ZiF-Forschungsgruppe

'Felix Culpa'?

Zur kulturellen Produktivität der Schuld

Oktober 2018 - Juli 2019

Leitung: Matthias Buschmeier (Bielefeld, GER), Katharina von Kellenbach (St. Mary's City, USA)
Eröffnungskonferenz
Poster

Productive Guilt — Theoretical Approaches



29. - 31. Oktober 2018
Leitung: Matthias Buschmeier (Bielefeld, GER), Katharina von Kellenbach (St. Mary's City, USA)

Die internationale Tagung Productive Guilt – Theoretical Approaches bildete die Eröffnungskonferenz der ZiF-Forschungsgruppe 'Felix Culpa'? Guilt as Culturally Productive Force. Neben den Fellows der Gruppe nahmen weitere internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen als Referentinnen und Referenten an der Tagung teil. Insgesamt hat die Tagung erfolgreich dazu beigetragen, über die ersten internen theoretischen und systematischen Grundlagen der Forschungsgruppe hinausgehende theoretische Zugänge zu entwickeln. Die Tagung hat damit entscheidend die Ansätze und Themenfelder entfaltet, die für die weitere Zusammenarbeit der Gruppe wesentlich sein werden. In fünf Sektionen wurden Begrifflichkeiten und theoretische Rahmungen entwickelt, die die Produktivität der Schuld in kulturellen, ästhetischen politischen und moralischen Transformationen zu beschreiben versuchen. Die erste Sektion (What is Productive Guilt?) untersuchte auf Grundlage psychoanalytisch-anthropologischer, religionswissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Zugänge verschiedene Spielarten kultureller Produktivität in Schuldprozessen. Dabei wurde auch die politische Relevanz des Schuld-Begriffs in aktuellen Debatten diskutiert. Die zweite Sektion (Narrative Foundations of Productive Guilt) konzentrierte sich auf grundlegende Schulderzählungen im Bereich der Mythen und der Literatur, die besonders die westliche Schuldtradition mitbegründeten und den Kanon des Schuldverständnisses in der Psychologie, Philosophie, Religion, Rechtswissenschaft und Kunst mitgestaltet haben. Dabei wurden kulturhistorische Unterschiede deutlich, die darauf aufmerksam machten, den Umgang mit dem Phänomen Schuld historisch wie geographisch differenziert zu beschreiben. Die dritte Sektion (Guilt and Shame) beschäftigte sich mit der Rolle der Scham in Schuldzusammenhängen und ihrem transformativen Potential, das moralische Revolutionen angestoßen und befördert hat. Die vierte Sektion (Guilt and Debt) nahm die Frage der ökonomischen Verschuldung und den Umgang mit ihr in Kunst und Medien in den Blick und konzentrierte sich zudem auf individuelle Narrative ökonomischer Selbstverschuldung aus ethnologischer Perspektive. Das abschließende Panel (Guilt and Collectives) erforschte Schuld in sozialen Gruppen und Gemeinschaften, die sich entweder als Opfer- oder Täter-Kollektive in institutioneller, religiöser, nationaler oder ethischer Hinsicht definieren. Darüber hinaus hat die Installation der bildenden Künstlerin Jane Mulfinger (Santa Barbara) die Konferenz entscheidend bereichert und zu weiteren über die Wissenschaft hinausgehenden Diskussionen über das Thema beigetragen. Die Tagung hat damit auch auf diese Weise den interdisziplinären Austausch der Wissenschaften zur Kunst als einer zentralen kulturellen Praxis befördert, in der das Thema der Schuld seit jeher eine ganz entscheidende Rolle spielt und von daher auch besondere Bedeutung für das Selbstverständnis und die Selbstverständigung von Kulturen gewinnt.

So haben die Beitragenden aus Anthropologie, Literaturwissenschaft, Theologie, Soziologie, Philosophie, Altphilologie, Anglistik und Ethnologie zeigen können, inwiefern Schuld ein enormes Aktivierungspotential zur Verfügung stellt, für das Gesellschaften und Kulturen Formen des Umgangs benötigen. Die Konzentration auf das Einengende und Niederdrückende von Schuldgefühlen ebenso wie auf das passive Erleiden von Schuldzuschreibungen übersieht dieses Aktivierungspotential, dies haben alle Beiträge aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und mit Blick auf ganz verschiedene Schuld-Phänomene deutlich machen können. Ohne dass das aggressive und destruktive Potential von Schuld und Schuld-Narrativen aus dem Blick geraten wäre, hat die Tagung die Bedingungen und Voraussetzungen untersucht, unter denen Schuld-Diskurse transformierende und erneuernde Prozesse in einer Kultur anstoßen und vorantreiben können.

Für 2019 sind zwei weitere Workshops und eine ›Nachwuchstagung‹ geplant, die an die Eröffnungskonferenz systematisch und theoretisch anschließen und das Thema der Produktivität der Schuld weiter perspektivieren wollen. Dies sind die Workshops ›Unreinheit und Schuld‹ (Leitung: Meinolf Schumacher und Katharina von Kellenbach), der im März 2019 stattfinden wird, sowie Coming to Terms with Guilt. Forgiveness, Reconciliation, Healing and other Reactions to Guilt, der im Juni 2019 am ZiF von zwei Fellows (Leitung: Maria-Sibylla Lotter und Michael Lurie) ausgerichtet wird. Die Junior-Fellows der Gruppe (Valerij Zisman und Dominik Hofmann) organisieren zudem im Mai 2019 die Nachwuchstagung ›Schuldnarrative. Zum produktiven Umgang mit Schuld‹.

Diego Cristóbal Alegría Sabogal (Bochum, GER), Jan Andres (Bielefeld, GER), Felix Bathon (Bielefeld, GER), Maximilian Benz (Bielefeld, GER), Klaus-Michael Bogdal (Bielefeld, GER), John Borneman (Princeton, USA), Bettina Brandt (Bielefeld, GER), Nyla R. Branscombe (Lawrence, USA), Wolfgang Braungart (Bielefeld, GER), Holger Dainat (Bielefeld, GER), Susan Derwin (Santa Barbara, USA), Walter Erhart (Bielefeld, GER), Saskia Fischer (Bielefeld, GER), Peter Friedrich (Bielefeld, GER), Parvis Ghassem-Fachandi (New Brunswick, USA), Lutz Graner (Bielefeld, GER), Stephan Grätzel (Mainz, GER), Johannes Grave (Bielefeld, GER), Patrick Gray (Durham, GBR), Mareike Gronich (Bielefeld, GER), Elisabeth Gülich (Bielefeld, GER), Klaus Günther (Frankfurt (Main), GER), Arin Haideri (Bielefeld, GER), Marcus Hartner (Bielefeld, GER), Justus Heck (Bielefeld, GER), Dominik Hofmann (Bielefeld, GER), Victor Igreja (Toowoomba, AUS), Imke Jahns-Eggert (Bielefeld, GER), Petra Josting (Bielefeld, GER), Kai Kauffmann (Bielefeld, GER), Susanne Kaul (Paderborn, GER), Ina Kiel (Bielefeld, GER), Yechiel Klar (Tel Aviv, ISR), Christian Klöckner (Bonn, GER), Mona Körte (Bielefeld, GER), Kirsten Kramer (Bielefeld, GER), Helene Kraus (Bielefeld, GER), Karima Lanius (Bielefeld, GER), Michael Lindemann (Bielefeld, GER), Marius Littschwager (Bielefeld, GER), Malte Lorenzen (Bielefeld, GER), Maria-Sibylla Lotter (Bochum, GER), Michael Lurie (Hanover, USA), Helga Lutz (Bielefeld, GER), Dennis Marten (Mainz, GER), Ethel Matala de Mazza (Berlin, GER), Alexander Menden (Osnabrück, GER), Silke Meyer (Innsbruck, AUT), Joachim Michael (Bielefeld, GER), Angela Moré (Hannover, GER), Benno Nietzel (Bielefeld, GER), Katharina Peetz (Saarbrücken, GER), Joanna Pfaff-Czarnecka (Bielefeld, GER), Bianca Pick (Oldenburg, GER), Ulrike Preußer (Bielefeld, GER), Andreas Ransiek (Bielefeld, GER), Wilfried Raussert (Bielefeld, GER), Nathalie Sarthou-Lajus (Paris, FRA), Simon Schomäcker (Gelsenkirchen, GER), Meinolf Schumacher (Bielefeld, GER), Jorgen Sneis (Bielefeld, GER), Carlos Spoerhase (Bielefeld, GER), Monika Sproll (Bielefeld, GER), Miklós Takács (Bielefeld, GER), Nike Thurn (Berlin, GER), Nelly van Doorn-Harder (Winston-Salem, USA), Annette Vieth (Hannover, GER), Hans-Peter Waldhoff (Hannover, GER), Philipp Weber (Bochum, GER), Pierre-Frédéric Weber (Szczecin, POL), Jörg Wettlaufer (Göttingen, GER), Stefan Willer (Berlin, GER), Knut Wormstädt (Oldenburg, GER), Véronique Zanetti (Bielefeld, GER), Valerij Zisman (Bielefeld, GER)

Bei weiteren Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Saskia Fischer, Koordinatorin der Forschungsgruppe Felix Culpa.



E-Mail: productiveguilt@uni-bielefeld.de
Tel. +49 521 106-12836