ZiF Kooperationsgruppe

Volcanoes, Climate and History

November 2021 – Oktober 2023

Ulf Büntgen (Cambridge, GBR)

Einführung

Vulkane

Vulkanausbrüche können das globale Klimasystem beeinflussen, und Klimavariabilität stellt eine besondere Herausforderung für geschichtliche Fragestellungen dar. Auch wenn der Verlauf der Menschheitsgeschichte während der letzten Jahrtausende durch zahlreiche Umweltfaktoren mitbeeinflusst wurde, hadern viele Historiker und Archäologen noch immer damit, naturwissenschaftliche Evidenzen zum Verständnis politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen zu berücksichtigen. Zudem findet die Untersuchung komplexer Mensch-Umweltbeziehungen meistens innerhalb etablierter Wissenschaftsdisziplinen statt.

VCH soll durch Dialog und Debatte zwischen wissenschaftlichen Disziplinen und theoretischen Denkschulen zu Erkenntnisgewinn führen. In fünf einwöchigen Arbeitstreffen der siebenköpfigen Kerngruppe und weiteren Gastwissenschaftlern sollen verschiedene epistemologische und methodische Herangehensweisen und Datensätze berücksichtigt werden, um Prozesse und Faktoren von Vulkanausbrüchen, Klima- und Umweltveränderungen und gesellschaftlichem Wandel zu analysieren. Diagnostische Stärken von raumzeitlich hochaufgelösten paläoklimatischen Rekonstruktionen und Modelsimulationen sollen in historische Studien und deren Argumentationsabläufen eingebunden werden. Anhand sorgfältig ausgewählter Beispiele wird der Einfluss großer Vulkanausbrüche auf vergangene, aktuelle und zukünftige Umwelt-Mensch Beziehungen diskutiert. Reduktionistische und deterministische Erklärungsansätze sollen beim Beantworten der folgenden Kernfragen vermieden werden: Wie haben Vulkanausbrüche das globale Klimasystem beeinflusst, und wie haben dadurch ausgelöste Umweltveränderungen Landwirtschaft, Siedlungsverhalten, Handel und Konflikte sowie demografische und politische Strukturen beeinflusst? Wie haben unterschiedliche Gesellschaften während des Holozäns und in bestimmten Regionen auf direkte und indirekte Einflüsse von Vulkanismus reagiert, und warum waren einige Eruptionen katastrophaler als andere? Welche Rolle spielten Vulkanausbrüche und die damit verbundenen Klima- und Umweltveränderungen bei historischen Pest-Pandemien?

VCH wird konzeptionell und methodisch neue Wege gehen, um vergleichende Grundlagenforschung möglichst innovativ an der Schnittstelle zwischen Archäologie, Geschichte, Klimatologie, Ökologie und Vulkanologie zu etablieren. Mit der Auswertung naturwissenschaftlicher und gesellschaftlicher Datenbanken sollen bestehende Wissenslücken langfristig überwunden werden. Der interdisziplinäre Ansatz soll den geschichtlichen Entwicklungsverlauf im Kontext sich ständig verändernder Klima- und Umweltbedingungen diskutieren. Durch seine akademische und politische Bedeutung rund um den Globalen Klimawandel erfährt das Projekt seine gesellschaftliche Relevanz. Ergebnisse der Arbeitstreffen werden nicht nur in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert, sondern durch aufwendige Medienarbeit einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

VCH wird einen hochwertigen Dokumentarfilm über die konzeptionellen, intellektuellen und persönlichen Aspekte des Projektes drehen. Anhand von Experteninterviews soll der Nexus von Vulkanen, Klima und Geschichte aus unterschiedlichen epistemologischen Perspektiven dargestellt werden. Weiterhin soll der Film die Veränderung von akademischen Modellen, wissenschaftlichen Paradigmen und gesellschaftlichen Wahrnehmungen während der letzten 50 Jahre reflektieren. Schlussendlich soll der Dokumentarfilm die Tragweite von Vulkanen im Kontext von Klima- und Umweltwandel darstellen, indem er sich durch den interdisziplinären Diskurs renommierter Natur- und Geisteswissenschaftler schlängelt.