulturelle Praktiken in urbanen Kontexten theoretisch orientierte Vorträge mit konkreten Fallstudien und Modellanalysen. Auf der Grundlage verschiedener theoretischer und empirischer Ansätze konzeptualisierten die Beiträge Stadtkultur auf der Mikroebene individueller Akteure ebenso wie auf der Mesoebene von Stadt als System und der Makroebene, die die Stadt als Knotenpunkt innerhalb eines globalen Netzwerkes in den Blick nimmt.
Den Auftakt der Veranstaltung bildeten eine theoretische Einleitung von Martin Butler und Jens Gurr (beide Universität Duisburg-Essen) zu kulturellen Räumen, Ethnizität und Taktiken der Kommunikation im städtischen Raum sowie ein Beitrag von Olaf Kaltmeier zur Bedeutung von urbanen Kulturen im identitätspolitischen Feld der Amerikas sowie ein Keynote-Vortrag von Rüdiger Kunow (Universität Potsdam) über die Konstruktionen von Ethnizität durch Narrative von Krankheit in der Metropole. Das anschließende Panel zum Thema Ethnic Urban Imaginaries verband Vorträge zur Rolle städtischer Plätze für die Konstruktion urbaner ethnischer Identitäten in Mexiko (Cerstin Bauer-Funke, Universität Duisburg-Essen) und zur Konvergenz von urbaner Ästhetik, Gewalt und Konstruktionen von race in Computerspielen (Arvi Sepp, Universität Antwerpen).
Die Beiträge des zweiten Panels, Ethnicity and the Transformation of Urban Systems, befassten sich mit den Zusammenhängen von Migration, Ethnizität und kultureller Differenz. Walter Alejandro Imilan (Freie Universität Berlin) referierte über die Mapuche in Santiago de Chile und Axel Borsdorf (Universität Innsbruck) über die Situation peruanischer Immigranten in derselben Stadt. Jens Südekum (Universität Duisburg-Essen) analysierte die Auswirkungen kultureller Vielfalt auf regionale Arbeitsmärkte in Deutschland. Unter dem Titel Ethnic Agency in Metropolitan Areas thematisierte das dritte Panel die Möglichkeiten von Handlungsmacht ethnischer Minderheiten an den Beispielen religiöser Identitäten in Sao Paulo (Paolo Barrera, Universidade Metodista de Sao Paulo) und der Auseinandersetzungen um Wasserpolitik in Guadalajara/Mexiko (Sofia Mendoza, Universidad de Guadalajara). Das Panel, Ethnic Cultural Appropriations of Urban Spaces umfasste Vorträge zur ethnischen Identitätskonstruktion und Aneignung städtischer Räume in nordamerikanischen Spielfilmen: Sebastian Nestler (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) analysierte hierfür den mexikanischen Film Batalla del Cielo, während Alexandra Ganser und Karin Höpker (beide Universität Erlangen-Nürnberg) die US-Produktionen Mean Streets und Night on Earth untersuchten.
Eva Marschs (Universität Duisburg-Essen) Präsentation über die Herstellung ethnischer Identitäten in der Graffiti-Kunst und Marc Rodriguez' (University of Notre Dame) Beitrag über Latino-Wandmalerei in Städten des Mittleren Westens der USA bildeten das fünfte Panel, Constructing Ethnic Identities in Urban Art. Der Keynote-Vortrag des US-amerikanischen Architekten und Stadtplaners Larry Herzog (University of San Diego) über Globalisierung, Latino-Kultur und transnationale Identitäten in städtischen Räumen entlang der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze schlug eine thematische Brücke zwischen dem vorausgegangenen und dem abschließenden Panel der Tagung, Global Cultural City. Hier zeichnete Stephan Lanz (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)) die Globalisierung musikalischer Subkulturen aus Rio de Janeiros Favelas nach. Olaf Kaltmeier (Universität Bielefeld) befasste sich mit der Situation historischer Stadtzentren im Spannungsfeld zwischen urbaner Erneuerung, Bewahrung des historischen Erbes und postkolonialer Erinnerung. Am Beispiel von Vancouver und Kapstadt ergänzte Christoph Marx (Universität Duisburg-Essen) das Thema der sich globalisierenden Stadt um die Komponente der Verortung ethnischer Gruppen in multikulturellen Metropolen.



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