Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

 
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Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaften
Bielefelder Literaturwissenschaftler Dr. Matthias Buschmeier wirbt Forschungsgruppe ein

Unter der Leitung von Dr. Matthias Buschmeier (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Katharina von Kellenbach (St. Mary's College of Maryland, USA) wird die Forschungsgruppe Felix Culpa – Zur kulturellen Produktivität der Schuld ihre Arbeit im akademischen Jahr 2018/19 am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) aufnehmen. Dafür kommen 12 Fellows nach Bielefeld. Auch der Bielefelder Mediävist Prof. Dr. Meinolf Schumacher ist als Fellow an der Gruppe beteiligt. Die Fördersumme beträgt 600.000 Euro.

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Bereits im März 2017 haben Dr. Matthias Buschmeier und Prof. Dr. Katharina von Kellenbach eine Arbeitsgemeinschaft am ZiF initiiert, die sich mit der Frage nach der kulturellen Produktivität der Schuld beschäftigte. Unter ihrer Leitung wurde nun auch eine zehnmonatige Forschungsgruppe im ZiF bewilligt, die sich mit diesem Themenkomplex in interdisziplinärer Perspektive intensiv auseinandersetzen wird. An der Forschungsgruppe sind ab Oktober 2018 hochrangige internationale Wissenschaftler aus der Philosophie, der Literatur- und Religionswissenschaft, der Anthropologie, Internationale Beziehungen, der Klassischen Philologie, der Mediävistik und der Psychologie beteiligt. Die Fellows kommen von renommierten Universitäten aus dem In- und Ausland: Princeton, Dartmouth, Rutgers, der UC Santa Barbara, der University of Southern Queensland, der Wake Forest University, der Humboldt-Universität Berlin, der Ruhr-Universität Bochum, der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Hannover und aus Bielefeld.

Sie gehen gemeinsam der Frage nach, inwiefern Schuld als produktive Kraft in kulturellen Legitimations- und Transformationsprozessen bedeutsam ist. Dabei zielen die Studien der Forschungsgruppe darauf, Schuld als eine in vielerlei Hinsicht wirkungsvolle Größe in der Entwicklung und Transformation von Kultur zu untersuchen, die auch für die Ausbildung kultureller Zusammengehörigkeit eine wichtige Rolle spielt. Ins Zentrum rücken dabei besonders die kulturellen Diskurse und symbolischen Repräsentationen von Schuld. Entgegen derzeitiger Forschungsansätze liegt der Schwerpunkt der Forschungsgruppe nicht auf den belastenden und destruktiven Auswirkungen der Schuld, von denen sich Individuen wie Gesellschaften befreien oder entlasten wollen. Zur produktiven Dynamik der Schuld gehört eben nicht ausschließlich ein passives Erleiden von Schuldzuschreibungen, sondern auch Schuldabwehr, Schulderlösung, Schulderlass und Schuldtilgung: also aktive Schuldaushandlungen, kommunikative Prozesse der Entschuldigung und des Abarbeitens von Schuld. Die Konzentration auf das Einengende und Niederdrückende von Schuldgefühlen übersieht, dass der Schuld auch in vielen mythischen Erzählungen vom Ursprung der Kultur eine legitimierende und produktiv-dynamisierende Rolle zukommt. Es scheint geradezu ein Charakteristikum zu sein, dass Kulturen aus der Spannung von Schuldzuschreibung, Schuldabwehr und -entlastung und deren narrativer Iteration ihre innere Dynamik und kosmologische Kohärenz gewinnen. Mithin eröffnet ein reflektiertes Schuldbewusstsein einer Kultur die Möglichkeit, zentrale ethische Wertmaßstäbe auszubilden, die soziales Zusammenleben entscheidend gestalten helfen.

Den Auftakt des Präsenzjahres der Fellows im ZiF bildet eine große Eröffnungstagung vom 29. bis 31. Oktober 2018, die sich dem Begriff der produktiven Schuld zuwenden und theoretische Zugänge zu ihm entfalten wird.

Save the date!

Bei weiteren Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Saskia Fischer, Koordinatorin der Forschungsgruppe Felix Culpa, E-Mail: productiveguilt@uni-bielefeld.de; Tel. +49 521 106-12836

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Zu den laufenden Forschungsprojekten von
Frau Prof'in Dr. Friederike Kern
Epistemologische Moderne: Zur Empirisierung von Natur und Kultur um 1830 PD Dr. phil habil. Dr. med habil. Martina King


Das Projekt erforscht den fundamentalen Wandel im kulturellen Wissenssystem zwischen 1820 und 1850 und begreift diese unterschätzte Epoche als 'epistemologische Moderne' mit prägender Bedeutung für den weiteren technisch-kulturellen Modernisierungsprozess.

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Ausgangspunkt ist eine neuartige Wirklichkeitsöffnung im gesamten intellektuellen Raum, die sich mit dem Begriffspaar 'Erfahrungsdruck' und 'Empirisierungszwang' (Lepenies) fassen lässt. Hängt der neuartige Erfahrungsreichtum offensichtlich mit der Entwicklung von Verkehrs- und Wissenschaftstechnologien und ganz allgemein mit der Entstehung der modernen Lebenswissenschaften zusammen, so hinterlässt er doch als transdiskursives Phänomen seine Spuren in Naturforschung und Literatur; genau genommen in deren Aufzeichnungsformen und Schreibweisen. Diese transdiskursive Wirklichkeitsöffnung wird besonders deutlich in jener Textsorte, die Naturforschung und Literatur gemeinsam haben und die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts enorme Konjunktur erlebt: im Reisebericht. Das Projekt geht anhand einer Vielzahl von faktualen Reisetexten des biogeographischen und des politisch-literarischen Diskurses, u.a. von Adelbert von Chamisso, Richard Schomburgk, Eduard Poeppig, Charles Lyell, Heinrich Heine, Ludolf Wienbarg, Theodor Mundt und Heinrich Laube etwaigen Strukturparallelen nach und frägt insbesondere nach zeittypisch hybriden Schreibweisen: In beiden Texttypen erzeugen der ständige Wechsel von Narration und Deskription, die Integration von Zahlen, Statistiken, Abbildungen und Intertexten ein buntes, montagehaftes Ganzes, das sich vom geschlossenen Kunstwerk der 'Kunstperiode' entschieden verabschiedet - in Heines Worten 'ein zusammengewürfeltes Lappenwerk'. Dem entspricht auf Inhaltsebene, dass sowohl naturkundliche als auch literarische Reisetexte vollkommen heterogene, materiale und abstrakte Gegenstände - Fischflossen, Regierungsformen, Arkadiensehnsucht - als statusgleiche Elemente einer vielfältigen neuen Welt des empirischen Wissens behandeln und auf diese Weise Wirklichkeit unmittelbar erfahrbar werden lassen. Eine solch artistische Realitätsabbildung mit der Materialität von Zeichen dezentriert das auktoriale Subjekt, das als Kreator und Kopist gleichermaßen erscheint. Insgesamt zielt das Projekt darauf, in solch dissoziativen Repräsentationsformen und der daran geknüpften Ambivalenz des Subjekts das eigentlich Moderne der 'epistemologischen Moderne' freizulegen. Dabei soll gezeigt werden, wie weit Naturforschung und Literatur gerade im Moment ihrer Ausdifferenzierung in autonome Teilsysteme gleichwohl auf repräsentationaler Ebene miteinander verzahnt sind, so dass von einer wechselseitigen Biologisierung der Literatur und Literarisierung der Biologie auszugehen ist.

Zur Person

Martina King ist habilitiert in Neuerer deutscher Literatur und Medizingeschichte und forscht im Bereich literarischer Wissenskulturen. Besondere Forschungsinteressen sind die Literatur- und Kulturgeschichte der Mikrobiologie, historische Narratologie sowie die Kulturgeschichte der Lebenswissenschaften im 19. Jahrhundert. Ab August 2018 wird sie als ordentliche Professorin für Medical Humanities an der Universität Fribourg tätig sein.


Ereigniskonzeptualisierung und sprachliche Realisierung

Seit 2015. Für die Enkodierung von Ereignissen sind die Argumentstruktur und die Unterscheidung von Argumenten und Adjunkten besonders wichtig, doch diese Konzepte werden kontrovers diskutiert. Das Projekt nähert sich dem Problem aus psycholinguistischer Perspektive, indem es die Produktion von Sätzen an der Schnittstelle zwischen Konzeptualisierung und Formulierung experimentell untersucht. Die Daten sollen genutzt werden, um relevante Repräsentationen und Prozesse zu spezifizieren und in ein Modell der Sprachproduktion zu integrieren. So sollen sie schließlich zu einer kognitionswissenschaftlichen Fundierung der relevanten linguistischen Begriffe führen.

Weitere Informationen:


Europa erfindet die Zigeuner

Seit 2007. Die monographische Untersuchung, die aus dem von der VW-Stiftung geförderten Projekt hervorgehen wird, befasst sich mit dem Phänomen der über 500-jährigen Präsenz von "Zigeunern" in der Literatur und Kunst Europas. Angelegt als interdisziplinäre Gedächtnisgeschichte, geht sie der Frage nach, wie es dazu kam, dass die kleine, politisch und ökonomisch eher einflusslose und kulturell marginalisierte Volksgruppe der Sinti und Roma so stark im kulturellen Gedächtnis Europas verankert ist.

Weitere Informationen:

LISFör

Seit 2010.Literalität und Interaktion in der Sprachförderung. Evaluation des Projekts MitSprache der Stadt Bielefeld zur durchgängigen Sprachförderung in der Grundschule und im Übergang zur Sekundarstufe

Weitere Informationen:

LiKom

Seit 2008. Im letzten Jahrzehnt hat sich die Bildungsforschung verstärkt der Untersuchung literaler Fähigkeiten und Kompetenzen zugewandt. Doch anders als die Sprachentwicklungs- und auch die Schulforschung ist der Bereich der Sprach-, Lese-, Schreibkompetenz an Hochschulen nahezu unbeobachtet und unerforscht geblieben, obwohl genau darauf abzielende Schlüsselqualifikationen zum zentralen Ausbildungsziel aller wissenschaftlichen Studiengänge gehören.

Dieses Projekt wird die Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen von BA-Studierenden in den Fächern Germanistik und Physik empirisch untersuchen und didaktisch fördern.

Deshalb versteht sich das Projekt als eine erste große Studie zum Stand und zur Entwicklung literaler Kompetenzen an deutschen Hochschulen.

Link:

http://www.uni-bi.de/lili/projekte/likom/

Niederdeutsch in Westfalen - Historisches Digitales Textarchiv (NiW)

Seit 2009. Internet-Portal zur Sammlung und freien Nutzung von Texten in westfälischer Sprache aus der Zeit von 800 bis 1800. - Kooperationsprojekt mit der Universität Münster.

Link:

http://www.uni-bi.de/lili/projekte/niw/