Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Goya im Dialog der Medien, Kulturen und Disziplinen

Termin: 8. - 10. September 2011

Leitung: Ursula Hennigfeld (Freiburg i.Br.)

Der von Professor Philippe Blanchard (ZiF) und Gloria Mínguez (Spanische Botschaft) eröffnete Workshop ging von der Frage aus, was Goya – mehr als jeden anderen Künstler – nicht nur für die Kunstgeschichte, sondern auch für andere Künste wie Literatur, Film und Musik so interessant macht. Der im amerikanischen Exil lebende Lion Feuchtwanger schreibt 1951 ebenso über Goya wie der spanische Dramatiker Antonio Buero Vallejo, der unter der Franco-Diktatur Regimekritik in historische Gewänder kleidet. Goya ist heute eine Ikone der spanischen Kulturindustrie, Titelgeber des wichtigsten spanischen Kulturpreises und lebt in populären Bildwelten fort (z.B. in Comics). In Frankreich wird Goya bis heute vor allem als politisch engagierter Künstler und Vorreiter der Aufklärung in Spanien interpretiert. Medienwissenschaftliche Beiträge untersuchten Goya im Spannungsfeld von Visualität und Visibilität.

Nachdem er die Bedeutung Goyas für seine musikalische Sprache erläutert und mehrere Goya-Kompositionen vorstellt hatte, führte der Komponist Michael Denhoff im Rahmen einer öffentlichen Abendveranstaltung und begleitet vom Pianisten Martin Tchiba sein Opus 32 für Violoncello und Klavier mit dem Titel El sueño de la razón produce monstruos (1982) auf. Der kolumbianische Videokünstler Carlos Franklin präsentierte vier von Goya inspirierte Videos (Four black scenes, 2010), die für eine Performance im Centre Pompidou/Paris entstanden sind. Die Videos waren im Rahmen einer kleinen Ausstellung auch über die Tagung hinaus im ZiF zu sehen.

Ergebnisse des Workshops waren u.a.: 1. Goya wird national sehr verschieden interpretiert (z.B. in Spanien anders als in Frankreich). 2. Es gibt eine sehr intensive Auseinandersetzung vor allem linksintellektueller Künstler mit Goya, die um die Freiheit des Künstlers und staatliche Einflussnahme auf Kunst kreist. 3. Die Beschäftigung mit Goya dient Künstlern dazu, ihr eigenes Selbstverständnis und ihren Platz in der Gesellschaft zu reflektieren. 4. Das Werk Goyas weist eine Ambivalenz und Widerständigkeit auf, die eine einseitige Vereinnahmung unmöglich macht. 5. Die in der Forschung vielfach vorgenommene Trennung zwischen ›angepasstem Hofmaler‹ und späterem ›subversiven Künstler‹ bzw. zwischen ›offiziellem‹ und ›inoffiziellem‹ Werk lässt sich nicht aufrechterhalten. Die Ergebnisse der Tagung werden 2012 in einer multimedialen Printversion publiziert.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Vittoria Borsò (Düsseldorf), Marco Thomas Bosshard (Bochum), Markus Buschhaus (Düsseldorf), Michael Denhoff (Bonn), Carlos Franklin (London), Godehard Janzing (Paris), Manuel Köppen (Berlin), Jochen Mecke (Regensburg), Jens Meinrenken (Berlin), Gloria Mínguez (Berlin), Guido Rings (Cambridge UK), Susanne Schlünder (Osnabrück), Timo Skrandies (Düsseldorf), Holger Südkamp (Düsseldorf), Martin Tchiba (Velbert-Langenberg)



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