ZiF-Forschungsgruppe

Weltweite Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten

Oktober 2020 – Juli 2021

Leitung: Alexandra Scheele (Bielefeld, GER), Julia Roth (Bielefeld, GER), Heidemarie Winkel (Bielefeld, GER)

Podcasts

Whose Rights, Which Rights?

Debatten über das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche und die Ehe für alle oder auch die Feindseligkeit gegenüber Feminist*innen und den Gender Studies machen eins deutlich - Frauen- und Geschlechterrechte werden vermehrt in Frage gestellt und angegriffen. Der Podcast 'Whose Rights, Which Rights?' greift diese Konflikte um Geschlecht, Gleichstellung und die Formulierung und Umsetzung von Rechtsansprüchen auf. In jeder Folge schauen wir uns einen Aspekt des Themas genauer an, wie zum Beispiel fundamentalistische Religion, die 'Care Krise' oder den erstarkenden Rechtspopulismus. Der Podcast basiert auf einer Kooperation der Forschungsgruppe mit dem Campusradios Hertz 87.9. Ausgehend vom aktuellen Stand der Debatte werden wir in jeder Folge das jeweilige Forschungsgebiet der Fellows erkunden und genauer nachfragen, wie und warum Frauen- und Geschlechterrechte angegriffen werden. Da es sich um eine international zusammengesetzte Forschungsgruppe handelt, werden alle Interviews auf Englisch geführt.

Musik: Broke für Free - Melt (CC BY 3.0), Mello C - Deporaju (CC BY-NC 4.0)

Episode 1: Vorstellung der Forschungsgruppe (Heidemarie Winkel, Alexandra Scheele, Julia Roth)

In der ersten Folge stellen wir die interdisziplinäre Forschungsgruppe des ZiF und ihre Leiterinnen vor. Wir diskutieren über die drei Hauptforschungsthemen: geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Care Work, autoritäre Formen von Religion und deren Instrumentalisierung sowie die Vergeschlechtlichung von Staatsbürgerschaft und die Infragestellung von sexuellen Rechten.

Gäste: Alexandra Scheele, Heidemarie Winkel, Julia Roth

Episode 2: Feministische Religionskritik (Ina Kerner)

Feministische und wissenschaftliche Religionskritik sind aus unterschiedlichen Gründen wichtig. In dieser Folge klären wir mit Prof. Dr. Ina Kerner, woher die Relevanz kommt. Katharina Ußling diskutiert außerdem mit Ina Kerner über die Vereinnahmung von Religionskritik durch rechte Gruppen, insbesondere die AfD, und die Vermischung von Feminismus mit antimuslimischem Rassismus.

Gäste: Ina Kerner

Episode 3: Religiöse und säkulare Frauenbewegungen (Fatima Sadiqi, Shirin Zubair)

Frauen und Gender-Bewegungen gibt es auf der ganzen Welt und obwohl sie häufig für die gleichen Ziele kämpfen, gibt es nicht die eine feministische Bewegung oder den einen Feminismus. In dieser Folge sprechen wir über das Verhältnis von religiösen und säkularen Frauenbewegungen in Pakistan und den Ländern Nordafrikas. Katharina Ußling spricht mit Prof. Fatima Sadiqi und Prof. Shirin Zubair über den Einfluss westlicher Werte, Modernität, den Arabischen Frühling und die Instrumentalisierung von Religion durch extremistische Gruppierungen.

Gäste: Fatima Sadiqi, Shirin Zubair

Episode 4: Wie werden Geschlechterrechte und reproduktive Rechte heutzutage in Frage gestellt? (Andrea Pető)

Nur 55% aller Frauen weltweit sind körperlich selbstbestimmt. Fast die Hälfte aller Frauen kann nicht entscheiden, ob sie Sex haben, Kinder bekommen oder medizinische Versorgung in Anspruch nehmen wollen. Und dabei reden wir noch nicht einmal über LGBTQIA-Rechte. Ist eine dystopische Welt à la Margaret Atwoods „The handmaid´s tale“ doch denkbarer als wir uns vorstellen wollen? Welchen Einfluss haben rechtskonservative und rechtspopulistische Regierungen, wie in Ungarn oder Polen, auf sexuelle und reproduktive Rechte in ganz Europa? Darüber spricht Katharina Ußling mit Prof. Andrea Pető, Dozentin am Department of Gender Studies, Central European University, deren Studiengang aktuell nicht mehr in Ungarn akkreditiert sein darf.

Gäste: Andrea Pető

Episode 5: Rechtspopulismus und die Anti-Gender-Bewegung (Birgit Sauer, Julia Roth)

Jair Bolsonaro in Brasilien, Victor Orban in Ungarn oder Sebastian Kurz in Österreich – Länder auf der ganzen Welt werden immer noch oder wieder von rechtskonservativen bis rechtspopulistischen Politiker*innen regiert. Doch rechtspopulistische Ansichten und geschlechterfeindliche Ideologien finden sich auch in unserem gesamten Umfeld, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Familie. Doch wie beeinflusst der Anti-Gender-Diskurs unser tägliches Leben, die gesellschaftliche Debatte und den politischen Diskurs? Welchen Einfluss hat das auf Frauen- und LGBTIQ-Rechte?Darüber spricht Katharina Ußling in dieser Folge mit Prof. Birgit Sauer, Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Wien und Prof. Julia Roth, Professorin für American Studies an der Universität Bielefeld.

Gäste: Birgit Sauer, Julia Roth

Episode 6: Frauenrechte in Nigeria (Onyinye Durueke)

Was passiert, wenn mächtige Menschen, Unternehmen und Politiker*innen ein Land ausbeuten, weil es reich an Öl und Gas ist? Wie sieht der Kampf um die Rechte der Frauen aus, wenn Bildung eine knappe Ressource ist? In dieser Folge geht es um eine ganz konkrete Feldstudie in Nigeria. Katharina Ußling spricht mit Dr. Onyinye Durueke, einer Wissenschaftlerin für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsstudien mit dem Schwerpunkt Gender, über die Auseinandersetzungen um die Verwaltung der natürlichen Ressourcen in den Gemeinden des Nigerdeltas in Nigeria. Derzeit ist sie Senior Lecturer am Centre for Conflict and Gender Studies an der Universität von Port Harcourt in Nigeria.

Gäste: Onyinye Durueke

Episode 7: Post-colonial Perspectives on Women's and Gender Rights (Ligia Fabris)

Edward Said hat mit Orientalism im Jahr 1978 den Grundstein für den heutigen Postkolonialismus gelegt und viele Anknüpfungspunkte für wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatten geliefert. Wie wichtig postkoloniale Perspektiven sind, sehen wir nicht nur in der akademischen Forschung, sondern auch, wenn in den Nachrichten darüber berichtet wird, dass Statuen von Kolonialherren und Sklavenhändlern in Hafenbecken versenkt werden. In dieser Folge sprechen wir über postkoloniale Perspektiven auf Frauen- und Geschlechterrechte, insbesondere wenn es um Frauen in der Politik, geschlechtsspezifische politische Gewalt und die Rechte von Trans-Personen im Schnittfeld von Recht, Gender Studies und politischer Theorie geht.

Katharina Ußling spricht mit Ligia Fabris, wissenschaftliche Mitarbeiterin an Rio de Janeiros Law School der Getulio Vargas Foundation und Doktorandin an der Humboldt Universität zu Berlin, wo sie eine vergleichende Forschung zu Transgender-Rechten in Brasilien und Deutschland durchführt.

Gäste: Ligia Fabris

Episode 8: Covid-19 State Responses as Contestation Within Global Capitalism and the Multi-layered Meaning of Social Reproduction (Martina Sproll, Ania Plomien)

Ein Thema ist seit Anfang 2020 überall: die Covid-19-Krise. Der globale Umgang mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen ist sehr unterschiedlich. Aber klar ist: noch mehr benachteiligt werden die, die eh schon benachteiligt sind: zu Hause kümmern sich wieder mehr Frauen um die Care-Arbeit, Menschen in unterbezahlten Berufen und in der Pflege – die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern scheint sich durch die Covid-19-Krise eher noch zu verschärfen. Darüber spricht Katharina Ußling in dieser Folge mit Prof. Dr. Martina Sproll und Associate Professor Dr. Ania Plomien.

Gäste: Martina Sproll, Ania Plomien

Episode 9: Radical Theory of Democracy: A Perspective to Understand the Contestations of Gender Rights (Karsten Schubert & Lívia de Souza)

Bereits in anderen Episoden des Podcasts haben wir darüber gesprochen, wie demokratische Prinzipien in Frage gestellt werden und die Repräsentation und Partizipation einzelner Gruppen eingeschränkt wird. Das ist z.B. in Ungarn der Fall, wenn die Regierung Gleichstellungsziele in Frage stellt oder die LGBTIQ-Community massiv unter Druck setzt und unsichtbar macht. Es ist aber auch dann problematisch, wenn demokratische Teilhabe mit Hilfe von Religion negiert wird. Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, sich grundsätzlich mit Demokratie auseinandersetzen – und zwar nicht nur als Staatsform, sondern als Idee der Emanzipation und der Selbstbestimmung innerhalb eines Gemeinwesens. In dieser Folge spricht Katharina Ussling mit Dr. Karsten Schubert und Lívia de Souza Lima, Doktorandin an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld, über den Beitrag der radikalen Demokratietheorie zum Verständnis der Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten.

Gäste: Dr. Karsten Schubert, Lívia de Souza Lima

Episode 10: Global Contestations of Gender Rights - a conclusion (Alexandra Scheele & Julia Roth)

Zum Abschluss unserer Podcasts spricht Katharina Ussling noch einmal mit zwei der Leiterinnen der Forschungsgruppe – Dr. Alexandra Scheele und Prof. Julia Roth – über die Ergebnisse der Forschungsgruppe „Weltweite Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten“ am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Sie fragt nach den Ergebnissen der gemeinsamen Arbeit, der Bedeutung von Interdisziplinarität und Internationalität und nach den Perspektiven für die Weiterarbeit. Außerdem sprechen sie über die aktuelle Publikation, den Sammelband Global Contestations of Gender Rights (Link), sowie weitere Veranstaltungen (Link).