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Medien in der Katastrophe – Katastrophen in den Medien

Datum: 16. - 17. Juni 2011

Leitung: Gebhard Rusch (Siegen)

Medien (als Organisationen und als Kommunikationsmittel) fallen ganz besonders in Krisen- und Katastrophenlagen bedeutende Aufgaben in der Koordination des gesellschaftlichen (Über-)Lebens zu. Dazu gehören beispielsweise

Der erste Themenschwerpunkt des Workshops ›Medien in der Katastrophe‹ reißt somit ein Feld von kommunikativen und medialen Phänomenen an, das vom professionellen Katastrophenmanagement und der Einsatzkommunikation über die politische und organisationale Krisenkommunikation bis hin zur psychosozialen Betreuung reicht. Dabei übernehmen Massenmedien wie Presse, Radio und Fernsehen, verstärkt auch das Internet mit seinen Medienportalen (wie z.B. SPIEGEL-Online) und sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter usw.) nicht nur die klassische Berichterstatter-Rolle, sondern mischen sich als aktive Instanzen in das gesellschaftliche Katastrophenmanagement ein, indem sie Leistungen und Auftreten von Managern, Unternehmen/Organisationen und politischen Akteuren thematisieren und hinterfragen. Durch Bericht, Kritik und Reflexion einerseits, durch Integration von Bürgererfahrungen, Bürgermeinungen und bürger-generierten Inhalten andererseits nehmen sie mobilisierend und differenzierend an der sozialen Selbstorganisation der gesellschaftlichen Belastungsreaktion in der Katastrophe teil. Der Workshop untersuchte in diesem Zusammenhang vor allem die journalistischen Rollen und Leistungen der Presse und des Fernsehens sowie die Bedingungen, Anforderungen und Herausforderungen, denen sich Journalisten und die Medien in der Katastrophe gegenüber sehen. Paul-Elmar Jöris (WDR Hörfunk, Bereich Terrorismus-Berichterstattung) und Axel Bojanowski (SPIEGEL Online, Wissenschaftsjournalist mit Spezialisierung auf extreme Natureignisse) wiesen vor allem auf die problematischen strukturellen Bedingungen und Möglichkeiten der medialen Katastrophen-Berichterstattung hin, die weder ausreichend Zeit für Recherchen und die Bildung von Expertise lassen, noch den Rückgriff auf tatsächlich valide Quellen und sachhaltige Information von Experten aus Politik und Wissenschaften erlauben. Thorsten Manges (Pressesprecher Kreis Siegen-Wittgenstein) erläuterte anschließend die Schnittstellenfunktionen und Aufgaben von Pressesprechern in Krisenstäben.

Der zweite Themenschwerpunkt ›Katastrophen in den Medien‹ verweist dagegen auf Verarbeitungs- und Präsentationsmodi sowie auf Formen, Formate und Inhalte der Thematisierung von Katastrophen in Presse, Literatur, Film, Fernsehen und Web. Der Workshop konzentrierte sich hier vor allem auf journalistische und dokumentarische Formate, um deren Funktionen im gesellschaftlichen Umgang mit Katastrophen über primär qualitative Zugänge weiter zu erhellen. So widmete sich Ruth Ayaß’ (Universität Klagenfurt, Fellow der Forschungsgruppe) konversationsanalytische Untersuchung von TV-Berichterstattungen von Auslandskorrespondenten aus Katastrophengebieten einem bislang zumindest im deutschsprachigen Raum kaum beachteten Forschungsgegenstand. Sie arbeitete nicht nur die feste Verlaufsstruktur derartiger Beiträge eindrücklich heraus, sondern zeigte auch die Differenz zu anderen Sequenzen von Nachrichtensendungen auf, in denen spontane oder auch moralisierende Statements ebenso wie Spekulationen explizit ausgeschlossen werden sollen. Alexa Weik von Mossner (Rachel Carson Center, LMU München) stellte demgegenüber Analysen von einer Reihe von Dokumentarfilmen bzw. teils fiktionalen Doku-Dramen über den Klimawandel und die realen sowie prognostizierten Folgen der Umweltverschmutzung, also einer schleichenden Katastrophe, vor (z.B. Climate Refugees von Michael Nash (2010), The 11th Hour von Nadia Conners (2007) und The Age of Stupid von Franny Armstrong (2009)). Schließlich präsentierte Christina Bartz (Universität Paderborn) eine diskurs- und gesellschaftsanalytische Untersuchung zur medialen Verarbeitung des Fernsehfilms ›Der Untergang der Pamir‹ (2006), der die Ereignisse der letzten Fahrt des gleichnamigen deutschen Segelschulschiffes aufgreift, welches nach dem Zusammenprall mit einem Hurrikan im Jahr 1957 sank – was in einem damaligen SPIEGEL-Beitrag als ›Gefühl einer nationalen Katastrophe‹ thematisiert wurde.

Gerahmt wurde der Workshop von theoretischen Zugängen systemtheoretischer Provenienz, die Katastrophenberichterstattung unter dem Aspekt von (Welt-)Medienereignissen (Christian Morgner, Universität Luzern) und wesentlich als Selbst-Thematisierungen im Lichte und im Verlaufe außergewöhnlicher Belastungen des sozio-technischen gesamtgesellschaftlichen Systems betrachten.

Teilnemerinnen und Teilnehmer

Ruth Ayaß (Klagenfurt), Christina Bartz (Paderborn), Axel Bojanowski (Hamburg), Michael Bründl (Davos), Heike Egner (Klagenfurt), Ingrid Hudabiunigg (Chemnitz), Jürgen Jensen (Siegen), Paul-Elmar Jöris (Düsseldorf), Ryotaro Kajimura (Bielefeld), Stefan Kaufmann (Freiburg i.Br.), Torsten Manges (Siegen), Christian Morgner (Luzern), Peter Parkinson (Bielefeld), Johannes Piepenbrink (Bonn), Jörg Potthast (Berlin), Marén Schorch (Bielefeld), Ulrike Schröder (Bielefeld), Alexa Weik von Mossner (Fribourg)



For further questions, please contact the research group assistant:

Marén Schorch
Center for Interdisciplinary Research (ZiF)

Tel.: +49 (0)521 106-2776
communicating_disaster@uni-bielefeld.de



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