ZiF-Arbeitsgemeinschaft
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Politische Ziele und ästhetische Strategien von Umwelt-Dokumentarfilmen


Termin: 16. - 18. Mai 2019
Leitung: Susanne Kaul (Bielefeld, GER), Stefan Lange (Braunschweig, GER)

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es einen Boom an Umweltdokumentarfilmen, von denen ein wesentlicher Teilbereich die Missstände in der Lebensmittelindustrie fokussiert und dabei Aspekte wie Nutztierhaltung, Lebensmittelabfälle, Klimawandel und Gentechnik problematisiert. Die interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft untersuchte die ästhetischen Strategien und politischen Ziele solcher Dokumentarfilme, indem sie Kultur- und Naturwissenschaft an einen Tisch brachte: Agrarwissenschaft und Biologie verfolgten das gemeinsame Erkenntnisziel mit ihrer Expertise für die Produktionsseite des Wissens, während Kultur- und Medienwissenschaft die Kommunikation und Repräsentation anhand filmästhetischer Verfahrensweisen in den Fokus rückte. Darüber hinaus wurden umweltethische Fragen reflektiert, welche Werte (Natur/Umwelt, tierisches/menschliches Leben) dabei wie begründet werden können.

Die Untersuchungsschwerpunkte der AG waren Umweltdokumentarfilme des 21. Jahrhunderts: insbesondere food documentaries über Lebensmittelverschwendung und deren Folgen für den Klimawandel. Einem der Filme, Taste the Waste (2010), wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da der Regisseur Valentin Thurn sich für einen öffentlichen Abendvortrag sowie für die Teilnahme an der Tagung zur Verfügung gestellt hat. Dieser Film wurde (unter vielen anderen) aus natur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive im Dialog beleuchtet.

Da der Dialog zwischen Natur- und Kultur-/Medienwissenschaft im Mittelpunkt der AG stand, wurde den Filmanalysen ein Methodentag vorgelagert, an dem die Zugänge zum Thema aus Sicht der verschiedenen Disziplinen vorgestellt und verglichen wurden: biologisch, agrarwissenschaftlich, kulturwissenschaftlich (environmental humanities), medienwissenschaftlich, philosophisch und schließlich vom Standpunkt der Filmemacher*innen selber. Das Ziel der AG war, im interdisziplinären Dialog kollaborativ zu erkunden, wie ökologisches Wissen im Dokumentarfilm kommuniziert wird, welche politischen Zwecke damit verfolgt werden und mit welchen ästhetischen Verfahrensweisen welche Wirkungen intendiert werden.

Diskutiert wurde dabei, ob die Filme immer daraufhin ästhetisch inszeniert sind und sein sollten, eine bestimmte moralische Botschaft zu vermitteln, oder ob sie in erster Linie informieren (sollten). Die Analyse der Filme ergab einen Konsens, dass faktisch eine große Spannweite in der Differenziertheit, Komplexität, ästhetischen Qualität und appellativen Kraft der Filme besteht, während die normative Frage nach dem Aufklärungsauftrag der Dokumentarfilme kontrovers diskutiert wurde: Sollten die Filme möglichst ausgewogen Pro und Contra darstellen und unparteiisch informieren oder mit moralisch begründeten Plädoyers Stellung beziehen, eine nachhaltige Gemeinschaft stiften und damit selbst politisch agieren?

Insgesamt hat es sich als sehr zielführend und bereichernd erwiesen, die Analysen der Einzelbeiträge interdisziplinär zu diskutieren, denn wenn am selben Material einerseits herausgearbeitet wird, wie Fakten verzerrt oder falsch dargestellt werden, andererseits mit welchen audiovisuellen Mitteln Emotionen gesteuert werden und dann noch, welche Werturteile stillschweigend zugrunde gelegt werden, dann kommt das Wissen aus den einzelnen fachlichen Expertisen in einen Dialog, der für die Beantwortung der Frage nach den medialen Verfahrensweisen und gesellschaftlichen Aufgaben unentbehrlich ist.

Susanne Kaul

Tagungsprogramm
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Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Gerd Bayer (Erlangen, GER), Gabriele Dürbeck (Vechta, GER), Josefa Eckardt (Rostock, GER), Franz Theo Gottwald (München, GER), Britta Hartmann (Bonn, GER), Christian Huck (Kiel, GER), Hans Werner Ingensiep (Essen, GER), Markus Kügle (Mannheim, GER), Jessie Marquardt (Münster, GER), Kirsten Meyer (Berlin, GER), Jessica Nitsche (Paderborn, GER), Claudia Ruby (Köln, GER), Gesine Schepers (Bielefeld, GER), Felicitas Schneider (Braunschweig, GER), Timo Skrandies (Düsseldorf, GER), Valentin Thurn (Köln, GER), Alexa Weik von Mossner (Klagenfurt, AUT), Hans-Jürgen Wulff (Westerkappeln, GER), Christopher Zimmermann (Rostock, GER)

Organisatorische Fragen beantwortet Marina Hoffmann im Tagungsbüro. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung.


Tel: +49 521 106-2768
Fax: +49 521 106-152768
E-Mail: marina.hoffmann@uni-bielefeld.de