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Teilprojekt 1.4: Einsatz technischer Unterstützungssysteme zur Diagnose und therapeutischen Intervention von psychischen Erkrankungen (Katharina Suhre)

Kurzbeschreibung
Bedingt durch die in den letzten Jahren wachsende Zahl von Asylbewerbern in Deutschland (bis zu 890.000 im Jahre 20161) ist Integration von Geflüchteten in allen Aspekten des alltäglichen Lebens ein stark diskutiertes Thema geworden. Auch wenn psychische und physische Gesundheit den Grundstein einer erfolgreichen Integration bilden2, erhalten viele Geflüchtete in der Europäischen Union eine nicht ausreichende Versorgung3. Eine Reihe von Barrieren innerhalb des Gesundheitssystems sind Verantwortlich für diesen Zustand, wie beispielsweise die Sprachbarriere, unklare Asylanträge und mangelnde Rücksprache zwischen unterschiedlichen Gesundheitsdienstleistern4,5.

Obwohl bereits bekannt ist, dass posttraumatische Erkrankungen wie PTSD neuropsychologische und sprachliche Aufgaben, Schulnoten und schlechtere Leistungen in Sprachschulen6,7,8 beeinflussen, ist die Zahl spezialisierter Behandlungsplätze in Deutschland immer noch nicht ausreichend für die hohe Prävalenzrate von psychischen Erkrankungen bei Geflüchteten. Unter Berücksichtigung des Smartphones als "einen essentiellen Teil der Ausrüstung für Millionen während der Reise"9, eine Smartphone-basierte Applikation scheint die passendste Alternative um eine mölichst große Zahl an Geflüchteten zu erreichen.

Eine Reihe von Anwendungen bezüglich physischer und psychischer Gesundheit sind bereits verfügbar (z.B. PTSD Coach, Coach PTBS, AOK Health Navigator) in unterschiedlichen Sprachen, ein Fokus auf Geflüchtete und ihre spezifischen Anforderungen an eine Anwendung sind derzeit noch nicht verfügbar.

Beschreibung 'Wellbeing Companion'
Der 'Wellbeing Companion' ist eine eMental Health Anwendung, die therapie-begleitend eingesetzt werden soll. Sie bietet sowohl für den Therapeuten, als auch für den Patienten eine unterschiedliche Oberfläche, wobei die Oberfläche für den Patienten in Form eine Smartphone App realisiert wurde und die des Therapeuten in Form einer Web-Application, die einfach über den Browser erreichbar ist.
Das Ziel der Anwendung ist es, Teile der Therapie wie zum Beispiel das Führen von einem Stimmungstagebuch als Therapie-Hausaufgabe für die Patienten zu erleichtern und eine schnelle Einsicht und Auswertung selbiger für den Therapeuten zu ermöglichen. Wichtig ist dabei, dass es einen modularen Aufbau der Anwendung geben soll. Das heißt, dass der Therapeut in seinem Teil des 'Wellbeing Companion', also der Web-Application, schnell und einfach zusammenstellen kann, was sein Patient in der App nutzen kann und was nicht. Man kann sich das so vorstellen: Die App des Patienten ist erst einmal vollkommen ohne Funktionen. Der Therapeut kann dann in seiner oder ihrer Web-Application den Patienten auswählen und durch einfaches zusammenklicken die Module wie z.B. Schlaftagebuch, Stimmungstagebuch, und so weiter, für den Patienten freischalten. Wenn dieser jetzt das nächste Mal die App öffnet, dann kann er im Hauptmenü seiner App nun auch all diese Funktionen nutzen, die er vorher nicht zur Verfügung stehen hatte.

Verbindung 'Wellbeing Companion'
Damit ein Therapeut die Anwendung eines Patienten freischalten darf, muss dieser erst vom Patienten als Therapeut registriert werden. Die Registrierung läuft hierbei ganz simpel. Der Therapeut kann über "Teilnehmer hinzufügen" in seiner Webapplication einfach einen QR Code erzeugen, den der Patient wiederum mit seiner App einliest und bestätigt. Auf diese Weise kann ganz simpel eine Verbindung der beiden Applikationen erstellt werden, die natürlich von beiden Seiten jederzeit widerrufen werden kann. Connection Smartphone Webapplication Diagram

 

Interesse am 'Wellbeing Companion'?
Sowohl Studierende, die gerne an dem Projekt mitwirken möchten (in Form von Projekten oder Abschlussarbeiten), interessierte Forscher aus zugehörigen Fachbereichen oder auch interessierte Gesundheitsdienstleister können sich gerne melden, um weitere Informationen über das Projekt und den 'Wellbeing Companion' zu erhalten. Ich freue mich stets über einen Austausch zu dem Thema!

 

Sie können mich auf folgende Weise erreichen:
Tel.: 49 (0) 521 | 106 3890
Mail: ksuhre@techfak.uni-bielefeld.de

 

Bisherige Vorstellungen 'Wellbeing Companion'

  • 2017: Technology4Wellbeing, Dublin, Ireland: Präsentation 'Towards a Companion App Supporting Psychotherapy and Counseling of Refugees: Results from Expert Interviews'
  • 2018: eMental Health, Vancouver, Canada: Poster 'Towards a Companion App For Supporting Psychotherapy and Counseling of Refugees'

1. [BAMF 2016]
2. [A. Ager and A. Strang. Understanding Integration: A Conceptual Framework. Journal of Refugee Studies, 21, 2008.]
3. [H. Bradby, R. Humphris, D. Newall, and J. Phillimore. Public Health Aspects of Migrant Health: A Review of the Evidence on Health Status for Refugees and Asylum Seekers in the European Region. WHO Health Evidence Network Synthesis Reports. Copenhagen:WHO Regional Office for Europe, 2015.]
4. [M. Norredam, and A. Mygind and A. Krasnik. Access to Health Care for Asylum Seekers in the European Union ? A Comparative Study of Country Policies. European Journal of Public Health, 16:285?289, 2005.]
5. [A. Bischoff, P.A. Bovier, R. Isah, G. Françoise, E. Ariel and L. Loutan. Language Barriers Between Nurses and Asylum Seekers: Their Impact on Symptom Reporting and Referral. Social Science & Medicine, 57:503?512, 2003.]
6. [T. Elbert, M. Schauer, E. Schauer, et al. Trauma-related Impairment in Children ? An Epidemiological Survey in Sri Lankan Provinces Affected by Two Decades of Civil War and Unrest. Child Abuse & Neglect, 33:238?246.]
7. [A.E. Yasik, P.A. Siagh, R.A. Oberfield, and P.V. Halamandaris. Posttraumatic Stress Disorder: Memory and Learning Performance in Children and Adolescents. Biological Psychiatry, 61:382?388, 2007.]
8. [H.P. Söndergaard and T. Theorell. Language Acquisition in Relation to Cumulative Posttraumatic Stress Disorder Symptom Load Over Time in a Sample of Re-settled Refugees. Psychotherapy and Psychosomatics, 73:320?323, 2004.]
9. [Mason B. and D. Buchmann. ICT4Refugees: A Report on the Emerging Landscape of Digital Responses to the Refugee Crisis, 2016]