Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Selbstrepräsentationalismus, Präreflexivität und Persönlichkeitsstörungen

Termin: 4. - 6. September 2013

Leitung: Manfred Frank (Tübingen, GER) und Andreas Heinz (Berlin, GER)

Eine noch junge Entwicklung der Philosophy of Mind hat sich den Namen self-representationalism gegeben. Sie wird u. a. von Terence Horgan, Tomis Kapitan, Uriah Kriegel und - in modifizierter Form - von Kenneth Williford und Dan Zahavi vertreten. Diese Autoren, alle Teilnehmer der Tagung, halten representation für den Basisbegriff einer Theorie des Geistes. Eine weitere Annahme: Nur diejenigen Akte oder Erlebnisse dürfen "bewusst" heißen, die neben ihrem Bezugsgegenstand sich selbst - gleichsam nebenbei oder marginal - (mit)repräsentieren. Diese "Mitrepräsentation" soll aber nicht als Repräsentation "höherer Stufe" misskant werden, sondern für eine solche gelten, die auf gleicher Ebene (same order) stattfindet. Sonst entstehen zirkuläre und regressive Verwicklungen in der Erklärung.
Damit begegnet der Selbstrepräsentationalismus einer Grundüberzeugung Fichtes, Brentanos oder Sartres, aber auch der "Heidelberger Schule" um Dieter Henrich, die an die Einsichten der genannten Klassiker anknüpft. Es war eine erste Absicht der Tagung, führende Vertreter des US-amerikanischen Selbstrepräsentationalismus mit Vertretern der Heidelberger Schule ins Gespräch zu bringen. So etwas hat nie zuvor stattgefunden; und die US-amerikanische Kenntnisnahme der Heidelberger Texte scheitert schon an Sprachproblemen - warum die Tagung auf Englisch stattfand. Sowohl die Heidelberger wie die Selbstrepräsentationalisten bemühen sich, Zirkel und regressive Verwicklungen zu vermeiden, die sie dem konkurrierenden "Reflexions-Modell" (bzw. dem Higher-Order-Modell) des Selbstbewusstseins ankreiden. Diese Begegnungs-Absicht wurde glänzend eingelöst; und im Nachhinein wurde von allen Teilnehmer(inne)n der lebhafte Wunsch geäußert, den in ZiF begonnen Gedankenaustausch fortzusetzen, ja auf Dauer zu stellen.
Eine zweite Absicht bei der Planung der Arbeitsgemeinschaft war, Vertreter beider Richtungen mit Hirnforschern und besonders mit Psychiatern ins Gespräch zu bringen. Denn gerade an Störungen und Fehlfunktionen lässt sich erkennen, was Antonio Damasio als "Kern-Selbstbewusstsein" bezeichnet hat. Die Frage: Wie muss man seine Beschädigung verstehen, und wie weit macht es überhaupt Sinn, Präreflexivität für zerstörbar zu halten.

Im Einzelnen hat die Arbeitsgemeinschaft nacheinander fünf eng verbundene Themenblöcke durchgearbeitet:

Die Veranstalter erhoffen sich von dem Treffen einen Schritt zur Verstetigung nicht nur des interdisziplinären Austauschs zwischen Hirnforschern/Psychiatern und Philosophen über ein genau definiertes Problem, sondern auch des nach dem Dritten Reich auseinander gebrochenen Dialogs zwischen "kontinentaler" und "angelsächsisch-analytischer" Bewusstseins-Philosophie. Mit Hilfe ihrer US-amerikanischen Kollegen beabsichtigen sie, eine um die Beiträge von Abwesenden bereicherte und überarbeitete Sammlung der Tagungsbeiträge in einem angesehenen angelsächsischen Verlag zu publizieren.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Volker Beehr (Düsseldorf, GER), Marc Borner (Berlin, GER), Katja Crone (Mannheim, GER), Frank Hofmann (Walferdange, LUX), Terence Horgan (Tucson, USA), Tomis Kapitan (DeKalb, USA), Uriah Kriegel (Paris, FRA), Gregory Landini (Iowa City, USA), Stefan Lang (Halle (Saale), GER), Konrath Mauth (Stuttgart, GER), Maik Niemeck (Halle (Saale), GER), Anne Pankow (Berlin, GER), Gerhard Preyer (Frankfurt am Main, GER), Wolfgang Prinz (Leipzig, GER), Stefan Schlosser (Ditzingen, GER), Peter Schulte (Bielefeld, GER), Gianfranco Soldati (Fribourg, SUI), Jürgen Stolzenberg (Halle (Saale), GER), Anna Strasser (Berlin, GER), Kenneth Williford (Arlington, USA), Dan Zahavi (Kopenhagen, DEN)



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