ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Empirische Ethik – Redaktionskonferenz

Termin: 29. – 30. August 2019
Leitung: Norbert Paulo (Salzburg, AUT), Christoph Bublitz (Hamburg, GER)

Debatten um das richtige Verhältnis zwischen Ethik und Empirie durchziehen die Philosophiegeschichte. Eine um die Jahrtausendwende einsetzende Bewegung hat sie um ein neues Kapitel erweitert. Seither vollzieht sich insbesondere eine beidseitige (Wieder-)Annäherung von empirischer Psychologie und Philosophie im Allgemeinen und ihrer jeweiligen moralischen Teildisziplinen im Besonderen. Sie besteht für die Psychologie in der Ausweitung der Untersuchungsgegenstände auf klassische philosophische Fragestellungen sowie auf das moralische Urteilen. Diese Annäherung führte in den vergangenen Jahren zu einer Renaissance der Moralpsychologie. Neben interdisziplinären Ansätzen liegt eine ihrer Triebkräfte in technischen Errungenschaften, insbesondere in neuen Untersuchungsmethoden für das menschliche Denken, bspw. die bildgebenden Verfahren, allen voran die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT). Inhaltlich sind für die jüngere Moralpsychologie zwei Züge charakteristisch: der affective turn, also die Hinwendung zu emotionalen Prozessen, sowie die Betonung der Bedeutung sozialer Prozesse. Ein viel diskutierter Aufsatz von Jonathan Haidt aus dem Jahre 2001 bringt diese Wendung paradigmatisch zum Ausdruck: The emotional dog and its rational tail.

Für die Philosophie besteht diese Annäherung vor allem in der Übernahme empirischer wissenschaftlicher Methoden und der Durchführung experimenteller Studien in der sogenannten ›experimentellen Philosophie‹, mit der sich also ein empirisch forschender Zweig der Philosophie entwickelt. Er hat sich mit methodischen Fragen auseinanderzusetzen, von denen viele der psychologischen Forschung wohl vertraut sind. Man kann also sagen, dass die experimentelle Philosophie in methodischer Hinsicht weitgehend wie die empirische Psychologie verfährt. Entsprechend interdisziplinär sind daher einschlägige Forschungsverbünde und Autor*innenschaften. Diese Art wissenschaftlicher Arbeit kann vor allem da gelingen, wo (auch institutionelle) Grenzen zwischen den Disziplinen eine eher geringe Rolle spielen. Ein Großteil der Forschung stammt daher aus den USA. Somit lässt sich von einem empirical turn der Philosophie im Allgemeinen und der Moralphilosophie im Besonderen sprechen.

Basierend auf der Arbeitsgemeinschaft Is and ought: The Ethical and Legal Relevance of Moral Psychology, die wir im Mai 2017 am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld ausrichteten, erscheint 2020 der von uns herausgegebene Band ›Empirische Ethik – Grundlagentexte aus Psychologie und Philosophie‹ im Suhrkamp Verlag. Der Band beschäftigt sich – wie die Arbeitsgemeinschaft zuvor – mit dem skizzierten Grundlagenthemen an der Schnittstelle zwischen Empirie und Ethik, vor allem mit den normativen und metaethischen Implikationen der Moralpsychologie für die Ethik.

Die in internationalen Journals und Konferenzen blühende Debatte um Interpretationen jüngerer Forschungsarbeiten aus der Moralpsychologie sowie ihre Relevanz für die Moralphilosophie findet in deutschsprachigen Fachzeitschriften und -büchern bisher kaum statt. Keiner der zentralen Texte der Debatte ist bisher auf Deutsch erschienen. Zwar gibt es inzwischen erste deutschsprachige Veranstaltungen und Bücher zur experimentellen Philosophie, aber keine zur empirischen Ethik. Unser Band wird der erste deutschsprachige zum Thema sein. Das ZiF hat es uns ermöglicht, alle Autor*innen dieses Bandes und ausgewählte Expert*innen zu einem Redaktionsworkshop einzuladen, um die Beiträge für den Band zu diskutieren. So konnte nicht nur die Qualität der Beiträge verbessert, sondern auch die Kohärenz zwischen den Beiträgen erhöht werden. Wir sind dem ZiF für diese Möglichkeit und für indirektere Formen der Unterstützung zu allergrößtem Dank verpflichtet.

Norbert Paulo, Christoph Bublitz

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Neele Engelmann (Göttingen, GER), Katharina Kaiser (Regensburg, GER), Lando Kirchmair (Neubiberg, GER), Peter Königs (Karlsruhe, GER), Thomas Pölzler (Graz, AUT), Hanno Sauer (Utrecht, NED), Alex Wiegmann (Bochum, GER), Valerij Zisman (Bielefeld, GER)

Organisatorische Fragen beantwortet Trixi Valentin im Tagungsbüro. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung.


Tel: +49 521 106-2769
Fax: +49 521 106-152769
E-Mail: trixi.valentin@uni-bielefeld.de