ZiF-Kopfgrafik
 
 

ZiF-Kooperationsgruppe

Public Health Genetics

1. Oktober 2003 - 31. März 2004

Leitung: Prof. Dr. Angela Brand (Bielefeld), Prof. Dr. Alfons Bora (Bielefeld) und Prof. Dr. Notburga Ott (Bochum)

Die Post Genom-Ära hat die Diskussion um ein sich wandelndes Verständnis von Krankheit und Gesundheit sowie um neue Ansätze von Prävention und Therapie in Gang gesetzt. Doch welche Konsequenzen lassen sich aus diesem Wissen für das Öffentliche Gesundheitswesen ziehen? Wie kann dieses Wissen verantwortungsvoll in Politik und Praxis umgesetzt werden? Bereits zum jetzigen Zeitpunkt wird deutlich, dass die Berücksichtigung genetischer Informationen bei Maßnahmen der Gesundheitsversorgung und -sicherstellung nicht nur eine der wichtigsten zu-künftigen Herausforderungen für Public Health, sondern für das gesamte deutsche Sozial- und Gesundheitswesen sein wird.
Einschneidende Veränderungen und große Erfolge der Genetik werden insbesondere von gezielten Präventionsmaßnahmen erwartet. Die Frage nach den Folgen genetischer Ungleichheit wird die Herausforderung künftiger Sozialpolitik sein. Die gesundheitspolitische Diskussion hat diese Fragen bislang kaum aufgegriffen. Manche der heute diskutierten Lösungsvorschläge zur Kostendämpfung, die auf Stärkung des Wettbewerbsgedankens bei gleichzeitiger Wahrung eines breiten Solidarkonzeptes setzen, mögen dabei Strukturen er-zeugen, die unter dem Ge-sichtspunkt der präventiven Medizin vielleicht gerade die falschen Anreize setzen. Daher ist es dringend notwendig, bei den anstehenden Strukturänderungen im Gesundheitswesen diese Aspekte mitzubedenken, um nicht bei der immer am kurzfristigen Handlungsbedarf orientierten Politik Weichen für eine langfristige Entwicklung zu stellen, die später nur schwer korrigierbar sind.

Welche Angebote müssen auf welchen Ebenen sichergestellt werden? Wie müssen Institutionen gestaltet sein? Bei der Umsetzung der Erkenntnisse von Public Health Genetics in Politik und Praxis sind es insbesondere drei Schlüsseldisziplinkomplexe, die hierbei eine ganz wesentliche Rolle spielen:

1. Genetische Epidemiologie: Welchen Stellenwert hat der "Risikofaktor Genetik" bei der Gewichtung der Interaktionen von Umweltfaktoren und Genetik in Bezug auf bestimmte Erkrankungen? Welche Rolle spielt die individuelle Suszeptibilität für Infektionserkrankungen, Pharmaka, arbeitsplatzbedingte Noxen, riskante Lebensweisen etc.?
2. Sozialethik/Medizinsoziologie: Wie ist das Verständnis der Gesellschaft von Solidarität, Freiheit und Gleichheit im Umgang mit Gesundheit und Krankheit? Welche Gerechtigkeitsdimensionen wie etwa Bedarfsgerechtigkeit oder Partizipationsgerechtigkeit lassen sich bei der Implementierung von Angeboten aufstellen?
3. Sozialpolitik/Ökonomie: Muss angesichts der Wandlung des Risikobegriffs das Verhältnis von Solidarität und Eigenver-antwortung in der Sozialpolitik neu bestimmt werden? In welchem Umfang sollen die gesellschaftlichen Ressourcen für den Gesundheitsbereich und andere Lebensbereiche eingesetzt werden?

Im Vergleich zu den USA und anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Italien und den Niederlanden ist Public Health Genetics in Deutschland bislang weder etabliert noch institutionalisiert. In Deutschland befassen sich derzeit zwar einzelne Forscher aus den verschiedensten Bereichen mit Fragestellungen von Public Health Genetics. Es fehlt jedoch eine gemeinsame interdisziplinäre Kommunikationsplattform.
Ziel der Kooperationsgruppe ist es daher, zunächst einmal die bereits vorhandenen Kompeten-zen aus diesen Disziplinen in Form einer zielgerichteten Diskussion zu bündeln. Hierzu soll sowohl ein nationales als auch ein internationales interdisziplinäres Kooperationsnetz im Sinne neuer Strukturen aufgebaut werden. Unter anderem werden zu diesem Zweck "Senior scientists" aus den USA und Großbritannien als Impulsgeber vor Ort am ZiF sechs Monate lang mit deutschen Fellows bzw. Nachwuchswissenschaftlern eng zusammenarbeiten.

Dr. Karl Kälble hat für die ZiF:Mitteilungen 2/2004 eine Übersicht der Fragestellungen der Kooperationsgruppe formuliert, die Sie sich auch als PDF-Dokument herunterladen können.

Abschlussbericht der ZiF:FG (PDF-Datei, ca. 36 kB)



ZiF - Zentrum für interdisziplinäre Forschung - Startseite > Übersicht der Kooperationsgruppen des ZiF > ZiF:KG Public Health Genetics >