ZiF-Arbeitsgemeinschaft
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Verflochtene Vergleiche: Methodologische Innovationen in qualitativer Asienforschung

Termin: 5. - 6. September 2019
Leitung: Joanna Pfaff-Czarnecka (Bielefeld, GER), Christiane Brosius (Heidelberg, GER)

Die Shaping Asia-Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Methoden zur Erforschung asiatischer Kulturen und Gesellschaften zu schärfen und zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist es, neue Kooperationen zwischen Geisteswissenschaftler*innen und Wissenschaftler*innen aus der qualitativen Sozialforschung an deutschen Universitäten im Austausch mit ihren Kolleg*innen an Partnerinstitutionen in verschiedenen Teilen Asiens zu aktivieren, insbesondere, aber nicht nur, in den ‚kleinen Fächern‘ und im Verbund miteinander. Der Ansatz besteht darin, neue Perspektiven auf die Herausforderungen vergleichender Vorgehensweisen zu ermöglichen und Zusammenhänge zu erfassen, die die Dynamik in Asien und die Position Asiens in einer globalisierten Welt prägen, ohne auf Inkommensurabilität oder Universalität, auf polare Oppositionen wie ‚Westen‘ und ‚Osten‘, ‚Zentrum‘ oder ‚Peripherie‘ aufzubauen. Die Tagungsleiterinnen und die an dieser Initiative beteiligten Wissenschaftler*innen arbeiten an der Entwicklung und Erprobung von Forschungsstrategien und -feldern, die einen relationalen, synergetischen Ansatz für verschiedene Wege ermöglichen, auf denen und durch die Regionen Asiens miteinander in Beziehung gebracht werden können. Wir meinen, dass das Konzept des ‚verflochtenen Vergleichs‘ diese Agenda adäquat positioniert.

Aus diesem Grund adressiert dieser Workshop vier grundlegende Herausforderungen, die die bisherige Asienforschung geprägt haben, und intendiert deren kritische Rekalibrierung:

  1. Partikularismus: Die meisten (durch intensive Beschäftigung mit Kulturen, Sprachen und Religionen) empirisch fundierten Asienforschungen sind in lokalisierte, nationale und/oder regionale Perspektiven unterteilt, und diese Spaltungen werden weiterhin von der Forschungspolitik und der akademischen Finanzierung beeinflusst;
  2. methodisches Zögern: In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler*innen begonnen, signifikante Zusammenhänge innerhalb des asiatischen Raums und darüber hinaus aufzudecken und neue Forschungsansätze vorzuschlagen, aber es fehlt an einer systematischen Reflexion über Methoden und Erkenntnistheorien, insbesondere im Bereich der Nachverfolgung von Konnektivitäten;
  3. vergleichende Verzerrung und Polarisierung: Während quantitative Untersuchungen vergleichende Methoden einsetzen (ohne feinkörnige Erkenntnisse über kulturelle Besonderheiten), wird die qualitative Forschung bei der Einbeziehung in Vergleiche generell herausgefordert. Außerdem fehlt es einer Reihe von Wissenschaftler*innen aufgrund der Kompartimentalisierung der Forschung innerhalb der so genannten ‚kleinen Fächer‘ häufig an vergleichenden Traditionen;
  4. epistemische Disjunktion: Qualitative, quantitative und gemischte Methoden haben zu unverwechselbaren und sich oft gegenseitig ausschließenden Daten, Statistiken oder Erzählungen geführt. Vernachlässigt wurde bisher, dass die vergleichende Forschung Wege reflexiver und multiperspektivischer Relationen anstelle von harten Kontrasten eröffnet und kollaborative Strategien integrativer Assemblagen, Montagen und Bricolagen unterschiedlicher Datendimensionen ermöglicht.
Tagungsprogramm
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Organisatorische Fragen beantwortet Trixi Valentin im Tagungsbüro. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung.


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