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Kontext

China und Vietnam waren über Jahrzehnte hinweg sozialistische Staaten und haben die zentrale Planwirtschaft mit Beginn der 80er Jahre aufgegeben. Mit politischen Systemen, die durch die kontinuierliche Führung der Kommunistischen Partei geprägt sind, und bei gleichzeitigem Ausbau der Privatisierung unterscheiden sich diese Länder jetzt stark von dem, was sie einst waren. Wirtschaftlicher Wachstum, Industrialisierung und Verstädterung haben völlig neue Landschaften von Produktion, Verbrauch und Mobilität eingeführt.

Eine bedeutende Transformation liegt im Bereich der sozialen Sicherheit. Nach Jahren, in denen die sozialistische Wohlfahrt abnahm, haben beide Regierungen ambitionierte Wohlfahrtprogramme vorangetrieben. Wie in vielen anderen Ländern des Globalen Süden wurden die allgemeine Kranken-und Rentenversicherung sowie das Prinzip von Barzahlungen zusammen mit der Versorgung durch diverse nichtstaatliche Träger ausgeweitet. Eine andere Transformation war die starke Mobilität der ländlichen Arbeitskräfte. In beiden Ländern sind Millionen von Menschen in städtische Gebiete und Industriegebiete migriert, um in Fabriken zu arbeiten, die Konsumgüter für die ganze Welt herstellen. Viele Menschen leben fernab von ihren Familien, um diese durch ihre Arbeit zu unterstützen.

Die Arbeit der Wanderarbeiter*innen war entscheidend für die schnelle wirtschaftliche Entwicklung und die Profitabilität der Weltkonzerne in beiden Ländern. Ihre Wohlfahrt ist ein umkämpfter Bereich, in dem die Arbeiter*innen, der Staat, das globale Kapital und die Breite der Gesellschaft einen Anteil haben. Der Fokus auf Wanderarbeiter*innen ist deshalb sehr produktiv, um moralische, soziale und politische Dynamiken der Restrukturierung der Wohlfahrt zu verstehen.

Wohnanlagen, in einem Immobilienbüro in Yunnan ausgestellt

Wohnanlagen, in einem Immobilienbüro in Yunnan ausgestellt

Foto von: Minh Nguyen